Entfesselter Tod: Thriller

Entfesselter Tod Cover E-Book»Ihr seid wie Ratten in einem Labyrinth. Nur dass es am Ende keine Belohnung gibt, sondern den Tod.«

Der neue Thriller von Marcus Johanus

Berlin schaut einer jungen Prostituierten bei ihrem Todeskampf zu. Das Video ihres Mordes verbreitet sich wie ein Virus. Mit Zwangsjacke und Ketten gefesselt ertrinkt sie in einem Wasserbecken.

Jemand will dem ehemaligen Entfesselungskünstler Christopher Vanick den Mord anhängen. Auf der Flucht vor der Polizei muss er den Killer stoppen und seine Unschuld beweisen. Und der Mörder kündigt an, weitere Menschen zu töten.

Trickreich, gerissen und auf der Flucht: Christopher Vanick im Wettlauf gegen die Zeit.

»Ausgeklügelte Handlungsstränge für Freunde trickreicher Krimis, genug Action sodass auch bei Hardboiled-Fans keine Langeweile aufkommen dürfte und Charaktere mit denen man mitfiebert, lassen die Seiten nur so vorüberfliegen.«

Jan Butte

Erlebe dramatischen Nervenkitzel in diesem spannenden Thriller von Marcus Johanus. 

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LESEPROBE

1

Etwas Kaltes drückte in Vickys Stirn.

Sie riss die Augen auf. Grelles Licht blendete sie. Sie lag mit dem Bauch auf Fliesen. Die Keramik verstärkte das grelle Licht wie Schnee die Sonne an einem klaren Wintertag. Tränen schossen ihr in die Augen.

Unter Schmerzen drehte sie den Kopf, um mehr zu sehen.

Das Licht stammte von Scheinwerfern. Ein kugelförmiges Wasserbecken spiegelte die Strahlen. Es zeichnete blaue Schatten auf die Wand dahinter. Das gläserne Becken wirkte wie eine riesige Kristallkugel, in der ein Minivan Platz gehabt hätte. Mehr als groß genug, dass ein Mensch darin komplett verschwinden konnte.

Wieso war sie hier? Wo war sie überhaupt?

Vicky versuchte aufzustehen.

Jemand hatte ihr die Hände auf dem Rücken gefesselt. Handschellen. Das spürte sie sofort, auch ohne sie zu sehen. Es war nicht das erste Mal, dass sie welche trug.

Ein Schatten bewegte sich am Rand ihres Sichtfelds. Sie war nicht alleine hier.

»Hallo?« Ihre Stimme krächzte. Sie musste sich räuspern, sonst hätte sie sich an ihrem eigenen Speichel verschluckt.

Keine Antwort. Etwas klirrte. Etwas Großes, Schweres.

Ketten, die über den Boden geschleift wurden.

Vickys Puls raste. Wo auch immer sie war, das hier würde nicht gut für sie enden. Gar nicht gut.

»Wer sind Sie? Sagen Sie mir, wo ich bin! Bitte …«

Schweigen. Schleifen. Klirren. Schritte kamen auf sie zu. Aber wie sie den Kopf auch drehte, sie konnte nicht erkennen, wer da war. Sie wollte sich auf den Rücken drehen. Aber in dem Augenblick drückte sie jemand grob zurück auf den Boden, indem er ihr das Knie ins Kreuz rammte, und fummelte an den Handschellen herum. Dann verschwand der Druck in ihrem Kreuz und ihre Hände waren frei.

Erleichtert atmete Vicky auf.

Doch nicht so schlimm. Bestimmt ein Missverständnis. War sie hier bei der Polizei? In einer Ausnüchterungszelle? Sie konnte sich nicht daran erinnern, betrunken gewesen zu sein. Die letzten paar Stunden waren allerdings weg. Wie bei einem Filmriss. Und sie fühlte sich verkatert. Wieso konnte sie sich nicht einmal mehr daran erinnern, etwas getrunken zu haben? So heftig war es noch nie gewesen.

Sie wollte sich erneut umdrehen. »Hören Sie, ich -«

Jemand stieß ihr wieder ein Knie in den Rücken. Vicky blieb die Luft weg. Beinahe hätte sie sich vor Schmerzen übergeben.

Der Unbekannte packte sie an den Haaren, riss ihren Kopf nach oben und knallte ihn auf den Fliesenboden. Schmerzen rasten hinter ihrer Stirn.

Vicky schrie. Sie wollte nicht schreien. Lieber wollte sie stark sein. Ihrem Gegner trotzig die Stirn bieten. Aber es gelang ihr nicht.

Sie war nicht das erste Mal in einer heiklen Situation. Hin und wieder drehten Freier durch. Aber das hier war anders. Dieser sterile Ort. Das Licht. Die Brutalität – ohne ein einziges Wort.

Das alles machte ihr riesige Angst.

Wieder schleuderte der Unbekannte sie mit der Stirn gegen die Fliesen.

Er wollte sie betäuben.

Vicky unterdrückte mit aller Willenskraft die Schmerzen, die von ihrer Stirn über ihren Schädel bis ins Rückgrat heiß durch ihren Körper wüteten, und erschlaffte. Blut lief ihr über die Stirn. Das war ihre einzige Chance. Die Augen schließen und so tun, als wäre sie bereits bewusstlos. Was auch immer hier mit ihr geschehen sollte – sie war sich inzwischen sicher, dass es um Leben oder Tod ging. Ihren Tod.

Wenn der Entführer glaubte, sie sei bewusstlos, dann würde er sie vielleicht liegen lassen. Die Handschellen hatte er ja schon gelöst.

Er drehte sie auf den Rücken. Vicky ließ den Kiefer locker nach unten gleiten und hielt die Augen weiter geschlossen. Sie atmete so ruhig, wie sie nur konnte.

Sie hörte, dass ihr Peiniger aufstand und ein paar Schritte zurücktrat.

Sollte sie loslaufen?

Gleich darauf vernahm sie das Rascheln von schwerem Stoff.

Sie öffnete ihre Augen zu einem kleinen Spalt.

Breitbeinig stand die Gestalt über ihr. Schlank, mittelgroß, schwarze Jeans, schwarzer Pullover, mit einer schwarzen Sturmhaube über dem Kopf. Unmöglich zu sagen, ob es sich um einen drahtigen Mann oder eine muskulöse Frau handelte.

Die Gestalt hielt eine Zwangsjacke in den Händen. Daher das Rascheln.

Ihr Peiniger musste ein Mann sein. Nur Kerle kamen auf so einen perversen Scheiß.

Der Maskierte packte Vickys rechten Arm. Ganz offensichtlich wollte er ihn in die Zwangsjacke stopfen. Das durfte nicht passieren. Steckte sie erst einmal in dem Ding, war sie wehrlos.

Jetzt oder nie!

Mit aller Kraft riss sie ihr Bein hoch und zielte auf den Schritt der Gestalt. Egal ob Mann oder Frau, das würde wehtun.

Ein unterdrücktes Stöhnen drang unter der Maske hervor. Die Gestalt sank auf die Knie und ließ die Zwangsjacke fallen. Sie musste sich mit beiden Händen abstützen, um nicht mit dem Kopf auf dem Boden aufzuschlagen.

Fieberhaft streifte Vicky den rechten Pumps vom Fuß, holte damit aus und zielte mit dem Pfennigabsatz auf den Hals des Maskierten. Im letzten Augenblick erkannte er, was sie vorhatte, und wich aus. Vicky traf nur die Schulter.

Ein heiserer Schrei. Ihr Angreifer knallte neben ihr auf den Boden und hielt sich die verletzte Stelle.

Vicky krabbelte von ihm weg und streifte den zweiten Pumps ab. Für einen Augenblick dachte sie daran, mit dem Schuh einen zweiten Angriff zu versuchen. Aber jetzt, da ihr Gegner stöhnend vor ihr auf dem Boden kauerte, konnte sie sich nicht dazu überwinden. Stattdessen stemmte sie sich hoch und rannte mit nichts weiter als den Fischnetzstrumpfhosen an den Füßen los.

Rechts – nicht weit weg – sah sie eine Tür. Sie war groß, aus Metall und wahrscheinlich sehr schwer.

Hoffentlich war sie nicht verschlossen.

Vicky warf einen Blick hinter sich. Ihr Peiniger stand wieder auf. Schwankte noch. Aber es war bestimmt nur eine Frage von Sekunden, bestenfalls Minuten, bis er wieder fit war. Verdammt. Sie hatte gehofft, dass ihr Entführer noch eine Weile außer Gefecht sein würde. Nun bereute sie es, dass sie ihm nicht den Rest gegeben hatte. Aber jetzt war es zu spät.

Sie wagte es nicht, sich noch einmal umzudrehen, stürmte los, packte mit beiden Händen den Griff und zog.

Die Tür glitt erstaunlich leicht auf.

Vicky rannte weiter. Ihre fast nackten Sohlen platschten über Granitboden.

Vor ihr lag eine dunkle Halle. Am anderen Ende sah sie etwas, worauf sie gehofft hatte: ein weit geöffnetes Tor, durch das sie den Schnee im Mondlicht schimmern sehen konnte.

Es war noch Nacht. Also war sie nicht lange bewusstlos gewesen. Eine Handvoll Stunden. Höchstens.

Aber das spielte jetzt keine Rolle. Erst musste sie dafür sorgen, dass sie überlebte, dann konnte sie versuchen, sich auf die Geschichte einen Reim zu machen.

Der Boden war rau und schnitt mit jedem Schritt in ihre ungeschützten Fußsohlen. Sie sprintete trotzdem, was das Zeug hielt.

Als sie etwas mehr als die Hälfte geschafft hatte, wagte sie einen Blick hinter sich.

Nichts zu sehen. Die Gestalt verfolgte sie nicht. Die Tür, hinter der der geflieste Raum lag, war weit geöffnet, ein grelles Loch im Dunkeln der Halle.

Obwohl Vicky vor Anstrengung keuchte und ihr Herz in ihrem Brustkorb hämmerte, musste sie kichern. Was auch immer das perverse Arschloch vorgehabt hatte – sie hatte ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Vickys Beine versanken bis zu den Waden im Schnee. Sie war draußen. Entkommen. Sie hatte es geschafft!

Dann sah sie sich genauer um. Weit und breit keine Menschenseele.

Niemand. Nichts.

Hier war gar nichts. Nur schneebedecktes Feld bis zum Horizont. Keine Lichter der Großstadt oder von irgendeinem Dorf oder wenigstens von einem verdammten Haus.

»Das darf nicht wahr sein«, flüsterte sie verzweifelt.

Vicky drehte sich im Kreis und starrte in den Himmel. Dichte Wolken schoben sich vor den Mond. Sie zitterte. Ihre verschwitzten Haare klebten auf ihrer Stirn. Ihr wurde kalt. Nicht gut. Sie musste in Bewegung bleiben. Sie stapfte los.

Hier musste ein Fahrzeug sein. Mit irgendetwas musste der Entführer sie schließlich hergebracht haben. Wo war seine verdammte Karre?

Sie bog um die Ecke des Gebäudes und erkannte einen Weg. Er führte über das Feld bis zur Halle. Kurz vor dem Grundstück stand ein silbergrauer Tiguan.

Schnell war sie bei ihm. Mit bebenden Fingern zog sie an dem Griff der Autotür. Nicht abgeschlossen! Super!

Sie setzte sich hinter das Lenkrad und zog die Tür zu. Geschafft. Hier drin war sie sicher. Für ein paar Sekunden gönnte sie es sich, die Augen zu schließen und durchzuatmen.

Und jetzt weg hier. Sie langte neben das Lenkrad.

Kein Schlüssel.

Nein, nein, nein. So durfte das nicht enden.

Konnte sie den Wagen kurzschließen? In Filmen sah das immer so einfach aus. Aber sie hatte nicht die geringste Ahnung, wie das funktionierte. Und kein Handy, um das zu googeln. Bestimmt konnte man das googeln. Wenn sie nur ihr Handy hätte.

Ihr Handy war in ihrer Handtasche. Irgendwo mussten doch ihre Sachen geblieben sein. Vielleicht hatte sie ja mal Glück.

Vicky beugte ich runter zum dunklen Fußraum des Beifahrersitzes und tastete ihn ab.

Tatsächlich. Ihre Handtasche.

Selbst wenn sie das Kurzschließen eines Autos nicht googeln konnte, konnte sie auf jeden Fall erst einmal Hilfe rufen.

Sie drückte ihre Handtasche an sich und wühlte darin. Lippenstifte, Pfefferspray, Schminkspiegel, Geldbörse, alte Kassenzettel, Kondome, Schlüssel … Wo war nur das verflixte Handy? Wieso nur konnte sie keine Ordnung halten?

Die Tür vom Wagen wurde aufgerissen.

Vicky packte die Dose mit dem Pfefferspray. Doch bevor sie es benutzen konnte, knirschte ihre Nase markerschütternd. Der Faustschlag ließ in ihrem Gesicht eine Supernova aus Schmerzen explodieren.

Wie aus weiter Ferne hörte sie ihr eigenes Wimmern. Es klang fremd. Der Kerl schleifte sie zurück zu dem Raum mit dem riesigen, kugelförmigen Wasserbecken. Ihre Haut wurde aufgeschürft. Sie blutete aus der Nase, durch die sie keine Luft mehr bekam.

»Wieso tötest du mich nicht gleich hier, Arschloch?«

Keine Antwort.

Sie platschte wieder auf den Fliesenboden.

Vicky atmete durch den Mund tief ein. So tief, wie sie konnte. Es musste ihr gelingen, die Panik niederzukämpfen und neue Kraft zu sammeln, um ihn noch einmal anzugreifen.

Sie würde ihm die Augen auskratzen. Dazu brauchte sie nicht viel Kraft. Das bekam sie noch hin. Er würde nicht damit rechnen, weil er bestimmt glaubte, sie bereits gebrochen zu haben.

Die maskierte Gestalt beugte sich über sie, um einen weiteren Versuch zu unternehmen, sie in die Zwangsjacke zu stopfen.

Vicky riss beide Hände hoch und formte sie zu Krallen. Aber er war schneller als sie, wehrte sie ab, ihre langen Fingernägel verfingen sich in der Sturmhaube. Sie klammerte sich fest. Ihr Angreifer wand sich, aber sie ließ nicht locker. Fingernägel knickten ab.

Plötzlich hielt sie die Mütze in der Hand.

»Was? Du?«, flüsterte Vicky.

ENDE DER LESEPROBE

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