NaNoWriMo 2011, Teil 3: Last-Minute-Stufendiagramm

Puh! Heute ist der 31. Oktober und ich bin soeben mit dem Stufendiagramm für mein NaNoWriMo-Projekt fertig geworden. Also wirklich in letzter Minute. Aber immerhin. Dabei war für mich die wichtigste Lektion beim Anfertigen des Stufendiagramms der Verzicht auf den Perfektionismus. Einige Punkte des Diagramms bestehen nur aus einem einzigen Satz. Aber im Großen und Ganzen habe ich die Story jetzt im Kopf und kann das Stufendiagramm als Orientierungshilfe und Schreibplan im November benutzen.

1. Was ist ein Stufendiagramm?

Es gibt zwei Möglichkeiten, zu meinem Plot zu kommen: Ich schreibe einfach drauf los und sehe zu, wo mich das Schreiben hinträgt oder ich mache mir vorher einen Plan. Ersteres nennt man häufig Discovery-Writing (entdeckendes Schreiben), denn ich entdecke dabei meine eigene Geschichte, während ich sie schreibe, bzw. durch das Schreiben. Zweiteres wird an einigen Stellen Outlinening genannt (Umriss, Skizze).

Beide Formen des Schreibens sind meiner Meinung nach nicht streng voneinander abzugrenzen, obwohl sie häufig als gegensätzlich charakterisiert werden. Ich denke aber, auch beim Discovery-Writing habe ich in der Regel ja schon eine Grundidee oder Figuren und/oder Szenen im Kopf, an denen ich mir orientiere. Und selbst wenn ich detailliert eine Geschichte plane, komme ich nicht drum herum, gelegentlich auch ein wenig zu improvisieren.

Meiner Meinung nach gibt es also weniger einen Gegensatz zwischen Discovery Writing und Outlining, es stellt sich viel eher die Frage, wie viel ich eigentlich plane. Vom groben Abriss eines Plots, wie zum Beispiel das Sieben-Punkte-System, bis hin zu detaillierten Exposés und Treatments gibt es alle möglichen Formen der Planung eines Schreibprojekts, die alle ihre Vor- und Nachteile haben.

Ein Stufendiagramm ist ein Weg, bei dem für jedes Kapitel eines Romans eine kurze Inhaltsangabe erstellt wird.

2. Wie sieht so ein Stufendiagramm aus?

Ich erstelle mein Stufendiagramm auf Karteikarten, was nicht so ganz unüblich ist. Jede Karte entspricht einem Kapitel, für jedes Kapitel halte ich fest, wer darin auftaucht, was darin geschieht, welche Konflikte sich zwischen den Figuren in diesem Kapitel entwickeln und welche Informationen der Leser erhält.

3. Wie komme ich von den sieben Plotpunkten zum Stufendiagramm?

Gute Frage. Das Sieben-Punkte-System dient mir als ein Werkzeug, um meine Grundidee in einen Plot umzusetzen. Mit dem Stufendiagramm übersetze ich den Plot in einzelne Kapitel eines Romans. Oft habe ich dabei schon einige Kapitel im Kopf, so dass ich sie nur noch aufschreiben muss, aber zwischen einzelnen Kapitel klaffen natürlich auch Lücken. Das Sieben-Punkte-System hat nun einmal nur sieben Plot-Punkte. Das Stufendiagramm (zumindest für mein NaNoWriMo-Projekt) dreißig. Fehlen also mindestens dreiundzwanzig.

Um es einfach zu sagen: Ich fange am Anfang an und arbeite mich bis zum Ende durch. Eigentlich ist das Erstellen eines detaillierten Stufendiagramms von Kapitel zu Kapitel nur eine logische Verknüpfung von Ursache und Wirkung. Im ersten Kapitel geschieht etwas, im zweiten Kapitel wird die Konsequenz des Geschehens gezeigt, im dritten die Konsequenz aus dem zweiten usw.

Natürlich ist es in der Praxis noch ein wenig komplizierter und komplexer. Es gibt viele, viele Dinge, die einen guten Plot ausmachen (können). Doch um hier ins Detail zu gehen, fehlen Platz und Zeit und ich verweise wieder einmal auf James N. Frey und seine Werke. In jedem seiner Bücher zeigt er, wie Stufendiagramme entstehen können.

4. Wie benutze ich das Stufendiagramm beim Schreiben des ersten Entwurfs?

Ich habe für mein NaNoWriMo-Projekt dreißig Karteikarten angelegt, also für jeden Tag des Monats eine, und werde demnach an jedem Tag eine Karteikarte abarbeiten – so lange, bis ich mindestens rund 1700 Wörter zusammen habe. Keine elegante Methode, nicht besonders künstlerisch, aber, wenn es funktioniert, werde ich am Ende des Monats einen fertigen ersten Entwurf vor mir haben. Dieser wird dann natürlich überhaupt nicht perfekt sein, sondern ein chaotisches Monstrum aus teilweise sinnlos zusammengezimmerten Wörtern, denn ich habe ja maßgeblich unter quantitativen Gesichtspunkten geschrieben.

Aber meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass der erste Entwurf immer Mist ist (um es frei nach Hemingway zu sagen). Ein erster Entwurf ist nichts weiter, als der grobe Stein, den ich mit ebenso grobem Werkzeug aus der Miene gehauen habe. Der Feinschliff kommt später.

5. Erste NaNoWriMo-Weisheiten

Und schon jetzt habe ich die ersten befreienden und lehrreichen Erfahrungen des NaNoWriMo gemacht: Ich habe Jahre, ja wirklich Jahre, damit zugebracht, Stufendiagramme zu erstellen – und sie sind nie fertig geworden, nur umfangreicher. Ich habe somit Jahre sinnlos an meinen inneren Kritiker vergeudet, der nie zufrieden gestellt werden konnte.

Das Stufendiagramm für mein NaNoWriMo-Projekt fängt ziemlich detailliert an. Zwischendurch gibt es ein, zwei Karteikarten, auf denen nur ein Wort steht und die letzte Handvoll Karten besteht nur noch aus einem Satz. Würde nun nicht der erste November vor der Tür stehen, würde ich mich hinsetzen und noch einmal mindestens ein, zwei Wochen am Stufendiagramm feilen, bis es meinen Ansprüchen genügt. Aber dieses Stufendiagramm hat nur den Anspruch zu erfüllen, bis morgen fertig zu sein.

Eine sehr heilsame Erfahrung, denn ich kann nun meinen inneren Kritiker einfach mit dem Verweis auf die Deadline zum Schweigen bringen. Nimm dies, Bastard.

Weiter geht’s mit Halbzeit!

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8 Antworten auf “NaNoWriMo 2011, Teil 3: Last-Minute-Stufendiagramm”

    1. Gibt es denn da spezielle Wünsche? Was interessiert dich genau? Zum Thema Stufendiagramm kann ich dir Frey nur empfehlen, eigentlich jedes Buch von ihm. Ich teile aber gerne auch meine Erfahrungen, wenn es da noch konkretere Fragen gibt.

      Gefällt 1 Person

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