Deborah Halverson: Writing Young Adult Fiction For Dummies (Rezension)

Deborah Halverson ist eine amerikanische Autorin der Jugendbücher „Honk If You Hate Me„, „Big Mouth„, Lektorin und Verfasserin des Schreibratgebers „Writing Young Adult Fiction For Dummies“. Wer meiner Rezension nicht traut und sich selbst einen schnellen Eindruck vom Inhalt verschaffen möchte, kann sich hier die Cheat Sheets des Buches ansehen. Für alle anderen folgen meine fünf Cents:

Die „… für Dummies“-Reihe dürfte eigentlich jedem bekannt sein. Gäbe es sie nicht, müsste sie erfunden werden. Nahezu jedes Thema dieser Welt wird in diesen Büchern so behandelt, dass jemand, der gar keine Ahnung hat, sich schnell und unkompliziert einarbeiten kann. Mehr noch, die „… für Dummies“-Bücher bemühen sich stets um einen humorvollen, verständlichen und lockeren Schreibstil.

Ich schreibe absichtlich „bemühen“, denn ich habe schon einige Bücher dieser Reihe gelesen, die diesen Anspruch kaum erfüllten. „Writing Young Adult Fiction for Dummies“ gehört allerdings nicht dazu. Im Gegenteil.

Das Buch hat es geschafft, auf Anhieb nicht nur mein Lieblingsbuch zum Schreiben von Jugendbüchern zu werden, sondern hat das Zeug dazu, eines meiner Lieblingsschreibbücher schlechthin zu werden. Ich habe schon viele Schreibratgeber gelesen (sehr, sehr viele …), aber Halverson schafft das Kunstwerk, einerseits alles bisher Gelesene gut zusammenzufassen und gekonnt auf den Punkt zu bringen, dazu noch ein breiteres Themenspektrum abzudecken als die meisten vergleichbaren Sachbücher und gleichzeitig eine frische Perspektive auf den Schreibprozess zu werfen – eben die des Jugendbuchautors.

Deborah Halversons Schreibratgeber beantwortete alle meine Fragen, die mir zum Schreiben von Jugendbüchern auf der Seele brannten: Was sind die speziellen Anforderungen an das Schreiben für Jugendliche? Worauf muss ich bei der Sprache, bei der Auswahl des Stoffs, bei dem Entwerfen der Figuren, beim Plotten usw. achten? Lesen Jugendliche lieber die Ich-Perspektive oder die limitierte dritte Person? Was macht überhaupt ein Jugendbuch zum Jugendbuch und wie schaffe ich es, dass es auch für Erwachsene interessant ist?

Diesem und vielen, vielen anderen Themen widmet sich Halverson kompetent und unterhaltsam. Die Lektüre wird nie anstrengend, hat mir einige Male ein Schmunzeln ins Gesicht gezaubert und lädt dank der hohen Informationsdichte und Übersichtlichkeit zum erneuten Schmökern und Nachschlagen ein. Ganz nebenbei lernt man nicht nur viel über das Schreiben und den Veröffentlichungsprozess, sondern auch über das ganze Genre.

Dabei gibt Halverson auch ganz allgemeine Schreibtipps, die ich allesamt nützlich finde. So habe ich beispielsweise nach der Lektüre dieses Buches das erste Mal verstanden, was genau ein Kapitel ausmacht und was es von einer Szene unterscheidet.

Speziell für mich als Fan des Sieben-Punkte-Systems ist interessant, dass auch Halverson ein solches Plotmodell zum Entwickeln eines Handlungsgerüsts empfiehlt, das jedoch noch einmal etwas andere Schwerpunkte setzt – natürlich optimiert für Jugendbücher.

Leider ist „Writing Young Adult Fiction For Dummies – logischer Weise – für den angloamerikanischen Markt optimiert. Ich habe keine Ahnung, ob und wie sich gerade die Tipps Halversons in den Punkten Formatierung und Einreichen bei Agenten/Verlagen auch so auf deutsche Verhältnisse übertragen lassen. Auch was die Ansprüche an ein Jugendbuch betrifft, vermute ich, dass es Unterschiede zwischen dem englischsprachigen Raum und dem heimischen Markt gibt. So habe ich beispielsweise den Eindruck, dass deutsche Jugendbücher pädagogischer sein müssen, worum man sich in den USA und GB nicht unbedingt zu scheren scheint.

Jeder, der ein passables Schulenglisch besitzt und Interesse am Thema hat, sollte trotzdem zu Deborah Halversons Buch greifen. Ich brenne darauf, es bei meinem nächsten Projekt zu durchforsten und mich davon anleiten und inspirieren zu lassen und wünschte, ich hätte es schon vor meinem aktuellen Projekt gelesen. Viel Kopfzerbrechen und Zweifel wären mir erspart geblieben.

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5 Gedanken zu “Deborah Halverson: Writing Young Adult Fiction For Dummies (Rezension)

  1. Ja, von den „Dummies“ Büchern hatte ich auch schon einige und meiner Meinung nach ist die Qualität stark schwankend. Schreibe zwar kein Y/A, klingt aber trotzdem interessant. Werde mal einen Blick in den Schmöker werfen, wenn es sich ergibt. Mal sehen, ob Amazon einen Auszug hat.

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    • „Writing Youg Adult Fiction For Dummies“ gibt es als Kindle-Version. Gehört zu einem der wenigen Bücher, die ich mir als Hardcopy und als eBook geleistet habe, um es auch immer dabei zu haben. Ich bin davon wirklich begeistert.

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  2. Vielen Dank für die tolle Rezension, wenn ich das Buch mal in die Finger bekomme werde ich auf jeden Fall einen Blick hinein werfen, auch wenn Kinder/Jugendbücher nicht meine Baustelle sind. Aber wer weiß schon, was kommen wird? Danke auch für den Cheat Sheet-Link, das ist sehr hilfreich um einen ersten Einblick zu bekommen. Bisher hab‘ ich nur „Aquarellmalerei für Dummies“ und fand das aber toll gemacht – wenn auch sehr textlastig für das Thema. Ich mag es aber, dass es so aufgebaut ist, dass man einfach auch großzügig mal ein paar Kapitel überspringen kann, ich lese Ratgeber (und gerade Schreibratgeber speziell) eher selektiv.

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