Überraschende Wendungen machen deinen Roman noch spannender

Überraschende Wendungen machen deinen Roman noch spannender

»Herr Doktor, ich habe das Gefühl, dass mich alle ignorieren.«

»Der Nächste bitte.«

Du kennst sie von Kleinauf aus guten Witzen: Überraschende Wendungen. Sie sind extrem unterhaltsam und damit das A und O packender Romane. Das Publikum wird verblüfft, indem eine begonnene Handlung sich schlagartig in eine unerwartete Richtung entwickelt. Das Prinzip ist alt, nutzt sich aber im Gegensatz zu vielen anderen Spannungselementen kaum ab.

Sie steigern in einem nicht unbeträchtlichen Maße die Spannung, denn wenn du deine überraschenden Wendungen effektvoll einsetzt, wird das Publikum in eine wohlige »Alles ist möglich«-Haltung versetzt, die Erwartungen weckt – die du dann natürlich auch mit interessanten Wendungen und plausiblen Auflösungen erfüllen musst.

 

Überraschende Wendung ganz am Anfang deiner Story

Selten angewandt und heikel sind überraschende Wendungen zu Beginn eines Romans. Hier ist eines meiner Lieblingsbeispiele die erste Szene von Paul Cleaves Thriller »Der siebte Tod«.

ACHTUNG SPOILER: Wir erleben die Handlung aus der Ich-Perspektive von Joe, der Hauptfigur des Romans. Joe fährt die Auffahrt hoch, flucht über die Sommerhitze, verlässt seinen Wagen, geht im Haus geradewegs zum Kühlschrank und nimmt sich ein Bier. Er hört, wie Angela noch duscht, setzt sich an den Küchentisch, beißt in ein Stück Pizza und schlägt die Zeitung auf. Angela kommt unter der Dusche hervor, trocknet ihr Haar, lässt das Handtuch fallen und fragt: »Scheiße, wer sind Sie denn?«.

Eine überraschende Wendung, die aus einem seichten und sehr alltäglich geschilderten Anfang nachträglich eine packende Szene macht.

Am Anfang eines Romans ist es jedoch wirklich schwierig, überraschende Wendungen so hinzubekommen, dass sie nicht verwirrend werden. Das Beispiel in Cleaves Roman funktioniert, weil die Szene wirklich kurz ist. Sonst wäre der Einstieg zu gemächlich und banal.

 

Kleine überraschende Wendungen in jeder Szene

Überraschende Wendungen können auch weniger spektakulär sein: Wenn deine Hauptfigur ein korrekt gekleideter Geschäftsmann ist, aber unter seinem dunkeln Anzug Ringelsöckchen trägt, kann das schon ausreichen, um für ein Schmunzeln auf den Lippen deines Publikums zu sorgen. Mehr braucht es gar nicht, aber du solltest ein Gespür dafür bekommen, in jeder Beschreibung und jedem Dialog auch eine Prise Unerwartetes zu streuen.

 

Überraschende Wendungen am Ende deiner Story

Ebenfalls recht verbreitet ist die überraschende Wendung am Ende einer Geschichte. Paradebeispiel sind Filme wie »The Sixth Sense«.

ACHTUNG SPOILER: In »The Sixth Sense« erfahren wir ganz am Ende, dass die Hauptfigur Malcolm Crow ein Geist ist, was die gesamte Handlung in einem vollkommen neuen Licht erstrahlen lässt. Wir lernen, dass Crow, ohne es selbst zu wissen oder zu wollen, ein unzuverlässiger Erzähler war.

Die große überraschende Wendung erst am Ende deiner Geschichte zu zu präsentieren, kann beim Publikum allerdings auch Enttäuschung bewirken. Gerade beim Mittel des unzuverlässigen Erzählers ist diese Gefahr groß. Machst du das nicht richtig, fühlt sich das Publikum respektlos behandelt: »Wozu habe ich mir jetzt die Story angetan, wenn am Ende doch alles ganz anders war?«

Die Menschen bauen beim Konsum einer Geschichte eine gefühlsmäßige Verbindung zu den Figuren auf. Sie fiebern mit. Wenn am Ende doch alles ganz anders ist, als gedacht, kann das als ein emotionale Betrug empfunden werden. Dann sind die Leute sauer und lesen nie wieder ein Buch von dir, obwohl die Wendung vielleicht sehr klug und spanend ist.

Du musst dir überlegen, welche Reize du dem Publikum als Belohnung präsentierst, die die Enttäuschung, an der Nase herumgeführt worden zu sein, wieder aufwiegen.

In »The Sixth Sense« funktioniert beispielsweise der unzuverlässige Erzähler, weil der Fokus der Geschichte auf Malcolm und seinen Erlebnissen liegt und darauf, dass Coles Konflikt mit seiner Frau durch die Erkenntnis, dass er ein Geist ist, gelöst werden.

 

Die Königsdisziplin: Die große überraschende Wendung in der Mitte

Am wichtigsten ist für jeden Roman die große überraschende Wendung in der Mitte. Alfred Hitchcock hat hier in seinem Meisterwerk »Vertigo« Maßstäbe gesetzt.

ACHTUNG SPOILER: Scottie, ein Polizist im Vorruhestand, soll die suizidgefährdete Madeleine beschatten, um zu verhindern, dass sie sich umbringt. Es gelingt Madeleine jedoch trotzdem, sich von einem Glockenturm zu stürzen, weil Scottie unter Höhenangst leidet und ihr deswegen nicht in die Turmspitze folgen kann, um sie vom Sprung abzuhalten.

Scottie zerbricht an dem tragischen Ereignis, weil er sich in Madeleine verliebt hat. Nach einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt, bei dem er das traumatische Ereignis zu verarbeiten versucht, trifft er auf die Kassiererin Judy, die Madeleine verblüffend ähnlich sieht. Scottie erkennt mit der Zeit, dass die beiden tatsächlich ein und die selbe Person sind und er Opfer einer Intrige geworden ist.

Er tyrannisiert Judy, um ein Geständnis zu erzwingen und um herauszufinden, warum er in diese Intrige verwickelt worden ist.

Die gesamte Handlung unternimmt eine überraschende Wendung, wenn der Film von einer Mystery-Story (Warum will Madeleine sich umbringen?) zu einer Suspense-Story wird (Wie wird es Scotty gelingen, die Intrige aufzudecken und sich zu rächen?). Mit dem Selbstmord von Madeleine verwandeln sich Stimmung und Zielrichtung der gesamten Story. Im Prinzip erlebt das Publikum zwei verschiedene Filme, die erst rückblickend miteinander zusammenhängen.

Überraschenden Wendungen finden noch auf vielen anderen Ebenen von »Vertigo« statt. Die Figuren verändern zum Beispiel ihre Rollen und ihre Psychologie im Laufe der Geschichte. Sehr eindrucksvoll, sehr effektvoll, komplex und effektiv. »Vertigo« gilt nicht zu unrecht als Meisterwerk.

Ähnlich gehen viele Thrillerautoren vor, zum Beispiel der Autor John Katzenbach in »Der Patient«. Der Psychiater Frederick Starks wird Opfer eines Intrigenspiels des Serienkillers Rumpelstilzchen, der ihn wie eine Marionette nach seiner Pfeife tanzen lässt. Stark sucht den Ausweg, indem er seinen Tod vortäuscht, um dann aus der Rolle des Gejagten in die des Jägers zu wechseln.

 

Je größer die überraschende Wendung den Charakter deines Roman verändert, desto detaillierter musst du sie vorbereiten

Was du solchen Beispielen wie »Vertigo« oder »Der Patient« lernen kannst – ganz gleich, ob du nun Thriller oder Liebesromane schreibst:

Eine große überraschende Wendung in der Mitte muss in der erste Hälfte der Story gut vorbereitet werden. Alle Elemente der ersten Hälfte müssen einen neuen Sinn ergeben, wenn das Publikum sie mit den Informationen aus der zweiten Hälfte betrachtet.

Überraschung ist im Roman nie etwas, das zufällig und unmotiviert geschieht – so wie im richtigen Leben. Das Publikum verzeiht hier vielleicht innerhalb einer Szene eine Wendung, die unerwartet und amüsant ist – wie bei einem Witz.

Eine Wendung, die jedoch so groß ist, dass der ganze Roman einen anderen Charakter bekommt, muss motiviert und vorbereitet sein.

Insofern ist zum Beispiel der unzuverlässig Erzähler zwar eines der effektvollsten (und auch einfachsten) Mittel, um für eine überraschende Wendung zu sorgen, jedoch auch eine, die das größte Risiko birgt. Manche begehen den Fehler, einen unzuverlässigen Erzähler praktisch als Ausrede zu verwenden, eine überraschende Wendung eben nicht minutiös vorzubereiten. Tu das nicht. Sorge auch mit einem unzuverlässigen Erzähler für plausible Wendungen.

Plausibel sind Wendungen, wenn du die Grundlagen für die überraschende Wendungen zu einem früheren Zeitpunkt der Handlung andeutest, wenn dem Publikum alle Informationen so präsentiert werden, dass es im Nachhinein sagen kann: »Wow, was für eine Überraschung, aber das hätte ich eigentlich kommen sehen müssen.« Sieh dir im Zweifelsfall noch einmal aufmerksam »The Sixth Sense« an, wenn du dich nun fragst, wie genau du diesen Effekt hinbekommen sollst.

Coverdesign, YouTube und Bloggen: der selfpublisher Nr. 6 ist da!

Coverdesign, YouTube und Bloggen: der selfpublisher Nr. 6 ist da!

Die Juni-Ausgabe des selfpublishers, dem Printmagazin für Selfpublisher, ist bei mir eingetroffen. Und sie ist randvoll mit wichtigen und interessanten Themen.

Natalja Schmidt vertritt in ihrem Beitrag »Selfpublisher in Verlagen«die These, dass Selfpublisher immer mehr Chancen haben, auch bei großen Publikumsverlagen unterzukommen. Die erfahrene Lektorin und ehemalige Literaturagentin betrachtet den Selfpublishing-Markt als Talentschmiede und einen Indikator für neue Trends. Eine Einschätzung, der ich auf jeden Fall zustimmen würde.

Passend zum aktuellen Vlog der SchreibDilettanten beschäftigt sich in dieser Ausgabe Monika Dennerlein mit einem Vergleich zwischen Selfpublishing und Verlag. Ich schwöre, dass das ein Zufall ist. Sehr praktische Ergänzung zu unserem Video: eine vergleichende tabellarische Übersicht der Vor- und Nachteile der jeweiligen Publikationsformen.

Steffen Meier stellt in seinem Text »Alles bewegt sich fort und nichts bleibt« interessante Thesen zur zukünftigen Entwicklung des Buchmarkts angesichts des Phänomens Selfpublishing auf. Er prophezeit einen grundlegenden Wandel und hält die Wahrscheinlichkeit für gegeben, dass Verlage sogar in absehbarer Zeit verschwinden könnten. Sehr lesenswert und bestimmt kontrovers, wobei ich den meisten seiner Argumente zustimmen würde.

Persönlich hat mir der Artikel der Autorin und Buchbloggerin Stefanie Hasse sehr gut gefallen. Sie klärt darüber auf, was Selfpublisher beim Finden von Buchblogs, die ihre Romane besprechen wollen, falsch machen.

Matthias Matting macht auf Buchpreise für Selfpublisher aufmerksam und rührt dabei ein wenig die Werbetrommel für den überaus attraktiven Deutschen Selfpublisher-Preis, den man sich auf jeden Fall einmal angesehen haben sollte, stellt aber gleichberechtigt auch den Indie Autor Preis und den Kindle Storyteller Award dar. Jeder Selfpublisher sollte hier auf jeden Fall einen Blick riskieren, denke ich.

Ein echter Lebensretter kann der Text von Rainer Dresen sein, der eine neue Reihe »Recht für Selfpublisher« startet. Im ersten Teil geht es darum, wie man Zitate rechtlich einwandfrei einbindet. Solche Artikel machen den Selfpublisher als Magazin zu einer echten Langzeitressource, die man gründlich studieren sollte.

Das Interview mit der Hybrid-Autorin und Bestseller-Selfpublisherin Catherine Shepherd sollte man sich genauso wenig entgehen lassen, wie den sehr charmanten Text von Caroline Brinkmann über die größten Facebook-Fehler, die Sefpublisher so machen. Hier gefällt mir vor allem die entspannte Haltung zum Thema Social Media Marketing, die man am Ende der Lektüre gewinnt.

Im letzten Viertel beschäftigt sich das Heft intensiv mit der visuellen Seite des Selfpublishings: Coverdesign, Video-Lesungen, Buchtrailer und deren Präsentation auf YouTube werden von Andreas Barth und Markus Weber, deren Agentur unter anderem auch das Cover zur deutschen Ausgabe meines Lieblingsbuchs »Ich bin kein Serienkiller« von Dan Wells entworfen hat, Laura Newman und Annika Bühnemann behandelt. Abgerundet wird dieser Themenschwerpunkt mit einem ausführlichen Test des kostenolosen Videoschnittprogramms Shotcut von Jennifer Juffern.

Abgeschlossen wird das Heft mit der kompetenten Genredefinition von Science Fiction von Susanne Pavlovic. Hier fehlt mir allerdings ein wenig der konkrete Bezug zum Selfpublishing. Mich hätte ganz besonders interessiert, welchen Stellenwert und welche Marktchancen SF auf dem Selfpublishermarkt im Vergleich zum traditionellen Buchmarkt hat. Diese Lücke füllt ein wenig dieser Artikel von der Selfpublisherbibel.

Unterm Strich also wieder einmal ein wirklich hervorragendes Heft. Der Selfpublisher ist in meinen Augen wirklich eine unverzichtbare Ressource für alle, die an diesem Thema interessiert sind. Und das sage ich nicht nur aus Eigeninteresse, weil ich ebenfalls mit einem Artikel im Heft vertreten bin. Man findet in dem Prinzmagazin Informationen, die man entweder im Netz vergeblich sucht oder selbst lange recherchieren muss.

Dürfen Dialoge grammatikalische Fehler enthalten?

 

Dürfen Dialoge grammatikalische Fehler enthalten?

Wir sprechen anders als wir schreiben. Das merken wir im Alltag in der Regel nicht einmal und es ist eigentlich auch nicht weiter tragisch. Das sprachliche Gestammel aus verkürzten und/oder unvollständigen Sätzen und falschem Deutsch verstehen wir trotzdem dank Mimik und Gestik unserer Mitmenschen ziemlich gut. Doch wie schreibst du Dialoge, damit sie gleichzeitig realistisch klingen aber trotzdem noch lesbar sind?

Die wenigsten Menschen sprechen grammatikalisch korrekt. Lauschst du nicht gerade der Vorlesung eines Linguistikprofessors, wirst du als aufmerksamer Zuhörer schnell merken, dass sich wenigstens kleinere Schludrigkeiten bei den meisten Sprechern einschleichen. Eines meiner Lieblingsbeispiele ist der falsche Satzbau nach weil:

»Ich konnte nicht früher kommen, weil da war ein Unfall auf der Autobahn.«

Standardsprachlich muss der Satz lauten: »Ich konnte nicht früher kommen, weil ein Unfall auf der Autobahn war.« Noch besser wäre natürlich: »Ich konnte nicht früher eintreffen, weil sich auf der Autobahn ein Unfall ereignete.« Aber so redet nun wirklich so gut wie niemand.

»Weil« ist eine Konjunktion und leitet den Nebensatz ein. Und im Nebensatz steht das finite Verb (also im ersten Beispiel »war«) immer am Ende.

Der Grund für diesen Fehler ist wahrscheinlich folgender: Während wir in der Schriftsprache unsere Sätze häufig planen und überarbeiten können, können wir das beim Sprechen nicht. Häufig wissen wir gar nicht so genau, wie der Satz enden wird, wenn wir ihn begonnen haben. Wenn wir zum Beispiel nach Ausreden suchen, kann das der Fall sein:

»Warum bist du denn schon wieder zu spät?«

»Na, weil … äh, da war ein Unfall.«

Damit klärt sich auch schon die Frage, ob und wann ich in Dialogen diese falsche Grammatik benutzen kann oder sollte und wann nicht. Spielt sie wirklich eine Rolle, weil eben beispielsweise der Sprecher nach einer Ausrede sucht oder gerade irritiert oder abgelenkt ist usw., dann kann es durchaus sinnvoll sein, falsches Deutsch im Dialog zu benutzen. Natürlich kannst du auch versuchen auf diese Weise einen Menschen zu charakterisieren, der aus irgendwelchen Gründen nicht mit der deutschen Sprache ausreichend vertraut ist (einen Engländer zum Beispiel, der gerade Deutsch lernt usw.).

Umgekehrt solltest du auf solche Mittel natürlich lieber nicht zurückgreifen, wenn du beispielsweise einen Richter während seiner Amtsausübung sprechen lässt oder anderes hochgebildetes Personal auftreten lässt. Dann würde es seltsam aussehen, dass diese Menschen sich nicht auch gewählt ausdrücken können.

Das gilt auch für andere sprachliche Fehler, die wir im Alltag gerne machen, in literarischen Dialogen aber eher selten und nur sehr gezielt verwenden sollten.

So verwechseln beispielsweise viele gerne »wie« und »als«: »Ich bin viel schlauer wie du.«

Standardsprachlich muss es natürlich »Ich viel schlauer als du.« heißen. Beim Vergleich (»Ich bin genauso schlau wie du.«) verwendet man »wie«, bei der Steigerung »als«.

Anderes Beispiel:

»Wollen wir wetten?«

»Um was?«

Hier ist standardsprachlich als Gegenfrage: »Worum?« angebrachter. Genauso sollte es lieber nicht »In was für einem Land wollen wir denn eigentlich leben?« heißen, sondern »In welchem Land wollen wir leben?«

Nicht: »Wem sein Stift ist das hier?«, sondern: »Wessen Stift?«

Und so weiter. In dieser Richtung gibt es zahlreiche Beispiele von Fehlern oder Schludrigkeiten, die uns mehr oder weniger häufig passieren.

Ein anderes, nicht weniger häufiges Phänomen sind Anglizismen.

So solltest du dir beispielsweise den Einsatz des Wortes »Wirklich« wirklich gut überlegen. Häufig entspricht der Gebrauch eher dem englischen »Really«, wenn wir im Deutschen eigentlich einfacher »sehr« sagen würden.

Das gilt auch für zahlreiche Redewendungen, wie »am Ende des Tages«, die gerade von Politikern oder Journalisten häufig benutzt werden, die es eigentlich besser wissen sollten. Auch hier bietet sich dann eine Möglichkeit, bestimmte Menschen durch den Gebrauch von falschem Deutsch in Dialogen zu charakterisieren.

Ich halte mich gerne an die Faustregel: Im Zweifelsfalls benutzte ich korrektes Deutsch. Zu schnell kann ein absichtlicher »Fehler« doch unbeabsichtigt wirken und somit aufmerksamen Leserinnen das Vergnügen am Text rauben.

Mein erstes Regionaltreffen des Selfpublisher-Verbandes

Berliner Regionaltreffen des Selfpublisher-Verbandes

Letzten Mittwoch, den 24.05.2017, war ich im Kreuzberger Kulturhaus Lettrétage zum Berliner Regionaltreffen des Selfpublisher-Verbandes eingeladen. Eine Einladung, die ich natürlich nicht ausschlagen konnte, zumal mit Anja Saskia Beyer und Babsy Tom zwei prominente Selfpubslisherinnen die Ehrengäste waren, deren Auftritt ich nicht verpassen wollte.

Präsentiert wurde der Abend von Ruprecht Frieling, der schon alleine einen Abend wert ist und ebenso souverän wie witzig eine gleichermaßen anregende und entspannte Atmosphäre erzeugte.

So kam es nicht nur zu Lesungen der beiden Autorinnen, einer Vorstellung ihrer Biografien, einiger ihrer Romane und ihres Genres, sondern auch zu einem sehr regen und lebhaften Austausch mit dem Publikum.

Das lag auch an dessen kompetenter Besetzung, da sich dort unter anderem die ebenfalls prominenten Selfpublisherinnen Tanja Neise und Nika Lubitsch tummelten.

Nun muss ich gestehen, dass der thematische Schwerpunkt des Abends – Liebesromane – nicht unbedingt mein Vorgarten ist. Trotzdem fand ich es aber durchaus spannend, mehr über das Genre zu erfahren. Es schadet ja nicht, über den eigenen Tellerrand hinaus zu sehen. Hinzu kommt, dass es am Rande durchaus auch um eher allgemeinere Fragen des Selfpublishings ging.

Ruprecht Frielings humorvolle, aber nie herablassende Art, dem Thema zu begegnen, war ein Erlebnis. Man konnte merken, dass er persönlich recht wenig mit Liebesromanen anfangen kann, aber durchaus bereit gewesen ist, ihm professionell und wertschätzend zu begegnen.

Der Abend klang in einem inoffiziellen Rahmen aus. Ich bekam die Gelegenheit, ein paar Worte mit Nika Lubitsch zu wechseln, den Ehrengästen, die ich bisher nur von Facebook her kannte, die Hand zu schütteln und kleinere Einblicke in ihre Arbeitsweise zu bekommen, was ich sehr interessant fand.

Dies war mein erster Besuch eines Regionaltreffens des Selfpublisherverbandes, aber ganz sicher nicht mein letzter. Viele interessante Menschen tummeln sich dort, die Atmosphäre ist ausgesprochen anregend und es lassen sich neue Kontakte knüpfen.

Sehr positiv möchte ich hervorheben, dass es eben keine kaffeefahrtähnlich Werbeveranstaltung des Verbands ist. Natürlich kann man an solchen Abenden dem Verband beitreten – muss es aber auf keinen Fall. In dieser Richtung wird von den Veranstaltern keinerlei Druck aufgebaut, sodass das ganze Event eher den Rahmen eines gemütliche, aber informativen Beisammenseins hat.

Ich zumindest bin noch kein Mitglied des Selfpublisher-Verbandes, werde das aber in der nächsten Zukunft auf jeden Fall ändern.

Wer Näheres zum Selfpublihser-Verband erfahren möchte und/oder einfach nur einmal nachsehen will, ob, wann und wo in seiner Nähe ein Regionaltreffen stattfindet, kann dies natürlich auf der Website des Verbandes tun:

http://www.selfpublisher-verband.de

Warum Antihelden immer beliebter werden

Warum Antihelden immer beliebter werden

Erneut freue ich mich über einen Gastbeitrag des Horror-Experten John Paxing. Ich bin heilfroh, dass mir dieses Thema von einem Gastautor abgenommen wird, da ich bisher geglaubt habe, mit Anti-Helden nichts anfangen zu können. Diese aufschlussreiche Beitrag bringt mich allerdings zum Nachdenken. Vielen Dank dafür.

In klassischen Geschichten sind Helden normalerweise die Guten, und Bösewichte.. Nun ja, die Bösen. Dabei ist der Archetyp des »guten Helden« natürlich eine Illusion. Niemand ist einfach nur »gut«.

Ich meine, ich kenne richtig gute Menschen – absolut selbstlose, nette, hilfsbereite, gute Leute – aber selbst die haben irgend etwas an sich, das ich nicht gut heiße. Scheinbar funktioniert das Leben nicht ohne schlechte Eigenschaften. Und ich will auch beim Lesen, Fernsehen oder Computerspielen längst keinen Protagonisten mehr zuschauen, die einfach nur »gut« sind.

Die Entwicklungen in Fernsehen und Kino zeigen am deutlichsten, dass wir uns immer mehr Antihelden wünschen. Mit »Antihelden« meine ich Protagonisten, deren negative Eigenschaften absichtlich ausgearbeitet werden. Dr. House, Batman (der in »The Dark Knight«) und Max Payne sind solche Helden. Sie lassen Charakterzüge geradezu heraushängen, die eigentlich als unsympathisch gelten.

Dazu zählen Narzissmus (Selbstverliebtheit), Psychopathie (manipulatives, kaltblütiges Verhalten) und Machiavellismus (das eigene Ziel ohne jede Rücksicht und Moral verfolgen, über Leichen gehen). In der Evolutionspsychologie werden diese drei Persönlichkeitstypen als die »Dunkle Triade«* zusammengefasst, und sie gehören zu den unbeliebtesten Charakterzügen überhaupt.

Der bekannteste Antiheld ist vielleicht James Bond. Er bricht regelmäßig das Gesetz, er hat sogar die »Lizenz zum Töten«. Das macht ihn zu einer Ausnahme, zu einem, der über dem Rest der Gesellschaft steht. Er lebt jenseits des »Guten« und »Schlechten«, an dem die anderen sich orientieren sollen. Nur durch seine knallharte, manipulative Art schafft er jede Mission. Ganz klar ist er kein Held mit positiven Qualitäten wie Nächstenliebe, Fairness und Achtung vor anderen. Man kann ihn getrost psychopathisch nennen – wie sonst sollte er nachts ruhig schlafen können? So ähnlich ergeht es dem Punisher, Wolverine und Dexter.

Die Wissenschaft wundert sich, dass wir heute so auf Antihelden stehen, die Eigenschaften der »Dunklen Triade« verkörpern. Denn »schlechte« Menschen – also solche, die gegen bestimmte Regeln verstoßen – werden normalerweise aus der Gesellschaft ausgestoßen. Sie verhalten sich nicht kooperativ. Sie sind egoistisch und richten Schaden an, und deshalb mag sie auch keiner – aus Selbstschutz.

Um in einer Gruppe miteinander klar zu kommen, haben sich bei uns starke Sympathien und Antipathien für bestimmte Verhaltensweisen über den Lauf der Evolution verinnerlicht. Wir haben die Kategorien »Gut« und »Böse« entwickelt, an deren Vorbild sich Gesetze, Moral und Erziehung orientieren. Das Resultat: Jeder gesunde Mensch reagiert emotional ziemlich stark auf Menschen, die sich »asozial« verhalten.

Warum also wünschen wir uns Helden, die ihre schlechten Eigenschaften so offen zeigen? Warum fühlen wir uns mit Antihelden mehr verbunden als mit archetypischen, guten Helden?

Ein Teil der Antwort ist einfach: Natürlich steckt in jedem von uns eine dunkle Seite. Ich bin regelmäßig egoistisch, ich fluche verdammt viel und bin impulsiv, und sicher habe ich auch mal gegen das Gesetz verstoßen. Protagonisten, die keine Spur solcher negativen Eigenschaften besitzen, sind einfach nicht lebensecht und mit ihnen kann man sich schlechter identifizieren. Aber vor Allem werde ich mit ihnen nicht warm, weil sie keine ehrliche Verbindung zu sich zulassen:

Jemandem verbunden zu sein, eine Beziehung zu haben, bedeutet letztlich, sich verletzlich zu machen. Zu perfekte, fehlerfreie Menschen machen mich skeptisch. Irgendetwas scheinen sie zu verbergen, und ich kann sie nie richtig einschätzen. Zeigt mir jemand nicht sein wahres Gesicht, dann bleibt als Konsequenz auch die Beziehung oberflächlich.

Wenn ich aber jemandem mehr von mir preisgebe, inklusive meiner schlechten Eigenschaften und Unzulänglichkeiten, zeige ich damit Vertrauen: Ich vertraue darauf, dass der andere mich nicht verstößt, obwohl ich fehlerhaft bin. Und dass ich dieses Risiko eingehe beweist, dass ich eine echte Beziehung mit ihm möchte.

Deshalb sind Antihelden, die ihre negativen Eigenschaften zeigen, und sich damit verletzbarer, nahbarer und ehrlicher machen, sympathischer als Helden, die einfach nur gut und perfekt sind. Man kann mit ihnen potentiell echte, menschliche Beziehungen eingehen – eines der wichtigsten Dinge, auf denen unser Leben beruht.

Als Schlusswort möchte ich hierzu einen Gedanken zusammenfassen, den ich kürzlich in einer sehr interessanten Dokumentation (»Indie Game: the Movie«) gehört habe:

»Auf Hochglanz polierte, idealisierte Nachahmungen, ohne Macken und Kanten, sind unpersönlich. Wenn etwas dich berühren soll, persönlich werden soll, dann braucht es Macken, Fehler und eine gewisse Verletzlichkeit. Wenn du jemanden betrachtest und keine Verletzlichkeit in ihm entdeckst, dann ist deine Beziehung zu dieser Person wahrscheinlich nicht besonders tiefgründig.«

Als weiterführende Lektüre zum Thema »Evolution von gutem und bösem Verhalten« und »Antihelden in Geschichten« kann ich diesen Artikel empfehlen:

*»The Antihero in Popular Culture: Life History Theory and the Dark Triad Personality Traits« von Peter K. Jonason et al., University of Western Sydney, Australien. Review of General Psychology © 2012 American Psychological Association (2012), 16:2, 192–199. DOI: 10.1037/a0027914

 

Es sind die Figuren, Dummkopf!

Es sind die Figuren, Dummkopf!

Bill Clinton gewann 1992 die Wahlen zum US-Präsidenten mit dem Slogan »It’s the economy, stupid!« (»Es ist die Wirtschaft, Dummkopf!«). Etwas allgemeiner ausgedrückt war er also mit einem Motto erfolgreich, das darauf abzielte, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, das den Menschen wichtig ist und sie wirklich bewegt.

In diesem Sinne gilt für Romanautorinnen: »Es sind die Figuren, Dummkopf!«

Einen Roman zu schreiben ist mindestens genauso kompliziert, wie das Führen eines Staates. Wie auch die Politik besteht ein Roman aus vielen, kleinen Bausteinen, die alle zusammenpassen müssen: Sprache, Plot, Atmosphäre, Spannung, Schauplätze usw.

Und wie auch Politikerinnen können sich Romanautorinnen schnell in den vielen, kleinen – und wichtigen – Details verlieren und das Große Ganze aus den Augen verlieren.

Auf das Romanschreiben bezogen bedeutet das: Was Menschen wirklich interessiert, sind andere Menschen. Deswegen sind die Figuren das, was alle an einem Roman am meisten mögen.

Das wird bei einigen Romanen schon alleine dadurch deutlich, dass die Helden der Geschichte auch im Titel stehen, von »Tom Sawyer« bis »Harry Potter«.

Terry Pratchett meinte einmal, dass er häufig gefragt wurde, doch mal wieder einen Roman mit Rincewind oder Granny Wetterwachs zu schreiben. Man merke: Er hatte nicht darüber berichtet, dass er häufig gefragt wurde, doch mal einen Roman über die moderne Kommunikationstechnik zu schreiben, sondern darüber, dass seine Leserinnen mehr über die Figuren erfahren wollten, die ihnen ans Herz gewachsen waren.

Das Thema eines Romans ist nicht unwichtig. Spannung, Sprache, Plot – das sind alles keine bedeutungslosen Details. Aber im eigentlichen Fokus der Aufmerksamkeit müssen die Figuren stehen.

Mit ihnen solltest du dir am meisten Mühe geben. Erschaffe Figuren, die mitreißend und rund sind, zu denen Leserinnen eine Beziehung aufbauen – mit anderen Worten: die sie in ihr Herz schließen können.

Es gibt sehr viele verschiedene Wege, Figuren für einen Roman zu gestalten. Ganz gleich, wie du zu deinen Figuren kommst – am Ende müssen sie vor allem auf die Bedürfnisse deines Zielpublikums zugeschnitten sein.

Dan Brown (»Sakrileg«, »Inferno«) beispielsweise charakterisiert seinen Serienhelden Robert Langdon bewusst sparsam. Seine Romane sind im Prinzip Rätsel, die die Leserinnen und Leser dazu einladen sollen, mitzuraten. Würde Langdon zu markant sein, dann würde er nicht mehr als Identifikationsfigur, quasi wie eine Art Avatar im Computerspiel, funktionieren. Trotzdem besitzt er ein paar Eigenschaften, die so grundlegend und einladend sind, dass ein Großteil der Menschen sich mit ihm identifizieren kann: Er ist kompetent, verletzlich, gibt nie auf, hat Humor und ist attraktiv für das andere Geschlecht.

Chris Carter hat mit Robert Hunter eine Art James Bond erfunden. Hunter ist körperlich topfit und besitzt gleichzeitig Doktortitel. Er hat Erfolg bei den Frauen und ist einer der besten Polizisten, die es je gab. Mit anderen Worten: Er ist ein Universalgenie im Körper eines Olympiasiegers. Hunter lädt also nicht nur zur Wunscherfüllung ein, sondern erhöht dazu noch den Thrill für die Leserinnen und Leser. Wenn schon so ein Supermann den blutrünstigen Serienkillern kaum Einhalt gebieten kann – wie soll es dann erst uns Normalos ergehen?

Harry Potter ist (in den ersten Romanen der Serie) ein mitleiderregender Junge. Er fühlt sich genauso machtlos der Welt der Erwachsenen ausgeliefert, wie es nun einmal Kinder und Jugendliche tun. Das ermöglicht es dem Zielpublikum, eine Verbindung zu ihm aufzubauen. Gleichzeitig ist Harry aber auch der größte Magier aller Zeiten. Das ist natürlich Wunscherfüllung. Harry vermittelt den Leserinnen den Glauben daran, dass auch sie wichtig sein können und in ihnen ebenfalls große Talente schlummern.

Keine Figur lebt für sich allein. Wenn die Figuren im Fokus stehen, dann stehen auch ihre Beziehungen im Fokus. Freundschaft, Liebe und Partnerschaft sind zentrale Themen, über die die Menschen einfach gerne lesen.

Robert Langdon hat in jedem Roman eine Love Interest, also eine weibliche Beziehungsfigur. Auch wenn es in Browns Romanen eher weniger zu Romanzen kommt, so gibt es doch unterschwellig immer die Frage, ob Langdon mit seinem weiblichen Sidekick mehr als nur ein Rätsel verbindet oder nicht.

Robert Hunter hat seinen treuen Partner Carlos Garcia, mit dem ihm eine tiefe Freundschaft verbindet.

Harry Potter hat mit Hermine Granger und Ron Weasley treue Freunde, mit denen er durch dick und dünn gehen kann, selbst wenn es auch immer wieder mal Streit gibt.

Gemeinsam haben alle Figuren, dass wir sie in unser Herz schließen, mit ihnen mitfiebern und uns noch Jahre später an sie erinnern, wenn wir viele Details der Handlung eines Romans bereits vergessen haben.

Solche Figuren brauchst du für deinen Roman. Also solltest du dir mit ihnen wirklich viel Mühe geben.

Die beste Publikationsform für deinen Roman? Kleinverlag vs. Selfpublishing vs. Digital-Imprint

Die beste Publikationsform für deinen Roman? Kleinverlag vs. Selfpublishing vs. Digitale-Imprint

Dein Roman ist endlich fertig. Die jahrelange, harte Arbeit soll sich nun auch endlich auszahlen. Du möchtest deinen Roman veröffentlichen. Er soll gelesen werden und was damit verdienen wäre natürlich auch nicht schlecht. Natürlich setzt du dir große Ziele und reichst deswegen dein Manuskript bei Publikumsverlagen oder den bekanntesten Literaturagenturen ein – und kassierst nur Absagen.

Keine Angst. Das ist normal und hat nicht zwangsweise etwas mit der Qualität deines Manuskripts zu tun (vorausgesetzt, du hast es ausgiebig getestet und überarbeitet).

Aber was nun? Selbst veröffentlichen? Bei Kleinverlagen bewerben oder das Manuskript bei einem der inzwischen zahlreichen digitalen Imprints der großen Verlage einreichen?

Das sind mehr oder weniger die Alternativen, die dir bleiben. Gegenüber den Publikumsverlagen haben alle drei Möglichkeiten erhebliche Nachteile:

  1. Prinzipiell kleinere Reichweite.
  2. Kein oder nur wenig Budget für Werbung.
  3. Geringeres Renommee – und damit verbunden eine kleinere oder gar keine Infrastruktur (Vernetzung mit anderen Medien usw.).

Neben diesen Nachteilen haben aber die drei genannten Publikationsmöglichkeiten auch noch weitere Unterschiede, die du abwägen solltest, bevor du dich für eine Alternative entscheidest.

Selfpublishing

Na, dann mach ich’s halt eben selbst. Ist ja heutzutage nicht so schwer. So denken viele. Prinzipiell stimmt das auch. Ein Buch kann heutzutage praktisch jeder publizieren, der einen Computer hat. Und das beinahe ohne weitere Kosten. Aber der Teufel steckt natürlich im Detail.

  • Die Vorteile: Selfpublisher dürfen am allermeisten von ihren Umsätzen behalten. Im Vergleich zum Veröffentlichen bei Verlagen ist die Gewinnbeteiligung gigantisch. Wenn man denn was verkauft. Hinzu kommt die gestalterische Freiheit. Praktisch alles – vom Coverdesign über das Lektorat bis hin zum Marketing – kann von dir selbst bestimmt werden, genau so, wie du es möchtest. Das bietet keine andere Veröffentlichungsmöglichkeit.
  • Die Nachteile: Du kannst nicht nur alles selbst mitbestimmen. Du musst es auch. Für jeden Buchstaben und jedes Pixel vom Cover bist du selbst verantwortlich. Entweder bist du ein Multitalent – was Lektorat, Cover und Marketing angeht und kannst in all diesen Bereichen aus dem Handgelenk das Gleiche leisten, das auch Menschen können, die eine Ausbildung und jahrelange Erfahrung auf ihren Gebieten haben – oder du musst dir dieses Know How und diese Fähigkeiten einkaufen.
    Lektorat und Korrektorat kosten in der Regel einige hundert, wenn nicht tausend Euro. Coversdesign so um die 300 und beim Marketing ist das Budget nach oben hin offen.
    Je nach dem, was du an Leistungen einkaufst und was du selbst machst, bleibt noch eine Menge Arbeit übrig, die du erledigen musst. Viele Arbeitsstunden, die du lieber ins Schreiben neuer Romane stecken könntest, musst du mit der Arbeit rund ums Veröffentlichen verbringen. Ob du das leisten kannst oder willst, musst du dir gut überlegen.
    Das sind dicke Hunde, die du schlucken musst – und/oder Summen, die du erst einmal mit deinem Roman verdienen musst.

Digitales Imprint

Praktisch alle großen Publikumsverlage haben mitbekommen, dass Selfpublihsing im E-Book-Format etwas ist, das Autorinnen und Leserinnen prinzipiell mögen. Also bieten sie inzwischen Labels an, unter denen sie auf diesem Feld mitmischen.

  • Die Vorteile: In der Regel arbeitet man hier mit Profis der Branche zusammen. Lektorat, Korrektorat und Coverdesign erfolgen häufig auf dem Niveau der großen Publikumsverlage. Zwischen Manuskripteinreichung und Veröffentlichung vergehen meist nur wenige Wochen – was im Vergleich zum Publikumsverlag, bei dem dieser Prozess viele Monate, wenn nicht Jahre dauern kann, geradezu lächerlich schnell ist.
  • Die Nachteile: Wenig Werbung im Vergleich zum Publikumsverlag und viel weniger Mitspracherecht im Vergleich zum Selfpublishing. Die Umsatzbeteiligung ist höher als beim Publikumsverlag, aber wesentlich geringer als beim Selfpublishing.

Kleinverlag

Es ist wesentlich wahrscheinlicher, bei einem Kleinverlag unterzukommen, als bei einem großen Publikumsverlag. Kleinverlage sind – wie der Name schon sagt – sehr kleine Betriebe. Nicht selten bestehen sie nur aus einer festen Mitarbeiterin, der Verlagsleiterin, die dann alle anderen Leistungen bei Drittanbietern einkauft.

Manchmal suchen Kleinverlage sogar aktiv Autoren. Das macht es verführerisch, sich dort zu bewerben.

  • Die Vorteile: Bei Kleinverlagen gibt es häufig einen engen persönlichen Kontakt mit den Mitarbeiterinn. Es geht halt familiär zu. Sonst funktioniert so ein Kleinverlag – wenn er professionell betrieben wird – wie ein großer Verlag.
  • Der Nachteile: Eigentlich bietet ein Kleinverlag gegenüber dem Selfpublishing oder dem Veröffentlichen bei einem digitalen Imprint keinen Vorteil. Vielleicht sind die finanziellen Konditionen etwas besser als beim Publikumsverlag – mit großer Wahrscheinlichkeit aber schlechter als beim Selfpublishing.

Es hängt beim Kleinverlag ganz massiv vom konkreten Unternehmen ab, ob er einem zusagt oder nicht. Während du dir beim einem Publikumsverlag relativ sicher sein kannst, das hier auf hohem Niveau gearbeitet wird (was allerdings auch keinen Persilschein bedeutet), musst du das beim Kleinverlag zuvor gründlich prüfen.

Fazit: Überraschung! Die eierlegende Wollmilchsau gibt es beim Veröffentlichen jenseits großer Publikumsverlage nicht. Stattdessen musst du in mindestens einen sauren Apfel beißen.

Aber: Selbst wenn du das Glück hast, bei einem Publikumsverlag genommen zu werden, heißt das noch lange nicht, dass du auch alle seine Vorteile genießen kannst. Unter Umständen wirst du am Ende ähnlich wie beim digitalen Imprint oder beim Kleinverlag behandelt, weil die erwarteten Umsätze, die der Verlag sich erhofft hat, ausbleiben.

Ganz gleich also, für welche Publikationsmöglichkeit du dich entscheidest oder ob du sogar bei einem großen Verlag gelandet bist – am Ende bleibt es noch immer zu einem großen Teil ein Glücksspiel, wie gut sich dein Roman verkauft.