Top 10 Schreibbücher

Folgende 10 Bücher über das kreative und dramatische Schreiben gehören meiner Meinung nach in das Regal (oder auf den E-Book-Reader) eines jeden Autors. Ich jedenfalls habe viel aus ihrer Lektüre mitgenommen und lese immer wieder gerne in ihnen, um mich inspirieren zu lassen oder um meinen Werkzeugkasten aufzufrischen und zu ergänzen.

10. Gabriele L. Rico: Garantiert schreiben lernen

Kein Buch über das Schreiben von Romanen oder Kurzgeschichten im eigentlichen Sinne, sondern eines darüber, wie kreative Prozesse generell mit der Hilfe des Clusterings geplant werden können. Im Prinzip ist Clustering eine Kombination aus Brainstorming und Mindmapping. Wer an Schreibblockaden glaubt, hat einfach nur noch nicht Rico gelesen.

9. John Locke: How I Sold 1 Million eBooks In Five Months

Wie der Titel schon andeutet, verrät Locke nicht viel über den Schreibprozess selbst, sondern eher etwas darüber, wie Marketinggedanken und Leserorientierung beim Schreiben eine Rolle spielen können. Ich würde nicht jedes Wort unterschreiben, aber John Locke bietet schon ein paar Gedanken zum Thema, die man in anderen Schreibbüchern vergeblich sucht.

8. Hans Peter Roentgen: Drei Seiten für ein Exposé

Auch Roentgens Buch ist kein Schreibratgeber im engeren Sinne. Er erläutert als geübter Lektor die verschiedenen Formen eines Exposés, was es beim Anfertigen zu beachten gibt und wie diese wiederum beim Schreiben helfen können. Einerseits ist dieses Buch unentbehrlich für jeden, der auch veröffentlichen möchte, andererseits wird einem bei der Lektüre bewusst, wie notwendig und hilfreich es ist, zu versuchen, das eigene Schreibprojekt in wenigen Worten wiederzugeben.

7. Ludwig Reiners: Stilfibel

Stellvertretend für viele andere Stilratgeber. Hier könnten auch Wolf Schneider oder Susanne Strecker stehen. Auch die Platzierung ist eher willkürlich, denn irgendwann muss man einfach ein solches Buch durchackern, wenn man ernsthaft schreiben will. Reiners „Stilfibel“ ist trotz der sechzig Jahre, die sie auf dem Buckel hat, immer noch empfehlenswert. Für mich eines der besten Bücher in der Richtung, weil es sehr kompakt, humorvoll und verständlich geschrieben ist.

6. Sol Stein: Über das Schreiben

Der Allrounder unter den Schreibbüchern. Ob man Romane, Kurzgeschichten oder Sachbücher schreiben will, spielt keine Rolle. Stein verrät ein paar Geheimnisse und Tipps, die dabei helfen, spannend und anschaulich zu schreiben.

5. Lajos Egri: Literarisches Schreiben

Egri hat eine simple Botschaft: Plots, ob nun für Romane, Kurzgeschichten, Dramen oder Drehbücher, entwickeln sich aus den Figuren. Deswegen konzentriert sich sein Ansatz fast ausschließlich auf die Figurenentwicklung. So ausführlich findet man diesen wichtigen Aspekt nirgendwo sonst ausgearbeitet.

4. James N. Frey: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt

Wer mit den Begriffen Grundidee, Prämisse, Figuren, Plot und Stufendiagramm nichts anfangen kann, sollte dringend zu diesem Buch greifen. Aber der eigentliche Wert von James N. Frey liegt nicht unbedingt in der Theorie, sondern in der motivierenden Wirkung seines Buchs. Frey steigt vom Sockel des Literaten hinab zum Schreibanfänger, klopft ihm auf die Schulter und sagt: „Genau so wie du, habe ich auch angefangen, guck mal, so kann’s gehen und ich helfe dir dabei. Du schaffst das.“

3. James N. Frey: Wie man einen verdammt guten Kriminalroman schreibt

Auch für Nicht-Krimi-Autoren ein wichtiges Buch. Die Wiederholungen zu „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ können ein wenig ermüden. Aber dafür erfährt man hier viel darüber, was der Plot-Hinter-dem-Plot ist und wie Geschichten ganz grundlegend strukturiert werden können, Aspekte, die James N. Frey in seinem ersten Buch noch nicht angesprochen hat. Auch ohne „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ kommt man mit „Wie man einen verdammt guten Kriminalroman schreibt“ zurecht.

2. James N. Frey: The Key

Das beste Buch von James N. Frey, da es ganz grundlegend einige wichtige Erkenntnisse zum Schreiben von Romanen transportiert, losgelöst von allen Genres. Auch hier wiederholt Frey die wichtigsten Punkte aus „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“. Die Reise des Helden und der Monomythos werden hier als grundlegende Erzählmuster ausführlich erläutert. Der eigentliche Wert des Buchs liegt jedoch vor allem in seinem extrem ausführlichen Beispiel. Frey entfaltet hier von der Grundidee bis hin zum ersten Entwurf einen ganzen Roman, ganz praktisch und ohne dabei akademisch zu werden.

1. Stephen King: Das Leben und das Schreiben

Das Buch ist so wichtig, das es auf meinem Blog schon eine Weile seinen eigenen Artikel hat: Mein wichtigstes Buch: Stephen Kings „Das Leben und das Schreiben“.

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32 Antworten auf “Top 10 Schreibbücher”

  1. Es fehlt aus meiner Sicht „Kreativ schreiben“ von Fritz Gesing und „Erfolgreich schreiben“ von Claus Vainstain.

    Zur Entspannung kann man dann noch „Wie man den Bachmannpreis gewinnt“ von Angela Leinen lesen – viele Informationen, unterhaltsam verpackt.

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    1. Gesing ist auf jeden Fall die Lektüre wert, aber ich finde, dass er vom reinen Informationsgehalt Frey sehr ähnlich ist. Und da würde ich um Zweifelsfall hält lieber zu Frey greifen. Gesing bietet die Perspektive auf den deutschen Buchmarkt, die Frey naturgemäß fehlt. Schon allein deswegen gehört er auf Platz 11.

      „Erfolgreich schreiben“ kenne ich nicht, sieht aber vielversprechend aus. Habe ich mir gleich bestellt. Vielen Dank für den Tipp.

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  2. Hallo, Marcus,

    aus einer langen Schreibratgeberlesekarriere kann ich noch empfehlen:
    Noa Lukeman „The plot thickens“ und „The first five pages“. Außerdem von Donald Maass „Writing the breakout novel workbook“. Alle drei Bücher sind „Mitmachbücher“.

    Zum Thema „Plotten“ und Charakterentwicklung kann ich unbedingt die sehr komplexe „Storymind“-Theorie empfehlen. Dazu gibts auch eine Software  – „Dramatica“. Hochinteressant. Hochkomplex. Lohnt sich aber. Hat meinen Sinn für Dramaturgie deutlich geschärft. Zu Schade, dass ich keine Ambitionen mehr habe, einen Roman zu schreiben. 🙂

    Lieber Gruß,

    Sven

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  3. Ach, so schade ist das nicht. Ich habe nach 10 Jahren und fünf Erstfassungen unterschiedlicher Romane sowie zig Kurzgeschichten eingesehen, dass ich nicht zum Belletristen geboren bin. Was nicht heißen soll, dass ich mich nie zu einem „verpuppen“ kann. Im Moment habe ich andere Schreibprioritäten (damit meine ich nicht „twittern“ :). Das „kreative Schreiben“ hat mich in vielen Bereichen weitergebracht. Insofern wars keine vertane Zeit.

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  4. Gabriele L. Rico kann ich nur empfehlen. Mit ihr habe ich quasi erst angefangen, denn was vorher nicht lief, ging plötzlich leicht von der Hand – auch wenn ich heute kaum noch clustere.
    Frey ist natürlich Pflicht. Gesing ist interessant, auch um das was Frey sagt, noch mal in anderem Licht zu wiederholen. Er ist auch nicht ganz so dogmatisch. Die Stilfibel von Ludwig Reiner hab ich mir so eben per Amazon bestellt, für guten Stil kann man eben nicht genug tun.
    Wenn du weiter so Kings Buch lobst, dann muss ich es mir ja doch noch mal aus der Bib ausleihen 😀 Beim letzten Mal bin ich nicht ganz durchgekommen.

    Letztendlich stellt sich bei mir aber die Erkenntnis ein, dass Schreibbücher für mich keine Anleitungen und Methodenkästen sind, wie ich einst gehofft und erwartet habe, sondern vielmehr Steine, an denen ich mich und meine Technik schleife: Mit jeder Lektüre werden mir vielleicht ein, zwei Dinge über mich klarer, oder ich bekomme Ideen, was ich ausprobieren kann. Schreiben muss ich am Ende aber immer noch selbst.

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    1. Ja, eine treffende Beobachtung. Auch das beste Schreibbuch kann nur eine Inspiration sein. Schreiben ist halt nun mal ein so individueller Prozess, dass man sich nur Anregungen holen kann, seinen Weg am Ende aber selbst finden muss. Deswegen ist es auch okay, dass Frey seine Grundsätze „dogmatisch“ formuliert. Kein Mensch zwingt mich ja, seine Bücher als Schnittmuster zu verwenden. Deswegen gefällt mir das Buch von King so gut. Er sagt im Prinzip nur: Schaut her, so mache ich es. Wenn dir das hilft, gut. Falls nicht, auch gut.

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  5. Kenne fast alle der erwähnten Bücher (Sammelleidenschaft 😉 )- mit Ausnahme der englischsprachigen – mangels Fremdsprachenkenntnis. Fehlen tut meiner Meinung nach das zweite Buch von Lagos Egri – das das erste ergänzt und verdeutlicht (da war mein „Aha-Erlebnis“).
    „Dramatisches Schreiben“ heißt das zweite Buch von ihm.
    Und ansonsten habt Ihr Recht – Bücher können immer nur Inspiration und Motivation sein. Ich konnte aus fast jedem Buch etwas mitnehmen. Hier noch die Ergänzung zu Sol Stein – „Aufzucht und Pflege eines Romans“ …
    Mach weiter so mit Deinem Blog – auch er ist Inspiration und Motivation.

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    1. Deine Kommentare gehen runter wie Öl. Tut gut zu lesen, dass dir der Blog was bringt.

      „Dramatisches Schreiben“ von Egri kenne ich. Ist auch ein gutes Buch, aber ich wollte nur eines seiner Bücher in der Liste haben, um auch andere Autoren vorstellen zu können. Deinen Sol-Stein-Tipp kenne ich noch nicht, werde ich mir angucken. Danke.

      Wenn dir mein Blog gefällt, empfehle ich dir, auch mal in Axels Blog reinzuschnuppern, wenn du ihn noch nicht kennst. Vielleicht interessiert dich auch unser Podcast Die SchreibDilettanten. Du findest uns auch auf iTunes.

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  6. Was die Stilfrage angeht, hat mich der Ratgeber ‚Deutsch für Profis‘ von Wolf Schneider am weitesten gebracht. Hat nichts mit kreativem Schreiben zu tun, sondern ist im Gegenteil für Journalisten gedacht. Es ist eine Stilfibel, keine Anleitung – es erzieht zum Heranreifen eines individuellen Stils. Ebenfalls von Schneider: ‚Wörter machen Leute‘. Der Untertitel beschreibt den Inhalt: Magie und Macht der Sprache.

    Stephen Kings ‚Das Leben und das Schreiben‘ ist eine amüsant geschriebene Biographie und bietet einen interessanten Einblick in die US-Verlagswelt der 80er Jahre, aber Nützliches habe ich für mich darin nicht gefunden, was nicht von James Frey abgedeckt gewesen wäre. Lesenswert ist es auf jeden Fall, es ist aber eben kein Ersatz für Frey. Ähnlich (Bio+Tipps) ist ‚Das große Dean Koontz Buch“.

    Freys ‚Wie man einen verdammt guten Roman schreibt‘ würde ich auf einer Liste zusammen mit Schneiders Büchern auf Platz 1 setzen – zusammen decken sie den gesamten Bereich ab. Während Schneider eine Allgemeinbildung zum Schreiben bietet, macht uns Frey mit der Mechanik des Geschichtenerzählens vertraut. Andere Bücher von Frey halte ich ebenfalls für interessant, aber das eine SOLLTE ein angehender Autor gelesen haben.

    Wichtig finde ich ganz allgemein, dass man sich von Ratgebern emanzipiert. Wer sie als Schritt-für-Schritt-Anleitung begreift, wird wenig Gewinn daraus ziehen. Daraus gelernt hat man dann, wenn man das Gefühl hat, selber eigene Tipps geben zu können. So wie Marcus in diesem Blog ;-).

    ‚Shades of Grey‘ beweist uns allerdings, dass Erfolg und Schreibenkönnen nicht unbedingt korrelieren. Man muss die Kunst nicht übertreiben.

    Dies sind meine 5 Cent für Jungautoren. Zeitlos gültig ist wohl Schopenhauers Rat, der einst verkündete:

    „Die erste Regel guten Stils ist diese, dass man etwas zu sagen habe. Oh, damit kommt man weit.“

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      1. Ich wollte auch nur darauf hinweisen, dass es das Buch gibt. Und mit den (aktuell bei Amazon) 91 Cent für das pBook macht man auch keine Bäume tot, weil’s eben 2. Hand ist.

        Es ist tatsächlich das Gegenstück zu Kings ‚Leben und Schreiben‘ und bietet wie dieses einen Einblick in das Leben des Autors inklusive vorherigem Leidensweg. Während King allerdings sehr die Hosen herunter lässt (Alkohol, Drogen), hält Koontz sich im Privaten etwas zurück – dafür ist es sehr witzig geschrieben.

        Interessant für Fans wäre noch ‚Das Stephen King Buch‘. Darin enthalten ist das legendäre Playboy-Interview. Kostet auf Amazon gebraucht 1 Cent (plus Versand). Viel Buch für wenig Geld: es wiegt 4 Kindles.

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  7. Nun habe ich endlich mal King durch (Das Leben und das Schreiben). Ich finde es absolut genial. Da es sich um ein „Sachbuch“ handelt ist es zudem sehr inspirierend für angehende Sachbuchautoren. Es zeigt, wie man Wissen sehr angenehm und spannend vermitteln kann. Wenn man wirklich ein Buch als „Anleitung“ zum Schreiben sucht, wird King aber nicht ausreichen, da er überwiegend seine eigene Schreibweise schildert. Wer nicht wie King zum Discovery Writer taugt mag da scheitern. Nachdem ich Frey und Gesing gelesen habe, ist King aber ausgesprochen erfrischend, da er eben nicht so dogmatisch das Plotten predigt.

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  8. Nachdem ich bei eurem Podcast mal auf den Namen Stephan Waldscheidt gestoßen bin, durfte ich nun als alter Nicht-E-Book-Leser neulich entdecken, dass es „Besser!Romane!Schreiben!“ auch ganz aldmodisch auf Papier gibt. Das habe ich mir mal geordert und bin gespannt.

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    1. Ich kennen von Stephan nur Autors kleiner Helfer. Das Buch gefällt mir allerdings sehr gut und ich gehe davon aus, dass seine anderen mindestens genauso gelungen sind.

      Berichte doch mal, wie es dir gefällt.

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      1. Bin zwar erst am Anfang des Buches, aber schon begeistert. Waldscheidt erklärt sehr plastisch, pointiert. Seine Beispiele sind nachvollziehbar. Bis jetzt scheint mir das Buch eine gute Anregung zu sein. Ähnlich „fetzig“ wie Frey, nur nicht so „amerikanisch“.

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  9. Waldscheids Doppelband „Besser Romane schreiben“ erscheint mir nach knapp der Hälfte des Buches grandios. Viele locker präsentierte gute Tipps. Ist auf jeden Fall einen näheren Blick wert (Vielleicht mal ein Wochentipp in Eurem Podcast). Wer Frey durch hat und noch etwas Vertiefung sucht, ist genau richtig.
    Außerdem wartet bei mir noch das nächste Schreibbuch: Larry Beinhart „Crime Kriminalromane und Thriller schreiben“. Dieser „dämliche“ Nachname ist kein Pseudonym. Der Mann ist Amerikaner, da klingt der Name nicht ganz so blöd für einen Krimi Autoren.

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  10. Ich kann an der Stell noch das Melanda Charakter Design Kit empfehlen. Dammit kannst Du deinen Charakter durch planen und berhälst immer den Überblick. Das ebook giebt es kostenlos auf Melanda.de.

    Viel Spaß beim schreiben.

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