Heidemarie Brosche: Kinder- und Jugendbuch schreiben und veröffentlichen (Rezension)

Heidemarie Brosche ist eine Kinder- und Jugendbuchautorin mit einem beachtlichen Portfolio. Seit 1993 hat sie bisher über 30 Bücher veröffentlicht, teilweise bis zu fünf pro Jahr.

In „Kinder- und Jugendbuch schreiben und veröffentlichen“ berichtet die Autorin aus ihrer Biografie und ihrem Alltag. Dabei streift sie wichtige Themen, darunter einige, die man in anderen Schreibratgebern vergeblich sucht, wie z.B. das Verfassen von Anschreiben an Verlage, wie Absagen in Zusagen verwandelt werden können, wie Schreiben und Familie vereinbart werden können oder wie es gelingen kann, trotz länger anhaltender Misserfolge durchzuhalten.

Das Buch besteht aus gesammelten persönlichen Erfahrungen, geschrieben mit Witz und einer kleinen Portion Selbstironie. Brosche referiert nie trocken, sondern plaudert aus dem Nähkästchen.

Ein kleiner Nachteil dieser persönlichen Perspektive ist die mangelnde inhaltliche Tiefe an manchen Stellen. Während es spannend ist, darüber zu lesen, wie Heidemarie Brosche zum Schreiben gekommen ist, wie sie einen Verlag gefunden und ihre ersten Jahre als Autorin verbracht hat, werden die ganz praktischen Handwerkstipps, wie genau denn nun ein Jugendbuch geschrieben wird, recht kurz in zwei Kapiteln und teilweise von Gastautoren abgehandelt.

Letztlich sagt sie zu diesem Thema, das gute Kinder- und Jugendromane schlichtweg gute Romane sind – und zum Schreiben eines „verdammt guten“ Romans haben zum Beispiel Autoren wie James N. Frey, Lajos Egri oder Stephen King schon Einiges beigesteuert. „Kinder- und Jugendbuch schreiben und veröffentlichen“ ist also eher kein komplettes Werk. Das Romanhandwerk selbst muss an anderer Stelle erworben werden. Es bleibt dem Leser selbst überlassen, Verbindungen herzustellen und das gelernte Schreibhandwerk auf das Genre Kinder- und Jugendbuch zu übertragen.

Brosche schreibt genauer über Themen wie Altersgruppen, in die Verlage ihre Leser einteilen und darüber, wie man ihnen jeweils als Autor gerecht werden kann. Die Grundlagen sind also durchaus vorhanden.

Was mich beim Lesen nachdenklich stimmte, ist Brosches Tipp, sich einen PC zuzulegen. Hier fragte ich mich, ob ich ernsthaft zur Zielgruppe des Buches gehörte, denn ich kann mir kaum vorstellen, dass daran heutzutage noch ein Zweifel besteht.

Der Titel ist also sehr wörtlich zu verstehen. Heidemarie Brosche widmet in dem Buch sehr viel Raum den Fragen rund ums Veröffentlichen eines Manuskripts und zum Werdegang und Alltag eines Autors. Wer ein reines Buch über das Schreiben von Kinder- und Jugendbüchern sucht und tiefschürfende Erkenntnisse zum Schreibprozess erwartet, wird hier nicht ganz glücklich werden.

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3 Antworten auf “Heidemarie Brosche: Kinder- und Jugendbuch schreiben und veröffentlichen (Rezension)”

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