Top 10 Superheldenfilme

Als Fortsetzung des Artikels der letzten Woche, nach meinen Lieblings-Superhelden, hier meine Lieblingssuperheldenfilme – und was ich an ihnen lehrreich fürs Schreiben finde.

10. Batman

Gemeint ist der erste Tim-Burton-„Batman“ aus dem Jahr 1989. Heutzutage wirkt der Film vielleicht ein bisschen angestaubt und hier und da zu bunt (das kann ich aber nicht neutral beurteilen, da ich als Teenager von dem Film damals hin und weg war). Dazu muss man jedoch beachten, dass Tim Burtons „Batman“ nach der Fernsehserie aus den 1960ern der erste Filmbeitrag zum Franchise war – und im Vergleich dazu stellte Burtons Version einen Fortschritt biblischen Ausmaßes dar.

Ich würde sogar so weit gehen, dass die derzeitige Welle der Superheldenverfilmungen ohne den Burton-Film gar nicht möglich gewesen wäre. Zusammen mit Millers „Dark Knight“ dürfte „Batman“ der wichtigste Einfluss auf das Superhelden-Genre schlechthin sein.

Burton definiert die Beziehung zwischen Batman und Joker neu und führt sie auf das zurück, was sie im Kern ausmacht und ihr Bedeutung verleiht. Joker ist seit diesem Film nicht mehr der irre Spaßmacher mit dem skurrilen Spielzeug, sondern die Rückseite der Münze, auf deren Vorderseite Batmans Konterfei prangt. Durch den kleinen Kunstgriff, dass Burton Jack Napier (Joker) zum Mörder von Bruce Waynes (Batmans) Eltern macht, erschafft er praktisch ein Perpetuum mobile aus Ursache und Wirkung, eine Verkettung der Auswirkungen urbaner Greueltaten, an dessen Ende niemand so genau sagen kann, wer denn von den beiden kostümierten Irren der Schlimmere ist.

9. Unbreakable

Einer meiner absoluten Lieblings(superhelden)filme. Trotzdem ist „Unbreakable“ relativ weit hinten platziert, weil die meisten ihn wahrscheinlich gar nicht dem Genre zuordnen würden. M. Knight Shyamalan macht es dem Zuschauer nicht leicht, diesen Film in eine Schublade zu tun. Aber gerade deswegen gefällt er mir.

Shyamalan spielt mit dem Genre und erschafft gleichzeitig einen spannenden Thriller. Wer noch nie Superheldencomics gelesen oder -filme gesehen hat, wird wahrscheinlich gar nicht merken, wie und wo der Film dem Genre gerecht wird und ihn als Mystery-Thriller sehen.

Minimalismus könnte das Schlagwort sein, das „Unbreakable“ am besten beschreibt. Die Story selbst hat keine großen überraschenden Wendungen, es gibt nur wenige Figuren, kaum Musik, wenige Schnitte oder Kamerafahrten. „Unbreakable“ konzentriert sich ganz auf seine Figuren, Hauptsächlich David Dunn und Elijah Price und ist beinahe ein Kammerstück. Und hier liegt eigentlich auch der einzig erkennbare Prüfstein, der den Film zum Superheldenfilm macht: in dem Verhältnis zwischen Dunn und Price, das eine auf die Spitze getriebene Antagonisten-Protagonisten-Beziehung ist.

„Unbreakable“ ist in meinen Augen so etwas wie ein Experiment: Wie weit kann ein Genrefilm auf die üblichen Zutaten des Genres verzichten? Und das Experiment ist in meinen Augen gelungen, denn wer sich Unbreakable ansieht, weiß hinterher, welche Elemente des Superheldengenres wesentlich sind – und Männer in Strumpfhosen sind es eindeutig nicht.

 8. Daredevil

Von der Kritik vollkommen unterschätzter Film. Wer ihn heute einmal im Vergleich zu Watchmen sieht, wird feststellen, dass „Daredevil“ für den visuellen Stil von Zack Snyders Film Pate stand.

Außerdem erzählt „Daredevil“ eine der tollsten Vater-Sohn-Beziehungen des Genres. Konsequent wird Daredevils Besessenheit von Gerechtigkeit aus seinem Verhältnis zu seinem Vater und seinen Erlebnissen in jungen Jahren abgeleitet. An vielen Stellen gleicht Matt Murdocks Biografie der Bruce Waynes, mit dem Unterschied, dass Batman eher selten mit den Konsequenzen seines gewalttätigen Handelns konfrontiert oder sogar dafür gefeiert wird.

Anders Matt Murdock/Daredevil. Wenn Teenie-Matt trotz seiner Blindheit die Bullys seines Viertels vermöbelt und sich im Anschluss ein diabolisches Grinsen auf seinem Gesicht zeigt, läuft es mir kalt den Rücken runter. Kein Zweifel: Hier genießt die Hauptfigur den Rausch der Stärke, der Überlegenheit und zelebriert Gewalt. Schön, dass kurze Zeit später im Gespräch mit dem Priester der Satz „Gewalt erzeugt nur noch mehr Gewalt“ fällt. Von hier an ist die Handlung des Films eine Argumentation, die diese These belegen soll – und dies auch eindrucksvoll tut.

Am Ende gewinnt Daredevil die Einsicht, dass der Pater Recht hatte, kann jedoch trotzdem nicht aus seiner Haut, was der Geschichte Tragik und Tiefe verleiht. Eine wahrhaftig gelungene Umsetzung des heiklen Themas Selbstjustiz, das am Ende den Zuschauer ohne Antwort entlässt, denn die Frage, wer denn für Gerechtigkeit sorgen kann, wenn man sie nicht selbst in die Hand nimmt, beantwortet der Film nicht platt, sondern lässt sie offen. Es wird lediglich gezeigt, dass Gewalt keine Lösung ist, jedenfalls keine gute.

Absolut gelungen: Der Schaukampf zwischen Matt und Electra auf dem Spielplatz, der ein wunderbare Metapher für die verharmlosende Gewaltdarstellung des Genres und den Kampf der Geschlechter ist und gleichzeitig auch noch entsprechende Szenen aus Kung-Fu-Filmen parodiert. Die Szene gewinnt an Tiefe, wenn Electra später gegen Daredevil kämpft und ihn dabei lebensgefährlich verletzt, aus dem Spiel also tödlicher Ernst geworden ist.

7. Hellboy

Superhelden-Cthulhu. Muss ich mehr sagen? Mir gefällt der Hellboy-Film besser als die Comicvorlage, obwohl ich diese auch schon sehr gerne mag. Neben dem Einfangen des besonderen grafischen Flairs der Comicvorlage liegt die Leistung des Films darin, das minimalistische Storytelling Mike Mignolas in eine kinogerechte Handlung zu transferieren, ohne aufgesetzt zu wirken.

Herausgekommen ist meiner Ansicht nach eine tolle Superhelden-Pulp-Horror-Story, die optisch frisch ist und riesige Actionszenen und liebevoll gezeichnete Figuren hat. Alles, was man von einem wirklich guten Vertreter des Genres erwartet, nur auf eine Weise, wie man die vielen Zutaten zuvor noch nicht gesehen hat.

„Hellboy“ ist ein kleines Lehrstück darüber, dass der Weg des Helden – der als Sohn der Hölle ja nun wahrhaftig vorbelastet ist – nicht vorgezeichnet sein muss, sondern auch gegen alle Widerstände selbst gestaltet werden kann. Herrlich ironische Metapher dafür: Anstatt sich zu rasieren muss Hellboy tagtäglich seine Hörner abschleifen.

6. Mystery Men

Okaaaay … Wir könnten darüber streiten, ob „Mystery Men“ ein echter Superheldenfilm ist. Natürlich ist er in allererster Linie eine Parodie. In meinen Augen erzählt der Film aber darüber hinaus eine tolle Geschichte darüber, wie man seinen Traum leben kann, auch wenn man von Natur aus nicht unbedingt mit idealen Starbedingungen ausgestattet ist. Immerhin sind die Mystery Men Supermänner ohne Kräfte und trotzdem (oder deswegen) Helden bzw. werden es am Ende der Geschichte.

Ein Film, dessen Geschichte und Figuren die Schwächen des Genres liebevoll entlarven.

5. Spider-Man 1

Trotz besserer Special Effects in „Spider-Man“ 2 und 3 ist der erste für mich der beste – wegen des Drehbuchs.

„Aus großer Macht folgt große Verantwortung.“ ist seit diesem Film nicht nur eine feststehende Phrase der Nerd-Community (obwohl der Satz schon in den 1960ern in den Spider-Man-Comics fiel), sondern auch die Prämisse des ganzen Films. So abgedroschen das auch klingen mag, ich finde an dieser Aussage ist nichts auszusetzen und denke, dass damit ein, wenn nicht sogar das Kernthema des gesamten Genres schlicht auf den Punkt gebracht wurde. Pädagogisch wertvoll, ohne aufdringlich zu sein.

4. Batman Begins

Im Kino konnte ich den Film nicht ganz genießen, ich habe ihn erst durch wiederholtes Schauen zu Hause für mich entdeckt. Anfangs war ich sehr enttäuscht, wie weit sich Christopher Nolan von der Vorlage und den Tim-Burton-Filmen entfernt hat. Aber nachdem ich diesen ganzen Ballast abgeworfen hatte, war ich offen für das wirklich großartige Drehbuch des Films.

Angst und deren Überwindung in all ihren Facetten zum Kernthema zu machen, ist eine hervorragende Idee und verleiht der Batman-Figur, die ja eher auf Vergeltung und Selbstjustiz abzielt, eine neue Seite. Batman wird mit „Batman Begins“ komplexer, weswegen er letztendlich doch dem Weg folgt, den Burton vor zwanzig Jahren vorgezeichnet hat.

Hervorragender erzählerischer Kniff: Bruce Wayne, der es sich zum Ziel macht, Angst zu verbreiten und sich deswegen in ein gruseliges (na ja …) Fledermauskostüm schmeißt, wird von Scarecrow selbst das Fürchten gelehrt. Ein Kreislauf aus Furcht verbreiten und Furcht empfinden wird in Gang gesetzt, der sich keine Figur so richtig entziehen kann (von Rachel und Alfred, den einzigen wahrhaftig Mutigen in der Geschichte, einmal abgesehen).

3. Superman Returns

Ich habe mich ja bereits als Superman-Fan geoutet. Von vielen wurde der Film geschmäht, meiner Meinung nach zu Unrecht. Sicherlich hat „Superman Returns“ nicht die Tiefe und den Anspruch wie „Watchmen“ oder „Batman: The Dark Knight“. Aber dafür schummelt er auch nicht, indem er mehr zu sein versucht als ein Superheldenfilm oder seine Hauptfigur neu erfindet. Im Gegenteil: „Superman Returns“ ist Brian Singers Denkmal für Superman. In jeder Einstellung, in jeder Szene wird auf jahrzehntelange Comic- und Filmgeschichte angespielt und es wird viel, viel Zeit darauf verwendet alles, was Superman ausmacht, liebevoll und detailliert in Szene zu setzen.

Ja, viele haben mit „Superman Returns“ ihre Schwierigkeiten. Und tatsächlich besitzt der Film auch eine ganz entscheidende Schwäche: Das Drehbuch macht zu viele Voraussetzungen – man muss die Christopher-Reeve-Filme kennen, die Comics und sich in die Story einfummeln, die eher ungewöhnlich ist, da sie nicht am Anfang beginnt, sondern mittendrin. „Superman Returns“ basiert zwar lose, aber doch immerhin deutlich auf „Superman“ (1978) und „Superman II – Allein gegen alle“ (1980) und hat eine lange Vorgeschichte, die an einigen Stellen des Films erwähnt oder erzählt wird, ohne dass der Zuschauer sie je sieht.

Andererseits entsteht so eine komplexe und vielschichtige Geschichte, die einzig und allein dazu da ist, Superman als modernen Mythos vor dem Hintergrund seiner Traditionen für die Gegenwart zu definieren.

In jeder Szene mit Clark Kent/Superman, geht es darum, das Richtige zu tun. Der innere Kampf, den die Hauptfigur in den privaten Momenten des Films ficht, wird teilweise nur mit kleinen Gesten oder minimalistischer Mimik dargestellt – ein herrlicher Kontrast zu den vielen bombastischen Special Effects, auf die ein Superman-Film natürlich nicht verzichten kann.

Die Dreieckskonstellation zwischen Louis Lane, ihrem Verlobten Richard White und Superman (eigentlich sogar beinahe eine Viereckskonstellation, wenn man Clark Kent noch dazu zählt) ist dabei der eigentliche Bösewicht, gegen den es sich zu beweisen gilt, nicht Lex Luthor.

So macht der Film das einzig Richtige, was eine Superman-Geschichte – und eigentlich jede Superhelden-Geschichte – machen kann: Den Fokus von der ganzen bunten und lauten Action auf die Figurenkonstellation und auf die persönlichen Konflikte zu verschieben. Abgesehen von „Watchmen“ zelebriert dies kein anderer Superhelden-Film, den ich kenne, so exzessiv und gekonnt.

Darüber hinaus beeindruckt mich der Film mit dem, was die meisten kritisieren: seiner Langsamkeit. In jeder Szene, jeder Einstellung, wird das Erhabene, das Monumentale an der Figur deutlich gemacht und in wunderbare Bilder verpackt. Das kostet Zeit, die sich der Film gottlob nimmt. Nichts für Actionfans, da der Film auf diese Weise beinahe schon poetisch wird. Aber gerade deswegen für mich ein grandioser Kinofilm.

Ach ja, und Lex Luthor wird auch vermöbelt. Was will man mehr?

2. Watchmen

Als Comic schon die Krönung des Genres, steht der Film dem Original eigentlich in nichts nach. Beinahe hätte ich ihn auf Platz eins gewählt, aber ich finde, dass „Watchmen“ schon ein wenig schummelt. Immerhin ist der Film eine Meta-Superhelden-Geschichte, die auf so vielen Ebenen arbeitet, dass mir jedes Mal schwindelig wird, wenn ich darüber nachdenke.

Ausgehend von einer Parodie der Silver-Age-Superhelden, die jedoch bei weitem nicht so klamaukhaft und viel subtiler angelegt ist als bei „Mystery Men“, werden schließlich auch die 1980er Jahre und der Kalte Krieg kritisch reflektiert und ironisch gebrochen. „Watchmen“ ist ein Superhelden-Hommage, gleichzeitig ein Superhelden-Satire, aber auch politische Satire, Parallelwelt-SF, Dystopie und, und, und …

Der Film erreicht die Spitze des Niveaus, das eine Superheldenverfilmung überhaupt erreichen kann: Moralische Dilemmata werden aufgeworfen und deren Lösung dem Zuschauer überlassen. Statt das Publikum mit einfachen Antworten zu entlassen, ist der Konflikt in Watchmen so vielschichtig und vielfältig, dass man, wie die Figuren im Film auch, noch Ewigkeiten darüber philosophieren kann, ohne je zu einer letztgültigen Antwort zu gelangen.

1. Batman: The Dark Knight

Hartes Kopf-an-Kopf-Rennen mit „Watchmen“, aber doch berechtigt auf dem ersten Platz. Eine komplexe Geschichte, die trotzdem spannend bleibt und nicht anstrengend wird, schwere Themen leicht verpackt, ein perfekter Balanceakt zwischen Anspruch und Unterhaltung, visuell hervorragend umgesetzt. Ganz großes Kino, ganz großes Drehbuch.

Natürlich gebührt ein Großteil der Anerkennung für diesen hervorragenden Film Heath Ledgers Darstellung des Jokers, die nun wahrhaftig einzigartig ist und eine der größten schauspielerischen Leistungen des populären Kinos darstellen dürfte. Aber auch jenseits dieses Aspekts ist der Film einfach perfekt komponiert und vielschichtig wie Watchmen, wirkt aber beim ersten Gucken wesentlich lockerer.

Mir ist kein anderer Film bekannt, der so perfekt die Balance zwischen Unterhaltungskino einerseits und anspruchsvollem Film andererseits wahrt. Natürlich wird auch diese Verfilmung Superheldenskeptiker nicht zu Batmanfans mutieren lassen, aber Nolan hat doch zumindest gezeigt, wie weit man auch in einem vermeidlich seichten Genre gehen kann, ohne es zu überdehnen, wie Watchmen es tut.

Die gelungenen Aspekte von „Dark Knight“ zu besprechen, würde den Rahmen dieses ohnehin schon viel zu langen Artikels sprengen. Für mich der gelungenste Kunstgriff: Batman übertritt beim Bemühen darum, das Richtige zu tun, viel zu oft die Grenzen des moralisch Gerechtfertigten, aber trotzdem entlässt „The Dark Knight“ den Zuschauer mit Sympathien für den Helden, da er sich am Ende für ein höheres Ziel opfert. Wirklich meisterhaft erzählt, weil diese Wendung nicht aufgesetzt und bemüht wirkt (wie in den schlechteren Vertretern des Genres), sondern konsequent aus der Handlung und den Figuren des Films entwickelt wird und damit glaubwürdig ist.

Advertisements

20 Gedanken zu “Top 10 Superheldenfilme

  1. Was man sich bei „Superman Returns“ hätte mehr wünschen können? Superman, wie er von Batman zu Klump geprügelt wird. Na ja, man wird ja noch träumen dürfen… 😉 Ansonsten ein sehr, sehr schöner Artikel. „Mystery Men“ sagt mir allerdings gar nichts – nehme aber die Anregung gerne auf… .Großes Lob, dass du „Unbreakable“ nicht vergessen hast (hätte jetzt nicht an den Film gedacht) Allerdings ist er mit Platz 9 viel zu schlecht bewertet. Schlechter als Daredevil… Wenn ich so darüber nachdenke, hat er eigentlich Platz 1 verdient – auch oder vielleicht gerade weil er ein völlig untypischer Superhelden Film ist, sich sozusagen als Thriller in das Mainstreamkino einschleicht (der neue Shamay…Shalayam… Verflucht, wie kann man mit so einem Namen nur Regisseur werden)

    Gefällt mir

    • Ich habe mir echt lange überlegt, wo ich „Unbreakable“ hinpacke. Letztlich ist seine Platzierung nicht der Qualität des Films geschuldet, sondern eher seiner Außenseiterposition. Er könnte tatsächlich sehr gut weiter vorne mitspielen.

      „Schlechter“ als Daredevil ist „Unbreakable“ auf keinen Fall.

      Gefällt mir

  2. Hallo Marcus,

    also, bis auf Spider-Man und Superman Returns würde ich die Liste so tatsächlich auch unterschreiben, insbesondere was Watchmen und The Dark Knight angeht. Ich persönlich mag auch die Daredevil-Verfilmung. Das gilt insb. für die viel längere Extended Cut-Variante, die Mark Steven Johnson auf Druck des Studios dann auf die Kinofilmlänge runterschneiden musste. Er ist vielleicht deshalb so schlecht bei den Kritiken weggekommen, weil Ben Affleck im Gegensatz zu Tobey Maguire oder Christian Bale keinerlei Emotionen rüberbringen kann (konnten Schwarzenegger, Jason Statham oder The Rock aber sowieso noch nie). Der Homogenität, der Action und dem Unterhaltungswert des Films tut dies jedoch keinen Abbruch. Ausserdem : die Szene mit Elektra im Regen ist eine der romantischsten Szenen des westlichen Kinos ÜBERHAUPT 🙂

    Superman Returns hingegen finde ich nicht nur deutlich zu lang, sondern auch zu träge erzählt.
    Um einen Epos gebührend zu zelebrieren respektive ihn auf der Metaebene zu hinterfragen, muss man diesen nicht 150min lang in langen CGI-Einstellungen schwelgen lassen – erst recht gilt dies für eine Superhelden-Verfilmung. Ich halte es für verfehlt, die Superman-Comics als eine 2,5h lange Meditationsstunde zum Thema „The American Way“ respektive „Triangle of Love“darzustellen. Ein Epos muss Episches bieten und dazu gehört auch eine dynamische Story, schöne lange Einstellungen allein reichen nicht. Es ist ja schön, dass der Regisseur die Frage aufwirft, was der Mann aus Stahl in unserer heutigen Welt verloren hat und ob er überhaupt noch eine Daseinsberechtigung hat. Weder die biblischen Parallelen noch das schön geschilderte Beziehungsdreieck rechtfertigen den langwierigen Aufbau und den zähen Fortgang der Handlung, mögen sie noch so detailreich sein. Dagegen können weder der kongeniale Christopher Reeve-Nachfolger Brandon Routh und der wie immer überragende Kevin Spacey als Lex Luthor etwas unternehmen.

    Meine Ergänzungen/Permutationen für die Top 10, die mir spontan einfallen:

    Iron Man – Welcher Comic-Film kann von sich behaupten, eine unterhaltsame Satire mit dem bitteren Beigeschmack von „Lord of War“ zu sein? Iron Man kann es – und hat nebenbei mit Robert Downey Jr. eine realistische, lebhafte und äußerst unterhaltsame Titelfigur.

    X-Men 2 : der bislang beste X-Men-Film. hier schafft es Bryan Singer, das meiste aus der komplexen Vorlage herauszuholen – viele unterschiedliche Archetypen, die aufeinander prallen, die Notwendigkeit des Zusammenschlusses angesichts von Diskriminierung und Fremdenhass, korrupte, totalitäre Strukturen, die die Macht an sich zu reissen drohen. Jedem Helden und Schurken kommt einen eigenes Spotlight zu. Die Action/Effekte-Abteilung wird dem Skript untergeordnet. Alle Protagonisten aus Teil 1 kommen wieder vor, ohne dass auch nur irgend einer von ihnen zu kurz käme.

    Hey Marcus, lass uns doch mal die SCHLECHTESTEN TOP 10 Superheldenfilme machen 🙂

    .

    Gefällt mir

    • Danke für den Tipp der Extended Daredevil-Version. Die kenne ich noch nicht. Bei „Superman Returns“ muss ich dir widersprechen, die Länge ist auf jeden Fall gerechtfertigt, da die Handlung schon komplex ist und der Film ja gleich auf mehreren Ebenen funktioniert. Die Frage ist ja auch nicht, ob der Film lang ist, sondern ob er zu lang ist. Und da kann ich für mich nur festhalten, dass ich jede Sekunde Spaß hatte.

      Zu X-Men kann ich leider nichts Konstruktives beisteuern. Ich mag die Comics schon nicht. Der zweite ist auf jeden Fall besser als der erste, aber wenn ich mich für einen X-Men-Film entscheiden müsste, wäre mein Favorit der vierte. Aber ich kann das hat nicht wirklich beurteilen, da ich zum Thema keinen Zugang habe.

      Die schlechtesten Superheldenfilme … Hm. Da muss ich erst einmal eine Weile nachdenken. So was verdränge ich in der Regel …

      Gefällt mir

      • Okay, mir fallen die schlechtesten 10 Superheldenfilme echt schwer, weil ich miese Filme schnell verdränge. Aber einer fällt mir ein: „Spawn“. Mann, war der mies.
        „Punisher“ fand ich auch nicht gut. „Elektra“ war grenzwertig. „Batman forever“ und „Batman und Robin“ fallen mir auch noch als Negativbeispiele fürs Genre ein.
        „Hancock“ und „X-Men: Origins – Wolverine“ haben mir nicht gefallen.
        Hui, jetzt sind es doch immerhin sieben geworden.

        Gefällt mir

  3. Auf die schnelle: „Ghost Rider“ und beide „Fantastic Four“-Filme. Der erste ist einfach schlecht und zusammenhangslos, trotz Nicolas Cage und Peter Fonda. Die beiden letzten mag ich trotz des eigentlich sehr guten Casts nicht, weil sie aus der Vorlage seichte und vorhersehbare Bullshit-Familien-Unterhaltung a la „Scooby Doo“ oder „Smurfs“ gemacht haben – mit viel billigem Humor und Big Budget-CGI. Wenn der Regisseur nicht versteht, was den Kern der Vorlage ausmacht, soll er lieber die Finger davon lassen.

    Gefällt mir

    • Ghostrider habe ich nicht gesehen. Aber zu den Comics habe ich auch nie Zugang gekriegt. Die Ff-Filme fand ich eher mittelmäßig als schlecht. Hier ist es an Details gescheitert. Jessica Alba war eine absolute Fehlbesetzung. Das Ding sah einfach billig aus. Aber vom Drehbuch her fand ich beide Filme okay.

      Gefällt mir

  4. Muss ergänzen, dass mir der von vielen hochgelobte „Super“ von James Gunn nicht gefallen hat. Der Humor war nicht meiner und die Gewalt war ein paar Grad über meiner Schmerzgrenze. Ich weiß, was der Film wollte, und finde sein Anliegen nicht verkehrt, aber die Ausführung war mir im Großen und Ganzen einfach zu bitter, um noch unterhaltsam zu sein. Das Ende fand ich außerdem erstaunlich plump. Mark Millars „Kick-Ass“, der ja vergleichbar ist, hat mir da besser gefallen, war aber auch nicht hundertprozentig meins. Wenn es um Superhelden-Satire geht, bin ich eher auf der familientauglicheren „Mystery Men“-Schiene.

    Gefällt mir

  5. Ich finde hier fehlt ganz eindeutig „The Incredibles- Die Unglaublichen“. Auch wenn du an anderer Stelle schon erwähntest, dass Animationsfilme eine eigene Top 10 Liste wert sind, ist dieser Film ein absolute Vergnügen, den man sich nie zu oft anschauen kann.

    Gefällt mir

  6. Ich finde die Liste an und für sich wirklich gut.
    Allerdings muss ich meinem meiner Vorredner zustimmen, der da gesagt hat, es fehlt Ironman.
    Robwert Downey Jr. spielt einen echt überzeugenden Ironman. Die Kombination aus Bildgewalt, Charme und einer unterhaltsamen Story überzeugt.
    Auf der anderen Seite steht Christian Bale als Batman, der auch sehr gut spielt und durch wirklich starke Charaktere unterstützt wird, die Ironman meiner Meinung nach fehlen.
    Beide Helden sind sich auf den ersten Blick ähnlich: Sie sind besitzen keine Superkräfte und „bezahlen“ diese durch ihren Reichtum; mit technischen Hilfsmitteln. Sie unterscheiden sich aber durch ihre Vergangenheit und ihren Antrieb das „böse zu bekämpfen“. Sie sind die Gegensätze von Marvel und DC. Der dunkle Held gegen den aufbrausenden Philantropen den jeder kennt. Und genau das wird in beiden Reihen wunderbar gezeigt und filmisch umgesetzt.
    The Dark Knight ist der beste Teil der (neuen) Batman-Reihe, da Heath Ledger einen unglaublichen Joker spielt. Denke ich aber an Bane, muss ich sagen: der enttäuscht sowohl im englischen Original wie auch auf deutsch. Liegt aber wohl daran, dass man mit so einer Maske nicht wirklich überzeugend spielen kann. Was ja auch der Grund dafür war, dass man eigentlich keinen Bane bringen wollte.
    Ich weiß gar nicht welchen Film ich aus der Liste für Ironman schmeißen würde, da sie wirklich alle gut sind. Aber wohl am ehesten Hellboy oder Superman returns.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s