Hans Zimmers „Sherlock Holmes: A Game Of Shadows“-Soundtrack als Schreibmusik

Hans Zimmer ist spätestens seit seinem Soundtrack zu „Batman: The Dark Knight“ zum Megastar unter den Filmkomponisten geworden. Inzwischen kommt man kaum um ihn herum. Gefühlt schreibt er für jeden zweiten Blockbuster die Musik.

Dementsprechend skeptisch war ich, als ich letztens in den neuen Sherlock Holmes-Film „Spiel im Schatten“ ging. Anfangs schienen sich meine Befürchtungen zu bestätigen, hörte ich doch im Kino in den ersten Minuten nur Altbekanntes. Aber hier und da ließ mich der Soundtrack doch aufhorchen, so dass ich ihn mir mit gemischten Gefühlen kaufte. Ich habe es nicht bereut. Im Gegenteil. Ich kann ihn nur empfehlen, ob nun als Schreibmusik oder „nur“ zum einfachen Hören.

Der erste Track (der nur knappe 40 Sekunden lang ist), lässt erst Schlimmes befürchten, ist er doch ein direktes Zitat vom ersten Sherlock Holmes-Soundtrack. Doch gleich darauf schlägt Zimmer ganz, ganz andere Töne an.

War seine Musik zum ersten Sherlock-Holmes-Film noch ein wilder Ritt auf einem verstimmten Klavier, der einer fünfzigminütigen Schlägerei im Pub ähnelte, so besitzt der zweite Soundtrack eine zugleich bombastischere wie auch düstere Atmosphäre, obwohl er immer wieder Motive und Melodien aus seinem Vorgänger verwendet. Wieder einmal gelingt es Zimmer, die Atmosphäre des Films ganz individuell abzubilden und thematisch zu vertiefen.

Sherlock Holmes: „A Game Of Shadows“ ist also kein billiger Aufguss des ersten Teils mit ständige den selben Themen, die nur neu variiert sind (wie es zum Beispiel bei den diversen Star-Wars-Soundtracks der Fall ist), sondern ein Kunstwerk für sich, das gekonnt mit den Melodien des ersten Teils spielt, sie hier und da aufblitzen lässt, nur gerade lange genug, damit der Hörer sie sich ins Gedächtnis ruft. Schnell genug wird dann aber die Erwartungshaltung gebrochen, so dass das Hören nie langweilig wird.

Künstlerische Qualität hin oder her, für meine Zwecke interessiert mich vor allem, ob der Soundtrack sich auch als Schreibmusik eignet. So sehr ich auch die Musik zum ersten Sherlock Holmes von Guy Ritchy mochte, zum Schreiben war sie einfach zu speziell und zu weit weg vom Genre, in dem ich mich bewege (Supernatural Mystery in der Gegenwart).

Stellenweise gilt das für „A Game of Shadows“ auch. Aber zum Glück sind diese Stellen recht kurz. Die beiden, kurzen Tracks „Two Mules For Sister Sara“ und „Die Forelle“, die eher musikalische Witze sind (jeder, der aufmerksam den Film gesehen hat, weiß, warum), lassen sich ausblenden und der Rest reicht immer noch für eine ausgedehnte Sitzung am Romanmanuskript.

Hat man über die Zitate aus dem ersten Film und die beiden Querschläger hinweg gehört, wird man mit einem wirklich einzigartigen Klangteppich belohnt, der in tiefen, dunklen Tönen wühlt und damit eine angenehm schaurige, dunkle Grundstimmung verbreitet, die gleichzeitig zum Träumen einlädt. Gruselig-Verträumt wäre für mich das Prädikat, mit dem ich den Soundtrack am ehesten beschreiben würde, wobei auch immer wieder ein Stück Humor und Leichtigkeit aufblitzen.

Dabei wird die Musik nie langweilig, wie so häufig bei düsteren Soundtracks. Zimmer ist genial genug, um an den richtigen Stellen Akzente zu setzen und dem Hörer ganz neue Klangwelten zu eröffnen, wie man es von ihm eigentlich auch erwartet. Hans Zimmer benutzt Streicher auf eine Weise, wie man sie selten hört, schon gar nicht in kommerzieller Filmmusik, in dem er sie ein nervenzerreißendes, knisterndes Wispern ohne Melodie spielen lässt und das Schlagen der Bögen auf den Seiten als Rhythmusinstrument nutzt.

Aber am besten hat mir der musikalische Einsatz einer Schreibmaschine gefallen. Die Idee mag nicht neu sein, aber so, wie es Zimmer tut (ohne jeden Anflug von Komik), habe zumindest ich es noch nie gehört. Und wenn das nicht „Sherlock Holmes Spiel im Schatten“ zur idealen Schreibmusik macht – was dann?

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