Absätze werden völlig unterschätzt

Absätze werden völlig unterschätztIch bin ein großer Fan von Absätzen. In vielen Romanen fällt mir jedoch auf, dass sie von Autoren zu selten und/oder zu willkürlich gesetzt werden. Das ist bedauerlich, denn Absätze können ganz massiv dazu beitragen, ob ich mich in einem Text gut orientieren kann und – noch viel wichtiger – ob ich ihn flüssig lesen kann.

Noch entscheidender für Romanautoren: Absätze sind eines der wesentlichen Stilmittel, um einen Text spannender zu machen.

Nur wie genau entscheidest du, wann es an der Zeit ist einen Absatz zu machen oder nicht?

Ein guter Absatz hat einen roten Faden

In einem guten Absatz bezieht sich der folgende Satz stets auf den vorangegangenen. Auf diese Weise entsteht eine Kette von kleinen Gedanken, die sich zu einem großen aneinanderreihen. Ist der Gedanke vorbei, sollte auch der Absatz enden.

Der Grund, wieso es vielen schwerfällt, Texte in gute Absätze zu strukturieren: Die Gedanken, die zum Ausdruck gebracht werden sollen, sind nicht gut genug strukturiert.

Beides bedingt sich, das Strukturieren des Absatzes und das Ordnen der Gedanken.

Niemand schreibt in einem ersten Entwurf gute Absätze. Das ist eine Arbeit, die hinterher erfolgt – in der Überarbeitung. Hier lohnt es sich, seine Texte genau danach zu durchforsten, wo ein Gedanke beginnt und endet, um Absätze zu setzen.

Das Problem ist: Mache ich diese Arbeit nicht als Autor, überlasse ich sie dem Leser. Ich finde jedoch, dass es die Pflicht eines Autors ist, seine Gedanken so aufzubereiten, dass der Leser nicht erst Wortwüsten freischaufeln muss, um sie zu verstehen.

Ein guter Absatz hat ein treffendes Ende

Das Ende eines Absatzes ist treffend, wenn mit ihm auch der Gedanke endet.

Frage dich also beim Überarbeiten stets: Wo beginnt ein neuer Gedanke (ein neues Thema, ein neuer Aspekt einer Beschreibung usw.), wo endet er?

Es kann eine gute Übung sein, für Textabschnitte Überschriften zu finden. Dann wird dir klarer, wo sich ein Gedankengang versteckt. Lösche alles, was davor und danach steht oder füge es in andere Absätze ein.

Ein guter Absatz hat kurze und lange Sätze

Ein flüssig lesbarer Text besteht aus langen und kurzen Absätzen die wiederum lange und kurze Sätze beinhalten.

Und mit langen Sätzen, meine ich Sätze, die vielleicht aus einem Haupt- und ein, zwei Nebensätzen bestehen. Keine Bandwurmsätze.

Kürzere Sätze sind immer besser als lange Sätze. Lange Sätze zu schreiben ist einfach. Denn sie entsprechen dem assoziativen Denken. Wer also lange Sätze schreibt, schreibt so, wie er denkt. Das ist aber nicht unbedingt gut.

Ja, es gibt die Meister der langen Sätze. Aber so zu schreiben ist sehr, sehr schwierig – wenn man am Ende trotzdem seine Leser erreichen und nicht im Gedankenwirrwarr verlieren will.

Kurze Sätze entsprechen klaren Gedanken. Klarheit ist nie verkehrt.

Trotzdem ist es wichtig, dass gelegentlich auch längere Sätze auf kürzere folgen. Erstens kann kein Mensch sich auf die Dauer vernünftig in Ein-Wort-Sätzen ausdrücken. Zweitens ermüdet es, zu viele Punkte hintereinander zu lesen.

Mach im Zweifelsfall lieber einen Absatz zu viel

Meinem Empfinden nach machen die meisten beim Schreiben eher zu wenig als zu viele Absätze.

Auch zu viele Absätze können einem Text schaden. Wenn die Gedanken auseinandergerissen werden und der Leser deswegen selbst Verbindungen herstellen muss, ist das natürlich schlecht. Aber das Risiko würde ich in Kauf nehmen.

Im Zweifelsfall bedeuten mehr Absätze weniger Bleiwüste, also mehr Weiß zwischen den Zeilen. Das ist nachweislich entspannender zu lesen als eine von Buchstaben überschwemmte Seite.

Niemand weiß, was ein »gutes Buch« ist

Niemand weiß, was ein gutes Buch istVor nicht allzu langer Zeit sah ich mit großem Interesse die WDR-Dokumentation Der Bestseller-Code.

Mir wurde beim Gucken etwas bestätigt, was ich schon lange geahnt habe: In der Buchbranche dreht sich alles um das »gute Buch«, also ein Buch, das sowohl qualitativ hochwertig und gleichzeitig kommerziell erfolgreich ist.

Gleichzeitig weiß niemand, was das eigentlich ist.

Das ist nicht bösartig oder abfällig gemeint und ich würde nie behaupten, schlauer zu sein als alle anderen und genau zu wissen, was denn ein »gutes Buch« ist.

Aber diese Erkenntnis birgt einige Konsequenzen, über die es sich lohnt, genauer nachzudenken.

Das Beispiel Sebastian Fitzek zeigt es ziemlich gut. Er selbst spricht in der Dokumentation davon, dass er für Die Therapie 15 Ablehnungen bekam, bevor ihn der Literaturagent Roman Hocke unter Vertrag nahm.

Ein weiterer Satz von Fitzek hat mich in diesem Zusammenhang zum Nachdenken gebracht. Er meint, er habe gar nicht gewusst, dass Die Therapie ein Psychothriller ist, bevor ihm das Verlage gesagt hätten.

Ein paar andere Äußerungen fand ich bemerkenswert: Ein Verlagsleiter betont, dass unverlangt eingesandte Manuskripte fast alle Schrott seien und er ihnen deswegen schon aus ökonomischen Gründen kaum Aufmerksamkeit widmen könne. Gleichzeitig betont er aber, wie häufig auch er selbst sich schon geirrt habe, wie er im Nachhinein feststellen musste, wenn Skripte, die er nicht unter Vertrag genommen habe, hinterher zu Bestsellern wurden.

Selbst die meisten Leser wissen eigentlich gar nicht darüber Bescheid, was sie eigentlich gerne lesen, geschweige denn warum. Wenn jemand von einem Buch schwärmt, frage ich gerne nach, wieso es ihm denn gefallen habe. Meistens ernte ich dann ein Schulterzucken: »Ach, war halt spannend.«

Um das zu toppen: Ich selbst beobachte an mir, dass ich zwar eigentlich ziemlich analytisch lese und in der Regel ganz genau sagen kann, was mir an einem Buch gefällt oder eben nicht. Trotzdem gibt es verflixt viele »gute Bücher«, die ich aber im Moment einfach nicht gerne lese (irgendwann später dann aber vielleicht doch). Und andererseits macht es mir manchmal einen Heidenspaß, einen Roman zu verschlingen, bei dem ich auf jeder zweiten Seite zusammenzucke, weil es »Fehler« gibt oder Dinge die »schlecht geschrieben« sind.

Nun, welche Konsequenz hat dieses Phänomen für dich als Autor?

Zunächst einmal jene, dass eigentlich niemand so genau sagen kann, ob dein Buch wirklich gut oder schlecht ist.

Ja, es gibt so manche sprachliche Qualitätsmerkmale, die bei Rechtschreib- und Grammatikfehlern anfangen und bei der gekonnten Verwendung von Stilfiguren aufhören. Aber auch hier streiten sich im Detail die Geister.

Dann gibt es Qualitätsmerkmale, die mit dem Plot zusammenhängen. Aber wie viele Romane habe ich schon verschlungen, deren Plot nicht wirklich originell war und/oder der auch fehlerbehaftet war? Richtig. Viele.

Bliebe noch die Frage nach übergeordneten, irgendwie wichtigen Themen, Tiefgründigkeit usw. Aber auch hier dürften jedem genug Romane einfallen, die flach und nicht besonders anspruchsvoll sind, sich aber trotzdem gut verkaufen.

Umgekehrt gibt es viele, sehr, sehr viele Romane, die alle diese Qualitätsmerkmale erfüllen und sich trotzdem nicht verkaufen.

Als Autor könntest du jetzt frustriert das Schreiben an den Nagel hängen. Denn all diese Erkenntnisse führen dazu, dass du wie ein Marathonläufer bist, dem niemand sagt, wo eigentlich das Ziel ist.

Das ist auch so.

Aber eben das ist eigentlich auch eine große Chance und das wirklich Schöne am Schreiben.

Um auf Sebastian Fitzek zurückzukommen: Als er sein Manuskript von Die Therapie feilbot, glaubte kein Mensch (außer Roman Hocke), dass Psychothriller aus Deutschland, die in Deutschland spielen, eine Chance hätten. Heute kann man sagen, dass Fitzek ein ganzes Gerne ins Leben gerufen hat, das die Leser begeistert.

Das Schöne ist nun einmal, dass dir 14 Agenten sagen können: »Das Skript ist ganz nett, aber hat auf dem Markt keine Chance.« oder »Die Idee ist originell, aber schlecht geschrieben.« Und sie können damit recht haben. Trotzdem kann der 15. (oder auch 25., 45., 65. …) Agent darin den Bestseller von morgen sehen – und auch damit recht behalten oder auch nicht.

Der Buchmarkt gibt dir als Autor die Gelegenheit, genau das zu machen, was du gerne möchtest, und damit zu scheitern oder Erfolg zu haben. Letztlich ist das Ergebnis eher Zufall.

Diese Erkenntnis kann beängstigend sein – oder als Chance begriffen werden. Die Wahl liegt bei dir.

Schnelligkeit wird beim Schreiben völlig unterschätzt

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Jahr um Jahr werden anlässlich des NaNoWriMos die gleichen Argumente ausgetauscht. Während die einen, wie ich, begeistert davon sind, in vier Wochen ein Romanmanuskript zu beenden, schütteln andere nur verständnislos den Kopf darüber, wie man sich denn dazu zwingen kann so viel wie möglich in so kurzer Zeit zu schreiben. Fast immer kommt von den NaNo-Kritikern das Argument, schreiben sei doch eine qualitative Sache, die nichts mit Tempo oder einem Haufen Wörter zutun habe.

Meiner Ansicht nach eine grobe Fehleinschätzung. Weiterlesen

Gewohnheiten und Routine sind nichts Schlechtes für Autoren

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Ich war sehr erstaunt darüber, als ich in einer Diskussion vor nicht allzu langer Zeit lernte, dass die meisten Menschen Routine und Gewohnheiten negativ beurteilen. Für sie ist beides gleichbedeutend mit Langeweile und Stagnation. Ich sehe das ganz anders. Routinen und Gewohnheiten sind für mich als Autor der Schlüssel dazu, große Projekte überhaupt bewältigen zu können. Weiterlesen

Innere Metaphern helfen Autoren produktiver zu sein

InnereMetaphernhelfenAutoreIch beobachte zu meiner großen Freude, dass sich die Zugriffszahlen auf meinen Blog zu Beginn des neuen Jahres deutlich erhöhen. Vermutlich liegt es daran, dass einige Menschen sich den Vorsatz genommen haben, 2016 endlich Autor zu werden und ihren Roman zu schreiben. Für all jene: Herzlichen Glückwunsch!

Natürlich freue ich mich auch über jeden, der (nicht nur) deswegen seinen Weg zu mir gefunden hat. Vielen Dank für das Interesse.

Damit es nicht nur bei einem guten Vorsatz bleibt und die Motivation auch (mindestens) über das ganze Jahr anhält, musst du Einiges tun. Weiterlesen

Große Geschichten handeln immer von Leben und Tod

GroeGeschichtenhandelnimmeEs gibt ein Thema, das so universell ist, dass es jeden Menschen berührt: der Tod. Und wo Tod ist, gibt es auch Leben. Aber muss es nun in jeder Geschichte um den Tod gehen? Was, wenn du keine Horror-Story, keinen Krimi oder Thriller schreibst, in denen Leichen ja mehr oder weniger zur Tagesordnung gehören?

Ja, auch dann ist der Tod ein wichtiges, zentrales Thema für die Geschichte, das den Leser auf jeden Fall berühren wird. Auch in einem Liebesroman, einer Space Opera oder in einem Fantasy-Epos gehört der Tod auf jeden Fall ins Zentrum der Geschichte. Weiterlesen

2015 im Rückblick

Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2015 für dieses Blog erstellt.

Hier ist ein Auszug:

Etwa 8.500.000 Menschen besuchen jedes Jahr das Louvre Museum in Paris. Dieses Blog wurde in 2015 etwa 350.000 mal besucht. Wenn dieses Blog eine Ausstellung im Louvre wäre, würde es etwa 15 Jahre brauchen um auf die gleiche Anzahl von Besuchern zu kommen.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.