NaNoWriMo 2011, ich komme!

Puh, das Line Editing von „Brainteaser“ hat mich auf den letzten Metern meines Beta-Entwurfs ganz schön in Anspruch genommen. Wieder einmal habe ich länger gebraucht als gedacht und meine eigene Deadline um vierzehn Tage gerissen, was bedeutet, dass mir zwei Wochen im Oktober verloren gegangen sind, die ich zur Planung meines NaNoWriMo-Projektes vorgesehen hatte. Jetzt muss ich mich sputen.

NaNoWriMo? Gut, dass du fragst … Um es kurz zu sagen: NaNoWriMo ist ein Wettbewerb mit mir selbst. Am 1. November geht es los, von da an habe ich bis zum Ende des Monats Zeit, um einen ersten Romanentwurf zu verfassen. Eingebettet ist das Ganze inzwischen in eine internationale Bewegung mit eigener Website, aber die kann nicht darüber hinweg täuschen, dass es beim NaNoWriMo im Kern darum geht, den eigenen Perfektionismus zu überwinden.

Die Zielvorgabe sind mindestens 50.000 Wörter in 30 Tagen, also etwas weniger als 1.700 Wörter am Tag. 50.000 Wörter sind natürlich noch kein Roman, aber doch ein solider erster Entwurf, auf dem man aufbauen kann. 1.700 Wörter am Tag sind eine Menge, aber auch wiederum nicht so viel, dass man sie nicht schaffen könnte, wenn man sie denn wirklich runterschreibt und nicht Satz für Satz umdreht und an – für einen ersten Entwurf – unnötigen Details feilt.

Ich freue mich auf die vor mir liegende Erfahrung. Aber warum genau tue ich mir das an und wie bereite ich mich darauf vor?

1. NaNoWriMo ist Training für den Schreibmuskel

Will ich Geige lernen, übe ich zunächst Tonleitern. Das ist zu Beginn quälend langsam und anstrengend, aber mit der Zeit geht das zunehmend locker von der Hand und ich bin bereit für das große Konzert. Auch beim Schreiben komme ich sozusagen um das Üben der Tonleitern nicht herum.

Der NaNoWriMo gibt mir die Gelegenheit, mich ganz auf das Erstellen eines ersten Entwurfs zu konzentrieren. Nicht ganz, denn die Vorbereitung gehört auch noch dazu. Doch diese ist nach den Regeln eindeutig erlaubt.

Wie jedoch das Reißen meiner inneren Deadlines beim ersten Parzival-Bell-Buch zeigt, ist es für mich gar nicht so leicht, mich beim Schreiben auch so zu fokussieren, dass ich meine selbstgesteckten Ziele auch erreiche. Wenn ich zurückblicke, habe ich meine ersten Zeilen für den Roman Ende Mai 2010 geschrieben. Siebzehn Monate später bin ich beim vierten Entwurf, den ersten Entwurf hatte ich erst nach zwölf Monaten fertig.

Wenn ich den NaNoWriMo schaffe, habe ich es gelernt, in sechs Wochen zu einem ersten Entwurf zu gelangen. Das wird also ein unglaublicher Fortschritt.

Nun bin ich kein Mensch mit einer Höher-Schneller-Weiter-Mentalität. Aber Geschwindigkeit beim Verfassen eines ersten Entwurfs ist kein Selbstzweck. Ich habe über die letzten Monate für mich erkannt, dass es wichtig ist, zügig und konzentriert an einem Entwurf zu arbeiten, denn es fördert gleichermaßen der Motivation zum Schreiben und die Qualität des Textes. Und irgendwann will man einfach auch mal gerne fertig sein.

2. Die Grundidee

Nachdem ich also die Notwendigkeit für mich eingesehen habe, am NaNoWriMo teilzunehmen, geht es darum, die gute Absicht auch in eine konkrete Tat zu überführen. Dazu krame ich eine der vielen Grundideen heraus, die mir während der Arbeit an „Brainteaser“ durch den Kopf gingen. Insofern ist der NaNoWriMo eine super Gelegenheit, Dinge jenseits des eigentlichen Projektes in Angriff zu nehmen und Neues auszuprobieren.

Ich entscheide mich also ganz bewusst dazu, nicht am zweiten Parzival-Bell-Buch zu arbeiten, sondern an einem eigenständigen Roman. Während „Brainteaser“ ein Jugendbuch ist, will ich im NaNoWriMo einen Roman für Erwachsene verfassen. Bisher schreibe ich in der ersten Person, für mein NaNoWriMo-Projekt will ich deswegen unbedingt eine andere Perspektive ausprobieren usw.

Konkreter will ich über meine Grundidee nichts verraten, denn das würde bedeuten, zu spoilern.

3. Die Grundidee ausarbeiten

Als nächstes werde ich nach diesen grundlegenden Entscheidungen mich daran machen, aus meiner Grundidee heraus den Helden meines Romans und die Nebenfiguren auszuarbeiten. Das Ensemble will ich überschaubar halten, denn 50.000 Wörter reichen nicht aus, um eine epische Geschichte über mehrere Generationen zu entfalten.

Mit dem Hintergrundwissen, das ich durch das Ausarbeiten der Figuren gewonnen habe, werde ich mich daran machen, mit dem Sieben-Punkte-System einen ersten Handlungsabriss zu entwickeln. Ich mag das Sieben-Punkte-System, denn es hilft mir, meine diffusen Ideen in erste konkrete Handlungsschritte zu überführen.

Anschließend entwickle ich ein Stufendiagramm auf Karteikarten. Ich nehme mir 30 Kapitel vor, für jedes eine Karteikarte, auf der ich festlege, was genau in der Geschichte passieren wird. Das ergibt nachher rund 1700 Wörter pro Kapitel und ein Kapitel am Tag, das ich schaffen muss – eine vernünftige Größenordnung, denke ich.

Wenn mir diese drei Schritte in den nächsten Tagen gelingen, sehe ich dem November freudig entgegen.

Klingt alles schematisch? Mag sein. Aber meine Erfahrungen sagen mir, dass ich ohne einen Plan für den NaNoWriMo untergehen würde. Wenn ich jedoch den Plot bereits vor mir habe und die große Aufgabe, einen Entwurf von 50.000 Wörtern in kleinen Einheiten von 1.700 runterbreche, dann halte ich es für realistisch, diese Aufgabe auch zu bewältigen. Würde ich beim Schreiben auch noch den Plot entwickeln müssen, würde ich mich verzetteln. Und genau das ist es ja, was ich bei dem Projekt zu lernen hoffe: konzentriertes, systematisches und schrittweises Arbeiten, das schneller zum Ziel führt.

Ob und wie mir das gelingt, darüber werde ich hier in den nächsten Tagen und Wochen genauer berichten.

11 Gedanken zu “NaNoWriMo 2011, ich komme!

  1. Viel Erfolg, auch von mir!
    Ich bin gespannt, was letztendlich dabei rauskommt. Als Übung denke ich, ist das eine prima Idee – aber wie sieht deine eigene Erwartung aus? Glaubst Du, dass Du später einen richtigen, kompletten Roman in der Hand haben wirst?
    Das Problem mit dem Perfektionismus kenne ich allerdings nur zu gut. Vielleicht tu ich mir den NaNoWriMo ja irgendwann auch mal an.

    Gefällt mir

  2. Danke für die Erfolgswünsche. Das motiviert. Und Semiramis wünsche ich natürlich auch viel Durchhaltevermögen.
    Natürlich kommt beim NaNoWriMo am Ende kein fertiger Roman heraus. Ich erhoffe mir davon nur einen ersten Entwurf für ein späteres Romanprojekt. Im Vordergrund steht die Erfahrung, dass es möglich ist, auch schnell so einen Text runterzureißen. anstatt Monate darüber zu brüten. Das Ziel der Sache besteht meiner Vermutung nach darin, den inneren Kritiker durch den Zeitdruck einfach mundtot zu machen.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s