NaNoWriMo 2011, Teil 2: Ein Plot auf die Schnelle

Wie immer läuft nichts wie geplant, dass reale Leben durchkreuzt fleißig Plan um Plan, so dass ich mit dem Plotten meines NaNoWriMo-Romans nicht annähernd so weit bin, wie ich es gerne wäre. Aber so ist das halt. Dazu ist der NaNoWriMo auch da, um seinen Perfektionismus zu überwinden und auch mit dem Schreiben loszulegen, wenn noch nicht alles steht.

Wenn ich Ende November tatsächlich ein 50.000-Wörter-Manuskript in den Händen halte, wäre das ein echter Gewinn. Für das Plotten von Brainteaser habe ich insgesamt rund vier Monate gebraucht. Schaffe ich das nun also in einem Bruchteil der Zeit und lerne dabei, dass ich auch einen Entwurf hinkriege, ohne jedes Kapitel im Detail geplant zu haben, dann wäre das eine wichtige Erfahrung für zukünftige Projekte und ein toller Sieg über meinen inneren Kritiker.

Trotz allem muss das nicht heißen, dass ich unvorbereitet in den November gehe und keine Idee habe, wie mein NaNoWriMo-Roman enden wird. Nachdem ich ja letzte Woche bereits meinen Helden ausgearbeitet habe (und auch schon den Bösewicht und ein paar Nebenfiguren, aber ich will hier nicht jede Kleinigkeit posten, das wäre eher langweilig), greife ich nun zum Sieben-Punkte-System, um mir meinen Plot zu erarbeiten.

Was das Sieben-Punkte-System genau ist, will ich hier nicht noch einmal beschreiben, das Wichtigste dazu habe ich bereits hier geschrieben, umfassend kann man sich auf dem Blog des Schriftstellers Dan Wells informieren (dies dann allerdings auf Englisch).

1. Schritt: Der Aufhänger

Hier kenne ich mich nach dem Entwerfen meines Helden am besten aus. Der Aufhänger ergibt sich aus seiner Biografie und der unmittelbaren Vorgeschichte des Plots. Dabei ist der Aufhänger nicht mit dem ersten Kapitel oder dem Prolog eines Romans zu verwechseln. Allerdings gehen das erste Kapitel und/oder der Prolog und vielleicht auch noch ein paar weitere Kapitel aus ihm hervor.

Für mein NaNoWriMo-Projekt lautet der Aufhänger:

Maximilian Bachs Leben ist am Tiefpunkt. Seine Karriere ist am Ende, denn ein Autounfall hat ihn gezeichnet und seine psychischen Probleme endgültig die Oberhand über sein Leben gewinnen lassen. Das Einzige, was ihm bleibt, ist seine Familie. Aber auch zu ihr verliert er zunehmend den Kontakt, weil er von dem Gedanken besessen ist, sein Schicksal allein bewältigen zu müssen, sich dadurch immer mehr von allen zurückzieht und alles nur noch schlimmer macht. 

Er trifft die fatale Entscheidung, auf eine kleine dänische Insel zu ziehen, um dort kostenlos bei Anna Holl zu leben, einer ehemaligen Kommilitonin und Liebhaberin. Die beiden haben sich jahrelang nicht gesehen, aber Anna traf zufällig Maximilians Mutter, die ihr alles erzählte. Anna will helfen, um der alten Zeiten willen.

Maximilian erhofft sich von dem Ort Ruhe und Abstand, um den Frieden zu finden, den er benötigt, damit er seinen Schwierigkeiten allein und schnell bewältigen kann.

2. Die Auflösung

Nach dem Anfang erarbeite ich das Ende. Die Auflösung des Plots muss dem Aufhänger direkt gegenüber stehen, denn diese beiden Teile des Romanhandlung bilden die Pole, zwischen denen sich die ganze restliche Handlung entwickelt. Je gegensätzlicher sie sind, desto mehr Veränderungen macht der Held durch und desto mehr Spannung entsteht.

Jetzt befinde ich mich in dem Dilemma, dass ich hier meine Auflösung nicht veröffentlichen kann, denn dann wäre die Pointe des Romans verpufft. Deswegen kann ich nur etwas über meine grundlegenden Überlegungen zur Auflösung schreiben, was letztlich leider sehr abstrakt bleiben muss.

Maximilian verfolgt das Ziel, für seine Familie da zu sein. Was ihm dabei im Weg steht, ist das Trauma seines Unfalls und sein Dickkopf, damit unbedingt allein fertig werden zu wollen. In der Auflösung des Plots muss ich also zeigen, wie Maximilian bereit dazu ist, Hilfe anzunehmen und damit sein Trauma überwindet.

Der Rest des Plots beschreibt also Maximilians Weg zur Einsicht, dass er mit seinem Schicksal nicht alleine ist und dass er nur für andere sorgen kann, wenn er auch selbst bereit ist, Hilfe anzunehmen.

3. Der Rest

Das Sieben-Puntke-Schema gibt mir für diese Entwicklung eine Struktur vor. Da ich keinen literarischen Entwicklungsroman schreiben will, sondern einen spannenden Horror-Thriller, muss zu der psychologischen, inneren Entwicklung des Helden, natürlich auch ein äußerer, bedrohlicher und mysteriöser Plot hinzukommen. Hier das Ergebnis meiner Überlegungen:

Erste Wendung

Max’ Frau Victoria kommt mit den Kindern auf der Insel an.

Ich muss Max‘ Familie ebenfalls auftreten lassen, da sie ja das Ziel seiner Anstrengungen verkörpert. Würde ich dieses dem Leser nicht konkret zeigen, würde keine Spannung entstehen.

Aus Sorge und Eifersucht ist sie ihm gegen seinen Willen gefolgt.

Logisch, welche Frau lässt ihren Mann schon gerne bei einer Ex-Geliebten. Streit und Eifersucht sind vorprogrammiert. Toller Romanstoff.

Wegen eines plötzlichen und ungewöhnlich harten Wintereinbruchs schafft es die Fähre nur knapp, die Insel noch zu erreichen, kommt aber nicht mehr weg. Auf die hohen Minusgrade und den starken Schneesturm ist niemand eingerichtet. Normalerweise sind die Winter in Dänemark dank des Golfstroms mild. Der Fährbetrieb muss für eine Weile eingestellt werden.

Ein Teil des Mysteriums: Woher kommt der ungewöhnlich harte Wintereinbruch? Wieso ausgerechnet jetzt? Natürlich gibt es dafür eine Erklärung, aber darüber kann ich nichts verraten …

Max erfährt, dass Anna gelogen hat, als sie erzählte, dass sie zufällig ihre Mutter getroffen und von ihr von seinem Elend erfahren habe. Er verrät jedoch niemandem davon, Vicky nicht, weil er weiß, wie eifersüchtig sie auf Anna ist, und Anna nicht, weil er einerseits herausfinden will, warum sie gelogen hat, und andererseits nicht gleich wieder abreisen will.

Weitere Möglichkeiten für Spannung: Max weiß, das etwas mit Anna nicht stimmt. Aber was führt sie genau im Schilde?

Erste Kniff

Es kommt, wie nicht anders zu erwarten war, zu einem heftigen Streit zwischen Anna, Victoria und Maximilian. Aber sie sitzen alle auf der Insel fest.

Die Spannung steigt.

Mittelpunkt

Ein Bewohner der Insel wird auf blutrünstige Weise ermordet. Vicky dreht fast durch vor Angst um die Kinder und will schnell wieder abreisen, doch die Fähre ist zerstört worden, die Fährleute sind tot und Telefone funktionieren nicht mehr. Handyempfang gab es auf der Insel sowieso nicht. Vicky gibt Max die Schuld an allem. Anna verhält sich ebenfalls merkwürdig, als wenn sie einen geheimen Plan hätte und etwas vor Max verbergen will.

Das Mysterium verdichtet sich. All das kann kein Zufall mehr sein. Spätestens jetzt wird auch Maximilian klar werden, dass alles nicht mit rechten Dingen zugeht. Nur was soll er tun?

Zweiter Kniff

Weitere Morde geschehen.

Obwohl dazu hier nichts auftaucht, ist natürlich klar, dass Maximilian versuchen muss, die Morde aufzuklären und den Mörder zu schnappen, bevor er für seine Familie bedrohlich werden kann. Hier liegt also die Chance für Max, zu wachsen und seinen inneren Konflikt zu überwinden.

Die Opfer krepieren wahllos, bis schließlich nur noch Anna, Max und seine Familie übrig sind. Es steht fest: Anna muss die Mörderin sein. Aber wenn sie zu derartig blutrünstigen Taten fähig ist – wie kann Max sie dann stoppen, zumal er ja verkrüppelt ist? Und wieso tut sie all das überhaupt?

Zweite Wendung

Max beschattet Anna und findet heraus, dass sie einen geheimen Unterschlupf auf der Insel hat, wo sie sich mit einem mysteriösen uralten Mann trifft. Er stellt ihn und Anna und konfrontiert die beiden mit seiner Vermutung, dass sie die Morde begehen und will wissen, warum … 

Und natürlich erfährt er auch, was Sache ist. Aber das kann ich, wie gesagt, hier natürlich nicht verraten.

Der Plot ist weder perfekt, noch detailliert ausgearbeitet, aber in groben Zügen steht er so weit, dass ich notfalls auch jetzt schon mit dem Schreiben beginnen kann. Aber drei Tage habe ich ja noch Zeit, um weitere Details zu erarbeiten.

Weiter geht’s mit dem Last-Minute-Stufendiagramm 

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13 Antworten auf “NaNoWriMo 2011, Teil 2: Ein Plot auf die Schnelle”

  1. Der alte Kerl ist ein Vampir?!?
    Wie würdest du Foreshadowing in deinem sieben Punkte Plan platzieren? Ist das ne Wendung oder würde man das separat betrachten?

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  2. Ich schreibe hier zwar ziemlich spät (und hab das Ganze ja auch erst nach Jahren entdeckt), aber wie ist es mit dem Nano damals gelaufen? Wurde mehr von der Geschichte „zu Papier gebracht“ oder steht zumindest ein Teil zum Lesen bereit?

    Ich finde die niedergeschriebenen Passagen und Ideen für die Story jedenfalls klasse und obwohl Horror-Thriller nicht mein Genre sind, wecken die wenigen genannten Punkte der Geschichte haushoch mein Interesse 🙂

    Danke im Voraus!

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    1. Ja, die Story steht im ersten Entwurf. Tatsächlich lungert sie seitdem in meiner Schublade herum. Lustig, dass du darauf kommst, weil ich mich in der letzten Zeit mit dem Gedanken trage, den ersten Entwurf zu überarbeiten.

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  3. Da Sie heutzutage sicher noch mehr Erfahrung in Sachen Schreiben etc. angesammelt haben, wäre das Aufgreifen der alten Ideen sicher keine schlechte Idee, sofern Sie dem ebenfalls nicht abgeneigt sind. Und wer weiß, ob man daraus nicht auch einen Roman machen könnte. Ich persönlich bin bspw. im Autoren- und Schreiberlingsforum „Tintenzirkel“ angemeldet und habe schon reichlich Veröffentlichungen miterleben dürfen, die einzig aus NaNo-Projekten bestanden und später doch mehr wurden und sich sogar gut verkaufen. Wenn also noch oder wieder ein gewisser Reiz besteht, ist es der Versuch meiner Meinung nach – wenn die Kreativität ebenfalls mitspielt – allemal wert 🙂

    Viel Erfolg und gutes Gelingen jedenfalls von meiner Seite, egal, für was Sie sich nun entscheiden.

    Der Entwurf klingt für mich nach wie vor nach einer spannenden, einzigartigen Idee mit Potenzial, die ich so noch nicht gelesen habe (abgesehen davon, dass ich nicht viel Erfahrung besitze, wenn es um (Horror-)Thriller geht. Aber wenn das Ganze mal in lesbarer Form verfügbar ist, würde ich definitiv erwägen, einen Blick reinzuwerfen.

    LG 🙂

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