Show Don’t Tell: 4 einfache Tipps für einen besseren Schreibstil

„Show Don’t Tell“ ist das Mantra der modernen Schreibschule. Kein Schreibbuch oder Seminar vergeht, ohne dem Autor ans Herz zu legen, die Dinge in seinem Roman oder seiner Kurzgeschichte zu zeigen und nicht zu erzählen. Hier vier einfache Tipps, die dabei helfen können, ein besseres Buch zu schreiben:

1. Detail, Details, Details …

Lernst du dramatisches und kreatives Schreiben, sollte ein Auto für dich nie nur ein Auto sein, sondern lieber der blaue Volvo, dessen rechter Außenspiegel an der Seite baumelt. Je detaillierter etwas im Text beschrieben wird, desto plastischer taucht es vor dem inneren Auge der Leserin auf und desto mehr verrät das Auto über die Persönlichkeit seines Besitzers.

Details tragen Bedeutung. Jemand, der „ein Auto“ fährt, bleibt abstrakt. Jemand, der einen Volvo fährt, besitzt eine bestimmte Persönlichkeit – vor allem, wenn er mit einem kaputten Außenspiegel fährt. Hier hat die Leserin ein bisschen was zum Rätseln und zum Interpretieren. Vielen macht das Spaß. Die Leserin wird aktiv, kann sich selbst ein Bild machen und wird somit viel stärker in die Geschichte einbezogen, als wenn ihr alles nur erzählt wird.

Außerdem hat die Leserin dank Details ein Bild vor dem inneren Auge, was auch die Sogwirkung und damit die Spannung eines Textes erhöht.

Doch Vorsicht! Zu viele Details langweilen schnell und bewirken das Gegenteil. Die Gedanken der Leserin können abschweifen, so dass sie sich schließlich gar nichts mehr konkret vorstellt.

Am besten ist es, sich ein Detail herauszupicken, das besonders charakteristisch ist. Den Rest ergänzt die Leserin automatisch im Kopf, wenn ihre Fantasie erst einmal angeregt ist.

2. Benutze alle Sinne

In unserem Alltag dominiert das visuelle Input. Deswegen neigen wir beim Schreiben auch schnell dazu, die Dinge nur äußerlich zu beschreiben. Aber das Kondenswasser, das am Bierglas perlt, fühlt sich auch kühl und feucht an. Der Schaum im Glas erzeugt ein leises Rauschen, wenn die Blasen zerplatzen, und ein bitterer Duft nach Hopfen liegt in der Luft.

Je mehr Sinne der Leserin du ansprichst, desto besser kann sie sich in eine Situation hineinversetzen. Das macht einen Text attraktiver, als die bloße Erzählung „Er trank ein Bier.“.

Auch hier ist es wichtig, sich möglichst auf einen Sinn zu konzentrieren, um die Leserin nicht zu überfordern, zu verwirren oder zu langweilen. Wichtig ist vor allem, insgesamt in einem Text daran zu denken, dass der Mensch nicht nur Augen hat. Es muss nicht in jedem Abschnitt des Textes jeder Sinn angesprochen werden.

3. Sei spezifisch

Im wirklichen Leben laufen die Menschen nicht mit Schildern herum: „Ich bin unordentlich, aber charismatisch.“ In Prosatexten lesen wir allzu häufig Dinge wie: Er war ein liebenswerter Chaot. Es ist jedoch nur konsequent und für die Leserin reizvoller, die Kunst die Wirklichkeit imitieren zu lassen.

Wir sind es einfach gewohnt, äußere Handlung zu interpretieren. „Er versuchte, auf seinem Schreibtisch einen freien Platz für seine Kaffeetasse zu finden, schob erfolglos Papier, Stifte und leere Pizzaschachteln hin und her, bis er sich schulterzuckend dazu entschloss, die Tasse auf seinem Oberschenkel zu balancieren.“

4. Beschreibe Dinge in Dialogen

Der Konsum unzähliger Filme und Fernsehserien hat uns darauf trainiert, Informationen aus Dialogen zu gewinnen. Deswegen ist es gut, auch beim Schreiben eines Buches sich dieses Mittels zu bedienen.

Statt also „Er wurde blass vor Angst.“ zu schreiben kann es günstiger sein, die Information in einen Dialog zu packen:

„Wie siehst du denn aus?“

„W-wieso?“

„Du bist weiß wie die Wand!“

„Du wirst nicht glauben, was mir gerade passiert ist …“

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31 Antworten auf “Show Don’t Tell: 4 einfache Tipps für einen besseren Schreibstil”

    1. Der Kommentar ist schon etwas älter, ich gehe davon aus, die Erfahrunge bestimmt Dinge in Dialogen darzustellen ist allgemein angekommen.Wirkt auch professioneller.

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  1. Müsste der erste Punkt nicht besser: Sei konkret, nicht abstrakt! heißen?
    Mich stören zu viele Detailinformationen. Lieber ein Details als tausend Details, weil ich in tausend Details versinke.

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  2. Im weiteren Verlauf wird es klar, aber wenn ich Details, Details, Details als Überschrift lese, denke ich im ersten Augenblick: Überschwämme deine Leser mit Details!

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  3. Ich verachte den show-don’t-tell Imperativ in rigoroser Weise, und lasse mir diesen Stil von Niemandem aufoktroyieren. Dezente Authoren wie Nathaniel Hawthorne und Herman Melville sind bereits ohne diesen idiotischen Stil ausgekommen, und das waren alles exquisite Werke.

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  4. Ich finde Punkt drei besonders hilfreich. Bei Büchern, die ich lese, frage ich mich immer, wieso gefällt mir dieses Buch oder wieso gefällt mir dieses Buch nicht? Und sehr häufig ist dein hier erwähnter Punkt drei der Grund, wieso mir ein Buch bzw. ein Schreibstil gefällt. Mir persönlich fällt es immer schwer, das umzusetzen, also, die richtige Siutation zu finden, um eine Charaktereigenschaft zu zeigen, anstatt sie zu beschreiben. Aber je häufiger ich es versuche, desto besser klappt es.

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  5. Danke für die 4 ganz nützlichen Tipps! Punkt 1 und 3 waren mir jetzt ziemlich einleuchtend nach den Beispielen. Ich werde es beherzigen, vielen Dank. 🙂

    Liebe Grüße
    Henrik

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