sp – der (neue) Selfpublisher Nummer 3: Fast eine Rezension

der selfpublisher #2Die neue Ausgabe des Magazins der selfpublisher (sp) ist seit dem 3. September erhältlich und endlich bin ich auch dazu gekommen, ihn zu lesen. Die Ausgabe hat es in sich und lohnt sich auf jeden Fall – aber ich möchte nicht den Eindruck erwecken, hier eine neutrale Rezension zu verfassen, da ich selbst mit einem Artikel im Heft vertreten bin.

Ein Dilemma, aber ich nutze meinen Blog trotzdem, um meine Leseerfahrung der aktuellen Ausgabe hier zu teilen. Das Heft ist zu gut und potenziell interessant für die meisten Leserinnen meines Blogs, deswegen muss ich hier ein paar Worte darüber verlieren und umreiße im Folgenden so neutral, wie es geht, den Inhalt

Frankfurter-Buchmesse-Survival-Guide 

Ein wunderbarer Artikel von Linda Schipp, in dem gezeigt wird, was alles möglich und vielleicht auch nötig ist, um als Autor (nicht nur als Selfpublisher) Buchmessen nicht nur irgendwie zu besuchen, sondern auch effizient zu nutzen. Ich sehe den Beitrag als einen wertvollen Ideengeber, was so alles möglich ist. Einige erfolgreiche Autoren werden hier zitiert, um Einblick in ihre Messevorbereitungen zu geben.

Am Ende fand ich den Tipp von D.B. Granzow am besten, sich auch nicht verrückt machen zu lassen und die Messe vor allem zu genießen. Es ist wie mit allen Tipps – jeder ist wertvoll und bedenkenswert, was man am Ende mit ihnen macht, muss zu einem passen und realistisch sein. Ideen bekommt man auf jeden Fall von Linda Schipp mehr als genug.

E-Book-Distributoren stellen sich vor

Wieso gab es so was nicht früher – und warum habe ich es bisher nicht vermisst? Im Ernst: Ein wirklich essenzieller Beitrag, der die verschiedenen zur Zeit in Deutschland erhältlichen Print-on-Demand-Anbieter miteinander vergleicht. Für Selfpublisher lebensnotwendig. Für alle anderen mindestens interessant.

Das perfekte Autorenfoto

Profifotografin Birgit-Cathrin Duval zeigt, wie es gemacht werden sollte – und wie vor allem nicht. Verdammt. Muss dringend neue Fotos machen …

Social Media – Zeitspartools

Martina Troyer informiert in ihrem Beitrag über Strategien für Autorinnen, sich auf den Social-Media-Kanälen zu präsentieren. Aber auch darüber, wie man Apps einsetzen kann, um seine Strategie zeitsparend umzusetzen.

Mir persönlich hat dieser Artikel nicht viel gebracht, da ich alle Apps schon kenne, teilweise auch schon benutzt und wieder verworfen habe. Sie haben alle viele Vorteile, aber auch den Nachteil, dass sie (wie Troyer auch schreibt) nicht unbedingt wenig Geld kosten, wenn man sie ausreizen will. Mich hat der Nutzen dieser Tools bislang nicht überzeugt. Aber vielleicht werde ich ja noch eines Besseren belehrt.

Die Krux mit der ISBN

Frank Rösner hat den Artikel geschrieben, den ich immer gesucht, aber nirgendwo sonst gefunden habe. Was genau ist eigentlich eine ISBN, wozu braucht man sie, woher bekommt man sie, was kostet sie und welche Alternativen gibt es?

Ein Thema, das sonst immer schnell unterschlagen wird, wenn darüber berichtet wird, wie einfach und kostengünstig Selfpublishing doch ist. Der Teufel steckt im Detail – und die ISBN ist ein sehr entscheidendes Detail. Ich vergebe diesem Text das Prädikat lebensnotwendig.

Erste Bestsellerliste für Print und Digital

Schöner Hinweise darauf, dass es inzwischen eine ehrliche Bestsellerliste gibt, die nicht nur Verkaufszahlen renommierter Printverlage einbezieht, sondern auch Selfpublisher – und siehe da, auch diese sind manchmal auf Platz eins.

In den Rubriken finden sich Artikel zum Thema Plotten (von mir), eine Vorstellung des Thriller-Genres (von Susanne Pavlovic), ein Autorenportrait von Frank Röster, der Newsticker, die Vorstellung der Alliance of Independent Authors (ALLi) von Andrea Gunkler und ein Praxistest der Satzsoftware Scribus.

Fazit:

Gäbe es den sp nicht, müsste man ihn erfinden. Sicherlich kann man sich einen Großteil der Informationen auch im Netz selbst irgendwie zusammensuchen. Doch das dauert und ergibt kein Wissen, das dermaßen gut zusammengestellt und auf den Punkt gebracht ist.

Obwohl ich kein Print-Zeitschriftenleser bin und mir meine Infos lieber selbst zusammensurfe oder im Digitalformat lese, wird bei mir der sp (gleich neben der Federwelt) sorgsam archiviert. Das Magazin steckt voller wertvoller, eigentlich überlebenswichtiger Infos.

Ich kann mich nur wiederholen: Wie auch die ersten beiden Ausgaben ist der sp für alle Autoren – ob Selfpublisher oder Verlagsautor – sein Geld wert. Es schadet nicht, über Vertriebswege und den Herstellungsprozess von Büchern informiert zu sein oder zu wissen, wie ein gutes Autorenfoto aussieht und in sozialen Meiden effizient verbreitet werden kann.

»Never judge a book by its cover.« dürfte eines der falschesten Sprichwörter sein, die es gibt.

»Never judge a book by its cover.« dürfte eines der falschesten Sprichwörter sein, die es gibt.»Never judge a book by its cover.« – Beurteile nie ein Buch nach seinem Titelbild. Das dürfte eines der falschesten Sprichwörter sein, die es gibt. Obwohl die Aussage, dass man nicht zu sehr auf das Äußere achten sollte, natürlich lobenswert ist, sind Cover für den Erfolg eines Buches – meistens – extrem wichtig.

Prinzipiell kannst du auf zwei Wegen an ein Cover gelangen: Entweder entwirft ein Verlag das Cover für dein Buch oder du musst es dir als Selfpublisher selbst organisieren (designen oder in Auftrag geben). Beides habe ich inzwischen erlebt. Die Cover von »Tödliche Gedanken« und »Tödliche Wahrheit« hat der Verlag gestaltet. Das Cover zu »Lelana« habe ich selbst designt.

Beim Verlag ist das Mitspracherecht bei einem Buchcover mehr oder weniger eingeschränkt. Der Verlag hat ein Konzept zum Buch und zu dir, eine Vorstellung davon, wie beides auf dem Markt platziert werden kann. Darin sind Überlegungen enthalten, welche Gemeinsamkeiten du zu anderen Autorinnen besitzt, aber auch, worin du dich unterscheidest. Beides muss vom Cover ebenso widergespiegelt werden, wie natürlich Genre und Inhalt des Romans.

Hinzu kommen Überlegungen zur Reihe oder Serie – falls der Roman nicht für sich alleine steht. Das Cover von Band 1 muss Ähnlichkeiten zu Band 2 einer Serie aufweisen, damit Leserinnen sich zurechtfinden.

Außerdem müssen aktuelle Trends beachtet werden. Im Thriller beispielsweise ist zur Zeit der Used-Look in. Soll heißen, das Cover weist Schatten und Flecken, »Risse« und »Knicke« als grafische Elemente auf. Häufige Motive sind Alltagsgegenstände, die sich auch als Folterinstrumente eignen, wie Scheren, Äxte oder Messer usw. Blutstropfen schaden auch nicht.

Meistens haben diese Cover eher wenig mit dem Inhalt zutun. Hier ist die Zugehörigkeit zum Genre, der Wiedererkennungsgwert, wichtig. Die Zielgruppe weiß sofort: »Aha, Thriller, der Roman könnte für mich interessant sein.«

Andere Bücher, wie zum Beispiel Timur Vemes »Er ist wieder da« besitzen eine vollkommen individuelle Gestaltung, die vor allem dem Inhalt und Stil des Romans gerecht werden muss. Hier ist eine Genrezugehörigkeit vernachlässigbar. Allerdings ist das ein Stilmittel, das sich (potenzielle) Bestsellerautorinnen leisten können, weil es eine Werbekampagne zum Buch gibt, die das Coverkonzept unterstützt. Für Selfpubisher ist das meistens wohl weniger empfehlenswert.

Bei Bestseller-Autoren, wie z.B. Stephen King oder Sebastian Fitzek, ist es vor allem wichtig, den Namen groß und stimmungsvoll auf dem Cover zu präsentieren. Titel und Motiv sind hier eher zweitrangig.

Außerdem ist es inzwischen sehr wichtig, dass das Cover nicht nur im Buchladen auf der Theke gut wirkt – sondern auch noch in Briefmarkengröße auf dem Schwarzweißdisplay des E-Readers.

Alles wichtige Überlegungen, die, wie gesagt, ein Verlag dir größtenteils abnimmt.

Aber natürlich ist es nie verkehrt, sich über all diese Dinge selbst Gedanken zu machen – denn erstens kannst du so deinen Verlag unterstützen und zweitens manchmal doch noch verhindern, dass das Buch ein Cover erhält, dass mit deiner Vorstellung vom Buch so gar nichts mehr zu tun hat.

Ich habe erfahren, dass ein Verlag hier durchaus Spielraum lässt – völlige Freiheit wird wohl kaum jemand haben, denn Cover kosten Geld, und das nicht zu wenig. Zu viele und zu große Änderungen an den Entwürfen werden ab einem bestimmten Punkt unwirtschaftlich.

Für Selfpublisher wird die Sache meiner Erfahrung nach ungleich schwieriger.

Das Cover für »Lelana« habe ich selbst entworfen und gestaltet. Nicht nur, dass das viel Arbeit macht – es gilt auch alle Überlegungen und Abwägungen selbst anzustellen. Hier bieten sich Covervotings auf Facebook oder deiner eignen Website zur Unterstützung sehr gut an. So kann das Zielpublikum nicht nur das Cover bereits kennenlerne und auf den kommenden Titel neugierig werden. Es gibt durchaus auch noch hilfreiches Feedback, bevor das Buch dann im Laden, bzw. in den Onlineshops steht.

Wenn du dein Cover selbst gestaltest, gibt es also viele Details zu bedenken, die dir ein Verlag abnimmt. Von Kosten ganz zu schweigen. Wenigstens in professionelle Software solltest du investieren. Und die ist nicht billig.

Den dritte Weg, die Covergestaltung einer Agentur zu überlassen, habe ich bislang nicht ausprobiert. Mich hat es gereizt, einmal ein Cover selbst zu erstellen. Vielleicht würde ich in Zukunft eher einer Agentur diese Aufgabe anvertrauen, denn der Zeitaufwand für Covergestaltungen ist erheblich.

Die 6:1-Regel motiviert, beim Schreiben am Ball zu bleiben

Die 6:1-egel motiviert, beim Schreiben am Ball zu bleiben

Ich schreibe täglich, aber nicht besonders lange jeden Tag. Wie für die meisten ist Schreiben für mich eine Nebentätigkeit. Somit kann ich maximal eine, wenn ich Glück habe zwei Stunden am Tag dafür erübrigen. Häufig sogar weniger.

Die Tatsache, kein hauptberuflicher Autor zu sein, zwingt mich dazu, täglich zu schreiben. So komme ich wenigstens auf im Schnitt sieben Stunden in der Woche. Damit bekomme ich rund 10.000 Wörter wöchentlich hin. Das läppert sich. In zwei bis drei Monaten entsteht dabei ein Romanmanuskript.

Mein Schreibmanagement funktioniert jedoch nur, weil ich mich wirklich jeden Morgen gleich nach dem Aufstehen an meinen Laptop setze und meine rund 1.500 Wörter runterreiße (oder halt eben Manuskripte mit einem ähnlichen Tempo überarbeite).

Was für mich nicht funktioniert: Mich nur dann an den Laptop zu setzen, wenn mich die Muse küsst.

Ich schreibe einfach immer, auch wenn mir nicht danach ist, wenn ich eigentlich lieber weiterschlafen, durch das Netz surfen oder mit der dampfenden Kaffeetasse in der Hand den Sonnenaufgang genießen würde.

Es gibt Tage, an denen ich aus dem Bett hüpfe und es gar nicht erwarten kann, mich an den Laptop zu setzen. An denen ich vor Ideen und Tatendrang nur so übersprudele und die Worte nur so aus mir herausfließen.

Halleluja! Diese Tage sind großartig. Gäbe es sie nicht, würde ich wohl nicht mehr schreiben.

Aber sie sind in der Minderheit. Die meisten Tage sind eher anstrengend. Und ich verlasse die Tastatur mit dem Gefühl, bestenfalls Durchschnittliches geschrieben zu haben, das noch vieler Überarbeitungsschritte bedarf, bis es lesenswert ist.

Es sind halt Pi mal Daumen sechs von sieben Tagen in der Woche, in denen Schreiben nicht unbedingt ein Vergnügen ist. 6:1.

Warum schreibe ich an den sechs Tagen, obwohl mir nicht danach ist? Warum lasse ich es nicht bei dem einen guten Tag?

Weil ich ersten im Voraus nie so genau weiß, wann denn diese Sternstunde meines Autorenalltags wirklich eintritt. Nur weil ich mich gut fühle, heißt das nicht, dass ich auch gut schreibe und umgekehrt.

Es gibt Tage, an denen ich mich an den Laptop quäle und dann doch einen entscheidenden Durchbruch schaffe. Und es gibt Tage, an denen ich vor Energie nur so strotze und trotzdem nichts Gescheites produziere. Weiß der Geier, warum das so ist.

Zweitens habe ich festgestellt, dass ich die sechs miesen Tage für den einen guten Tag brauche wie Sportlerinnen ihrTraining für den Wettkampf.

Natürlich ist auch die 6:1-»Regel« nur eine Verallgemeinerung, eine Art Durchschnittswert. Es gibt durchaus Wochen, in denen ich zwei oder drei gute Tage habe. Dafür gibt es allerdings auch Wochen, in denen ich sieben Tage lang mit meinen Texten oder Überarbeitungen nicht zufrieden bin.

Wieso ist es wichtig, dass ich mir diese 6:1-Regel immer wieder bewusst mache?

Sie motiviert mich, bzw. hilft mir, kreative Durststrecken zu akzeptieren. Sie bringt meinen inneren Kritiker zum Schweigen, hilft mir, Aufschieberitis zu bekämpfen und Schreibblockaden zu überwinden.

Im Prinzip sagt sie aus, dass es ganz normal ist, eine Menge Text zu produzieren, mit dem ich nicht zufrieden bin. Unter Sportlerinnen ist diese Einstellung ganz normal. Kaum eine Sportlerin erwartet in jedem Training eine Wettkampfleistung. Trotzdem sind auch die nicht so tollen Trainingstage ein wichtiger Baustein für die Fitness und das Erreichen der Ziele.

Ein naiver Teil in mir erwartet jedoch, dass ich jedesmal, wenn ich schreibe, unbedingt Höchstleistungen abliefern muss.

Die 6:1-Regel bringt mich dann wieder auf den Boden der Tatsachen.

Stephen Kings Bleistift – oder: Schreibtipps sind keine Schreibregeln

Stephen Kings Bleistift - oder: Schreibtipps sind keine SchreibregelnManche Autorinnen haben ein schwieriges Verhältnis zu Schreibtipps, wie ich sie in diesem Blog oder in dem Vlog Die SchreibDilettanten, den ich mit Axel Hollmann zusammen moderiere, gebe. Auch viele andere Autorinnen oder Schreiblehrerinnen machen ja mehr oder weniger das gleiche, wie z.B. schreibmeer.com, Richard Norden oder Stephan Waldscheidt.

Dazu eine kurze Anekdote: Der Teilnehmer einer Konferenz mit Stephen King soll einmal folgende Frage gestellt haben: »Hey, Stephen, du bist einer der erfolgreichsten Autoren aller Zeiten. Welchen Bleistift benutzt du, damit ich auch so gut schreiben kann wie du?«

Was diese Anekdote zeigt: Es gibt Extreme, mit Schreibtipps umzugehen.

Das eine Extrem, das in der Anekdote zum Ausdruck kommt, ist das der beginnenden Autorin, die sklavisch alle Schreibtipps buchstäblich befolgt, bis hin zum »richtigen« Schreibgerät, mit dem der Erfolg dann sozusagen garantiert ist.

Das andere Extrem ist das Gegenteil davon: Autorinnen, die sämtliche Schreibtipps ablehnen. Diese Haltung wird mit scheinbar rationalen Argumenten gerechtfertigt, wie zum Beispiel, dass Regeln dazu führen, dass die eigene Kreativität getötet wird usw.

Beide extrem sind problematisch (so wie Extreme ja immer problematisch sind). Bleiben wir beim zweiten Fall, denn er ist komplizierter.

Das Problematische an dieser Einstellung ist die Tatsache, dass sie eigentlich stimmt. Schreiben ist ein individueller, kreativer Prozess und Regeln können diesen Prozess zum Erliegen bringen.

Nur sind Schreibtipps eben keine Schreibregeln. Es bringt nichts, sie wie Gesetze zu behandeln, denn es gibt keine Autorinnenpolizei, die vorbeikommt, Manuskripte prüft und Strafzettel ausstellt, weil bestimmte Dinge in einem Text nicht vorkommen.

Schreibtipps sind nicht dazu gedacht, sich wie in der Anekdote beschrieben, sklavisch an sie zu halten. Jede Autorin unterscheidet sich in kleinen, aber wichtigen Details. Somit bringt es nichts, die eigene Tätigkeit ganz nach den Regeln einer bestimmten Autorin auszurichten.

Schreibtipps sind Empfehlungen erfahrener Autorinnen, nach dem Motto: »Sieh her, das mache ich so. Ich habe jahrelang daran gearbeitet, mir diese Technik anzueignen. Vielleicht ist für dich auch was dabei, das dir weiterhilft.«

Es bleibt einem nicht erspart, selbst genau zu prüfen, welche Schreibtipps einem gerade weiterhelfen und welche nicht. Es kann an vielen Dingen liegen, dass ein Schreibtipp gerade zum aktuellen Zeitpunkt für eine Autorin nicht gut ist.

So ist zum Beispiel der Tipp »Show don’t tell« häufig für beginnende Autorinnen gut, denn die meisten neigen dazu, zu viel zu erzählen und zu wenig zu zeigen. Für etwas erfahrenere Autorinnen ist der Tipp wiederum nicht immer geeignet, da sie eher Unterstützung dabei brauchen zu entscheiden, wann es gut ist zu erzählen und wann eben nicht.

Menschen, die entweder Schreibtipps unreflektiert befolgen oder kategorisch ablehnen, versuchen meiner Vermutung nach auf einem schnellen Weg an das Ziel zu gelangen, eine gute Autorin zu werden, ohne zu überprüfen und auszuprobieren, ob ein Tipp zu ihrem Entwicklungsstand und ihrer Persönlichkeit passt.

Leider gibt es jedoch meiner Überzeugung nach keinen schnellen Weg dahin, eine gute Autorin zu werden. Es gibt nur eine lange, lange Reise mit einem ungewissen Ziel, deren Weg mit vielen Versuchen und Irrtümern gepflastert ist.

Wer seine Leserinnen erreichen will, muss bessere Filme schreiben (Sonntagsperlen 6)

Wer seine Leserinnen erreichen will muss bessere Filme schreiben

Als Autorin solltest du viel schreiben, lesen – und Filme und Fernsehserien gucken.

Schreiben und Lesen ist selbsterklärend. Autorinnen, die nicht viel (am besten täglich) schreiben, entwicklen nicht ihr Handwerk. Lesen hilft, den Sprachschatz zu erweitern, die Regeln der Sprache zu verinnerlichen, den eigenen Stil zu entwickeln, sich inspirieren zu lassen usw.

Aber Filme gucken? Oder Fernsehen? Wozu das?

Film und Fernsehen sind zweifellos die Medien unserer Zeit. Während Kinder und Jugendliche vor rund 50 Jahren noch Groschenhefte und Comics lasen und so ihre Lesegewohnheiten prägten, hängen sie heute vor der Glotze oder gehen ins Kino (oder gucken ihre Lieblingsfilme und -serien auf dem Handy, Tablet usw.).

Wer als Autorin seine Leserinnen erreichen will, muss bessere Filme schreiben.

Mit den starken audiovisuellen Reizen, die das Medium ausübt, kann ein Buch nicht konkurrieren. Dafür haben Bücher andere Stärken, wie zum Beispiel die Bilder im Kopf, die eindringlicher und persönlicher sind als jeder Blockbuster. Romane können sich mehr Zeit nehmen und damit mehr Tiefe erzeugen. Ein Film sollte in der Regel rund zwei Stunden lang sein. Ein Buch kann im Prinzip beliebig viele Seiten haben.

Diese Stärke, ist aber auch die Schwäche. Denn die Notwendigkeit, seine eigene Fantasie zu benutzen und die Möglichkeiten zur Vertiefung fordern vom Leser auch mehr eigene Arbeit und Durchhaltevermögen, die jedoch unter Umständen bei einer Vielzahl potenzieller Leserinnen durch anderen Medienkonsum nicht ausgeprägt genug sind. Ein Problem, das vor allem Autorinnen von Jugendbüchern haben.

Nun kann man viel darüber jammern und fluchen – oder sich diesen Umstand zu eigen machen. Soll heißen: Je mehr du dich beim Entwerfen und Schreiben deines Romans an filmischen Strukturen orientiere, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass du deine Leserinnen auch erreichen – und behalten – kannst.

Ohne Reue vor der Röhre hängen!

Deswegen kann das gezielte Gucken von Filmen und Fernsehserien für Autorinnen sogar Fortbildung sein – wenn du dich auf diese Weise in deinem Genre weiterbildest, das die gleiche Zielgruppe anspricht, für die auch dein eigener Roman gedacht ist und wenn du auch weißt, worauf du achten musst:

  • Zunächst einmal kannst du beim gezielten Gucken viel über Gestik, Mimik und Dialoge lernen. Das kann dabei helfen, diese Dinge auch im eigenen Roman zu entwickeln.
  • Auch „Show don’t tell“ kannst du mit entsprechend analytischem Blick an Film- und Fernsehserien gut studieren, denn natürlich lebt das Medium vom visuellen Erzählen.
  • Etwas schwieriger wird es mit den Strukturen, nach denen Filmhandlungen aufgebaut sind. Mit anderen Worten, du musst auch als Romanautorin etwas über das Drehbuchhandwerk wissen, um Filme und Fernsehserien strukturiert analysieren zu können.

„Drehbuchhandwerk – Technik und Grundlagen“

Zum Glück gibt es auch über das Schreiben von Drehbüchern viel Literatur. Eines meiner Lieblingsbücher zu dem Thema ist »Drehbuchhandwerk – Technik und Grundlagen« von David Howard und Edward Mabley.

Große Überraschungen darf man hier nicht erwarten. Wer bereits Schreibbücher, z.B. von James N. Frey oder Lajos Egri, gelesen hat, wird viele alte Bekannte treffen (wen wundert’s, denn die Grundlagen des dramatischen Schreibens sind halt unabhängig vom Medium).

Aber in der Umsetzung und den Ausprägungen gibt es zwischen dem Erzählen im Roman und im Film doch einige Unterschiede, die dieses lehrreiche Buch vor Augen führt.

So haben die Autoren beispielsweise wunderbar auf den Punkt gebracht, was eine gute Geschichte von einer gut (für einen Film) erzählten Geschichte unterscheidet:

  1. Die Geschichte handelt von jemandem, mit dem wir Mitgefühl empfinden.
  2. Dieser Jemand will unbedingt etwas Bestimmtes erreichen.
  3. Dieses Etwas zu erreichen ist zwar möglich, aber schwierig.
  4. Die Geschichte wird so erzählt, dass die emotionale Wirkung so groß wie möglich ist.
  5. Die Geschichte muss ein zufriedenstellendes Ende, aber nicht unbedingt ein Happy-End haben.

In diesem Stil lernst du in diesem Buch viel über Figuren, Handlung, Prämisse, Konflikt, visuelles Erzählen usw. – alles Dinge, von denen du als Romanautorin schon einmal was gehört haben solltest, nur hier halt aus der Perspektive des Filmschaffenden und kurz und bündig auf den Punkt gebracht.

Beim Lesen von »Drehbuchhandwerk« wird außerdem deutlich, dass die Stärke des Films (und auch seine größte Schwierigkeit) in seiner Komprimierung liegt. Wie Michael Crichton auf den Punkt gebracht hat: Wo der der Romanautor 300 Seiten hat, hat der Drehbuchautor vielleicht 120 – und muss trotzdem mindestens genauso viel sagen.

Darin liegt also ein willkommener Nebeneffekt, wenn man sich als Romanautorin mit dem Drehbuchhandwerk auseinandersetzt: Effizientes Erzählen tut auch Romanen gut.

Was mir besonders gut gefällt ist der zweite Teil des Buchs, indem die Autoren ihr zuvor erarbeitetes theoretisches Rüstwerk bei der Analyse einiger Filme unter Beweis stellen. Das schult das eigene analytische Gucken von Filmen und Fernsehserien ungemein, da du lernst, worauf es zu achten gilt.

Dieser Teil des Buches ist für Romanautorinnen – und eigentlich alle, die Filme gerne besser verstehen wollen – besonders interessant. Von »E.T.« bis »Hamlet« gibt es eine repräsentative Auswahl von Filmen, denen auf den Zahn gefühlt wird, wobei ich als Leser den einen und anderen Aha-Effekt erfuhr.

Das praktische Feedback Cheat Sheet für (Nicht-)Autoren (Sonntagsperlen 5)

Ich habe das große Glück, mit meinem Writing Buddy Axel Hollmann einen guten Freund und kompetenten Autoren zu haben, der meine Entwürfe mit viel Geduld und Aufmerksamkeit liest und mir gezieltes Feedback geben kann. Dieses Glück hat nicht jeder. Macht aber auch nichts. Mit einem bisschen Hilfe, kann aus jedem engagierten Leser ein Autoren-Coach werden.

Folgendes Cheat Sheet hilft dabei:

Feedback Cheat Sheet

Du kannst dir auch das Feedback Cheat Sheet als PDF downloaden.

Jede einzelne Stimme deines inneren Schreibteams hat seine Zeit (Sonntagsperlen 4)

Jede einzelne Stimme deines inneren Schreibteams hat seine Zeit

Früher gab es für mich vor allem meinen inneren Kritiker, von manchen auch innerer Lektor genannt. Der innere Kritiker ist die bohrende Stimme in deinem Kopf, die dir einredet, für das, was du gerade tust, nicht gut genug zu sein. Inzwischen habe ich festgestellt, dass es weit mehr Stimmen gibt, die mich beim Schreiben begleiten.

Ja, in mir steckt ein komplettes inneres Schreibteam. Das kann manchmal ganz schön verwirren.

1. Der Visionär

Jede neue Grundidee ist für ihn der große Wurf. Alles andere, was ich bisher geschrieben hast, ist Mist. Deswegen drängelt sich der Visionär am liebsten auch bei laufenden Projekten in den Vordergrund und versucht die Aufmerksamkeit ständig auf was Neues zu leiten, statt beim Aktuellen zu bleiben.

Der Visionär ist super, wenn es darum geht, eine neue Idee zu finden. Aber dann muss er ganz, ganz schnell auf die Ersatzbank verbannt werden, wo er mit den Füßen scharrend unruhig hin und her rutscht, weil er seinen nächsten Einsatz gar nicht erwarten kann.

2. Der Zen-Mönch

Er ermahnt mich dazu, nicht sofort loszulegen, wenn ich eine neue Idee oder ein Problem habe, sondern erst einmal durchzuatmen und nachzudenken. Der Zen-Mönch hilft mir dabei, ohne schon ein konkretes Ziel vor Augen zu haben, die Idee erst einmal reifen zu lassen oder bei einem Problem nach den tieferen Ursachen zu forschen.

Außerdem ermahnt er mich, nicht zu früh zu urteilen oder Ideen zu rasch zu verwerfen, sondern alles erst einmal gleichberechtigt stehen zu lassen, damit ein Projekt auch sein volles Potenzial entfalten kann.

3. Der Personal Trainer

Diese Stimme ist der muskelbepackte Typ, der am Beckenrand steht und mich anschreit: »Schneller! Mehr! Weiter! Mach schon!«.

Der personal Trainer und der Zen-Mönch liegen in einem ewigen Clinch.

Während der Personal Trainer mich zu mehr Härte, Disziplin und Ausdauer antreibt, mahnt mich der Zen-Mönch dazu, eine Pause einzulegen, einen Schritt von der Arbeit zurückzutreten und abzuwarten, was sich so ergibt.

Ich mag den Zen-Mönch irgendwie lieber, aber ich weiß, dass ich auf den Personal Trainer auch nicht ganz verzichten kann.

4. Der Pessimist

Der Pessimist kommt meinem inneren Kritiker noch am nächsten. Er macht nun wirklich alles madig, was ich schreibe, macht sich über jede Ambition lustig und will ständig den ganzen Kram hinschmeißen. Jedes Wort legt er auf die Goldwaage, jedes Plotelement wird überkritisch hinterfragt, jede Figur für nicht gut genug erklärt. Und überhaupt taugt doch alles nichts.

Von allen Mitgliedern meines inneren Teams hasse ich meinen Pessimisten am meisten. Aber auch er hat seine Berechtigung, wenn ich ihm ab und zu mal ein Date mit meinem Personal Trainer spendiere. Denn nur, wenn es mir gelingt, die negativen Gedanken des Pessimisten umzuleiten, um mir einen Ansporn zu liefern, besser zu werden, frage ich ihn um Rat.

An Tagen, an denen ich fürchte, dass der Pessimist die Oberhand gewinnen könnte, lasse ich ihn lieber links liegen und unterhalte mich gleich mit meinem Zen-Mönch. Der ist viel cooler drauf.

5. Der Erbsenzähler

Der Typ ist der beste Freund vom Pessimisten und ich vermute, er steckt auch irgendwie mit dem Personal Trainer unter einer Decke. Er mahnt mich ständig zur besseren Recherche, achtet auf jedes Komma, fragt sich bei jedem Wort, ob es da nicht noch ein besseres gibt und bringt mich dazu, jeden Text zehnmal zu Überarbeiten, um noch ein kleines bisschen mehr Qualität herauszuholen.

Den Erbsenzähler lasse ich am liebsten erst ganz zum Schluss an ein Projekt, sonst hält der sich bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag an einem Satz auf und ich werde nie mit einem Text fertig.

Teamsitzungen

Es gibt Situationen, in denen setze ich mich mit meinem Team an einen Tisch, lehne mich zurück und lasse die einfach mal machen. Dann schaue ich dem lustigen Treiben eine Weile zu und warte ab, was herauskommt. Meistens ist das mehr oder weniger zu Beginn eines Projekts oder wenn ich einen Hänger habe.

In anderen Situationen frage ich gezielt ein oder zwei Teammitglieder um Rat. Im Zweifelsfall höre ich auf meinen Zen-Mönch.

So genutzt, bringt das Team mich weiter. Kritisch wird es, wenn sich unbewusst eines der Mitglieder in den Vordergrund drängt und die Regie übernimmt, ohne dass ich das merke. Denn keines von ihnen ist gut genug, um alleine ein Projekt zu bewältigen und es kommt zu Schreibblockaden. Bewusst eingesetzt hilft mein Schreibteam mir, diese zu überwinden.