Superheldenfilme 2012

Noch ist 2012 jung genug, um einen Ausblick auf die kommenden Superheldenfilme des Jahres zu werfen.

Obwohl 2011 „Ich bin Nummer vier“, Green Hornet, Thor, „X-Men: Erste Entscheidung“, Green Lantern und „Captain America: The First Avenger“ quantitativ ein gutes Jahr war, dürfte qualitativ 2012 eines der besten Jahre für Comicadaptionen werden. 2011 könnte man unter der Überschrift „Helden der zweiten Reihe“ abhaken (obwohl gerade Thor und Green Lantern mir gut gefallen haben). In diesem Jahr erwarten uns die ganz großen Titel des Genres.

1. Ghost Rider 2: Spirit of Vengeance (23. Februar 2012)

Na gut, die Erwartungen an Ghost Rider dürften sich in Grenzen halten. Den ersten habe ich nicht gesehen, aber da ich schon die Comics nicht so gerne mochte, vermisse ich auch nichts. Erstaunlich, dass es einen zweiten Teil gibt, wo doch der erste nicht gerade ein Kassenschlager war und bei den Kritiken durchfiel. Bin mir noch nicht sicher, ob ich mir Ghost Rider 2 antun werde, obwohl ihm stellenweise bescheinigt wird, besser zu sein als der erste.

2. The Avengers (26. April 2012)

Den eigentlichen Auftakt bildet dieses Jahr The Avengers. Ich habe zwar kaum Avenger-Comics gelesen, aber die Zusammensetzung der Film-Avengers (Hawkeye, Thor, Hulk, Black Widow und Iron Man) ist viel versprechend. Außerdem führt Joss Whedon Regie (Buffy, Angel, Firefly, Dollhouse, Dr. Horrible) und damit nicht nur ein Kenner des Genres, sondern auch ein Fanboy unter den Regisseuren und einer meiner Lieblingsfilmemacher. The Avengers könnte also für mich die größte Überraschung des Jahres werden, zumal die Trailer bislang sowohl originellen Witz als auch die notwendige Superhelden-Action versprechen.

3. The Amazing Spider-Man (3. Juli 2012)

Ich weiß nicht, ich weiß nicht … Keine andere Superheldenverfilmung weckt bei mir so widersprüchliche Erwartungen. Einerseits freue ich mich auf einen neuen Spider-Man. Andererseits mochte ich die Filme von Sam Raimi mit Tobey Maguire (wie hier zu lesen ist). Ich bin mir auch noch sehr unschlüssig, was ich vom neuen „düstereren, realistischeren und ernsthafteren“ Ansatz halten soll. Ich steh ja nicht so auf düster, realistisch und ernsthaft, auch wenn „Batman: The Dark Knight“ natürlich ein hervorragender Film ist. Ich verstehe nur nicht so genau, warum nun jeder Superheldenfilm unbedingt wie The Dark Knight sein muss. Es könnte aber auch genauso gut sein, dass mich The Amazing Spider-Man von den Socken haut. Der bisher veröffentlichten Teaser verrät noch nicht allzu viel und lässt alles offen.

4. Batman: The Dark Knight Rises (19. Juli 2012)

Der neue Batman dürfte wohl die am meisten erwartete Superheldenverfilmung des Jahres sein. Die Spannung ist überall spürbar groß, obwohl für einen Film dieses Formats bisher relativ spärlich Werbung gemacht wurde. The Dark Knight Rises dürfte wohl auch der Grund dafür sein, dass nur vergleichsweise wenige Superheldenverfilmungen dieses Jahr in die Kinos kommen. „Superman: Man of Steel“ wird erst nächstes Jahr veröffentlicht, obwohl die Dreharbeiten schon so gut wie abgeschlossen sein müssten. Aber wahrscheinlich will DC/WB nicht zwei so große Titel in einem Jahr in den Kinos haben, um sich selbst keine Konkurrenz zu machen (Fantastic Four, Iron Man 3 und Thor 2 sind ebenfalls für kommendes Jahr angekündigt, ebenso wie zwei „mysteriöse Projekte“, die Marvel noch deckelt).

Je größer jedenfalls die Erwartungen, desto schwerer hat es ein Film. Ich bin mir zwar sicher, dass The Dark Knight Rises mindestens so gut wird wie seine Vorgänger wird, denn ich habe bisher noch keine schlechte Arbeit von Christopher Nolan gesehen, aber ich kann die ersten Rezensenten schon wittern, die den Film in der Luft zerreißen (Sherlock Holmes: A Game of Shadows wurde von der Kritik ja auch eher mäßig behandelt, obwohl mir der Film mindestens genauso gut gefällt wie der erste Sherlock Holmes von Guy Ritchie).

Jedenfalls finde ich es spannend, dass die Superheldenverfilmungen, die ja jahrzehntelang bis Tim Burtons Batman Ende der 1980er eher die Schmuddelkinder des Hollywood-Kinos waren, inzwischen die größten Kassenschlager sind. Mitte/Ende der 1990er war das Genre dank Joel Schumachers Batman-Filme schon totgesagt und jetzt, im neuen Jahrtausend, erlebt es eine ungeahnte Blüte.

Ein einzigartiges Phänomen ist die zunehmende Vernetzung der Filme. The Avengers dürfte damit den bisherigen Höhepunkt darstellen. Noch nie zuvor waren Filme so eng miteinander verzahnt wie die Marvel-Superheldenfilme der letzten Jahre. Vielleicht zieht DC mit der Justice League 2013 oder 2014 nach, aber noch halte ich das eher für ein Gerücht. Vieles spricht eher dagegen, zum Beispiel, dass außer Superman und Batman keine DC-Helden bisher wirklich fest im Mainstream-Kino verankert sind. Green Lantern war eher ein (unverdienter) Flop, Wonder Woman und The Flash werden trotz vieler Gerüchte nicht gemacht und auf einen Aquaman- oder Hawkman-Film wird man (hoffentlich) noch sehr lange warten müssen.

Witzig, dass hier die Filme die gleiche Entwicklung durchmachen wie die Comics zwischen 1960 und 1990. Auch hier existierten jahrzehntelang die Serien für sich, bis DC zu Beginn der 60er mit der Justice League das erste Erfolgreiche Team in den Kampf gegen das Böse schickte. Marvel zog damals mit Fantastic Four nach und erfolgsmäßig an DC auch vorbei und etablierte bis heute viele von vornherein als Team-Ups konzipierte Serien, wohingegen DC meistens eher das Zusammenwürfeln bestehender Serien versuchte. Auch wenn DC also die Idee der Superheldenteams entwickelte, hat Marvel schon immer die Nase vorn, auch beim Vernetzen der Serien untereinander. Geschichte wiederholt sich also doch.

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4 Antworten auf “Superheldenfilme 2012”

  1. Ghost Rider II: da hier angesichts des Vorgängers alles nur noch besser gemacht werden kann – nun, wieso eigentlich nicht?

    „The Amazing Spider-Man“: hier würde es mich überraschen, wenn der Film dasselbe „First-Weekend“-Einspielergebnis seines Sam Raimi-Vorgängers halten könnte. Im Gegensatz zu „The Dark Knight“ wartet hier kaum einer drauf, davon bin ich fest überzeugt. Ich tippe auf ein durchwachsenes bis solides Ergebnis, ähnlich wie „Fantastic Four“ oder „Hulk“. Die meisten US-Marvel-Boys werden dafür wohl so oder so ins Kino gehen…ich bin da etwas skeptischer.
    Im Gegensatz zu den letzten Superheldenfilmen wie „Thor“ oder „Captain America“ war hier mein erster Gedanke nicht etwa „cool“, „sieht gut aus“ oder „interessant“, sondern schlicht und ergreifend – „wozu?“.

    „Cool“ und „sieht gut aus“ beziehe ich übrigens auf Whedon’s „Avengers“.Sofern es kein totaler Absturz wird (IMDB-Filme unter 6.0 sehe ich mich nicht an), werde ich mit Freude ins Kino gehen.
    Auf der großen Leinwand kommt es sicher ganz gut rüber.

    Bei „The Dark Knight Rises“ mache ich mir den einzigen Vorwurf, den Trailer angesehe4n zu haben. Beim Vorgänger konnte ich es vermeiden und war im Kino nachher umso mehr geflasht !

    Was ich übrigens selbst sehr gerne sehen würde, wäre eine neue Pulp-Comic-Verfilmung von „The Shadow“ oder „Doc Savage“ im 30-er Jahre-Stil von „Sky Captain and the World of Tomorrow“. Die neue Variante von „Judge Dredd“ werden wir leider wohl nicht mehr so bald zu sehen kriegen, obwohl die Vorlage mehr als genug exzellenten Stoff für eine gesellschaftskritische, düstere Antiutopie bietet.

    Ha, das mit der vernetzung mag richtig sein, dafür entwickelte DC eben das Konzept der übergroßen Icons – Batman und Superman. Von der Zugkraft jedes einzelnen von ihnen konnte Marvel vor den „Spider-Man“-Kinofilmen noch lange träumen. Selbst heute haben es einzelne Heldenfilme schwer, gegen die beiden weltweit bekannten Symbole, die Superman und Batman auf der Brust tragen, anzutreten. Angesichts dieses Hintergrundes bin ich sehr auf den neuen „Superman“ mit Henry Cavill gespannt. Ich wünschte bloß, dass sie auch hier die John Williams-Titelmusik behalten, um den ursprünglichen Christopher Reeves-Mythos fortwirken zu lassen. Batman hat es ja schon gebührend ins neue Jahrtausend geschafft, nun fehlt noch ein ordentlicher Supie-Streifen (obgleich man hierüber auch geteilter Meinung sein kann ;-).

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    1. Ach, wenn The Amazing Spider-Man ein guter Superheldenfilm wird – wieso nicht? Der neue Trailer sieht jedenfalls sehr solide aus und weckt mehr Erwartungen als der Teaser. Das Wozu lässt sich leicht beantworten: Es soll ganz offensichtlich ein noch jüngere Publikum angesprochen werden. Sozusagen der Spider-Man für die Twilight-Generation.

      O ja! The Shadow von 1994 mit Alec Baldwin war super. Wäre klasse, da eine Neuverfilmung zu sehen. Und Doc Savage ist überfällig. Allerdings fürchte ich, dass wir einen Film im Stil von „Sky Captain And The World Of Tomorrow“ so schnell nicht erleben werden. Immerhin ist der Film nur bei Fans des Genres gut angekommen. Dem breiten Publikum konnte er nur ein „Hä?“ entlocken und die Kritiken waren auch sehr schlecht. Vollkommen ungerechtfertigter Weise, wenn man mich fragt, aber ich bin halt auch ein Fan des Genres.

      „Das Konzep der übergroßen Icons“ – hervorragende Analyse. Ja, das stimmt. Es ist DC schon immer gelungen, breitenwirksamer aufzutreten. Auch die New 52 verkaufen sich wesentlich besser als die aktuellen Titel von Marvel. Vielleicht hat ja Marvel genau deswegen diesen Weg der Vernetzung gewählt, um die mangelnde Breitenwirkung ihrer Figuren wettzumachen.

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