4 Gründe, wieso ich mich (noch) gegen den Selbstverlag entscheide

Selfpublishing ist zur Zeit der Trend. Wie Richard Norden an dieser Stelle in seinem hervorragenden Gastartikel Buchmarketing für Romanautoren ausführlich und kompetent dargestellt hat, war es für einen Autor noch nie zuvor so leicht, sein Buch selbst herauszubringen und einem potenziellen Millionenpublikum vorzustellen, im Selbstverlag als E-Book, auf Amazon oder anderen Plattformen im Internet.

Bei der Lektüre von Richards Artikel habe ich mich nicht zum ersten Mal gefragt, ob ich meine Romane nicht selbst als E-Books veröffentlichen sollte. Um ehrlich zu sein, stellt diese Frage einen nahezu täglichen Kampf dar.

Wie Kerstin Brömer hier sehr schön darstellt, sprechen viele gute Gründe dafür, selbst, z.B. auf Amazon, zu publizieren.

Für mich am reizvollsten: Ich hätte die absolute kreative Kontrolle über die Gestaltung und das Marketing meines Werks, könnte den Preis nach meinen Vorstellungen gestalten (und damit auch über meine Einnahmen selbst entscheiden) und ersparte mir die Rosstour durch Literaturagenturen und die Verlagswelt.

Trotzdem habe ich mich bisher dagegen entschieden – und zwar aus folgenden Gründen:

1. Ich bin kein Cover-Designer

So seltsam es im ersten Moment klingen mag: Buchcover sind für Kindle-Bücher und andere E-Books wichtiger als für gedruckte Bücher. Und das, obwohl man sie beim Lesen auf einem E-Book-Reader wie dem Kindle kaum zu Gesicht bekommt.

Im Laden kann der Kunde ein Buch in die Hand nehmen und über andere Sinne als nur das Auge wahrnehmen. Es macht unter Umständen Eindruck, ein Buch mit einem Stapel aus Dutzenden Exemplaren zu sehen. Allein das weckt bei vielen Aufmerksamkeit, sonst würden Buchhändler das ja nicht machen.

In einem Online-Shop wie Amazon bleibt für den Erstkontakt meistens nur das Cover. Und das Cover gibt dem Leser ein Versprechen (“Hey, nimm mich, ich bin ein professionell geschriebener Thriller, der dich garantiert die ganze Nacht mit einer extrem spannenden Story wach halten wird. Ehrlich!”).

Ein solches oder ähnliches Versprechen sollte ein Cover gegeben. Dafür fühle ich mich nur leidlich kompetent. Ich halte mich zwar für jemanden, der von Design durchaus etwas Ahnung hat, würde mich aber auf keinen Fall als Profi bezeichnen.

Im Endeffekt bedeutet dies, dass ich entweder mit einem im besten Fall mittelmäßigen selbst erstellten Cover für meine Romane leben müsste oder für viel Geld einen Profi engagieren müsste, der mir ein Cover gestaltet. Das Geld für den Profi müsste ich durch die Verkäufe erst einmal wieder reinbekommen. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass das für mich ein Verlustgeschäft wird.

Ich erwarte nicht unbedingt vom Schreiben reich zu werden. Aber draufzahlen will ich auch nicht.

2. Ich bin kein Marketingmensch

Ich hasse es, mich selbst anzupreisen. Ich weiß, ich weiß, keine gute Voraussetzung in der heutigen Zeit, aber so bin ich nun einmal. Ich kann durchaus über meinen Schatten springen, wenn es drauf ankommt, aber trotzdem ist es nicht unbedingt meine Lieblingsbeschäftigung, mit meinen eigenen Werken hausieren zu gehen.

Und der Weg, sein Buch im Online-Shop gut zu platzieren, ist ein steiniger und langwieriger, wie beispielsweise dieser Erfahrungsbericht im Litreraturcafé zeigt.

Marketing bedeutet ja auch, ein Buch entsprechend platzieren zu können, damit es seine Leser findet. Wer genau ist meine Zielgruppe? Genügt mein Text den Ansprüchen dieser Gruppe auch in jedem Detail? Wie spreche ich diese Zielgruppe am besten an?

Alles Fragen, die Agenten und Verlagsmitarbeiter als Profis im Handumdrehen beantworten (und entsprechende handeln) können. Ich hingegen, kann das alles so ohne Weiteres nicht.

3. Ich schreibe einfach gerne

Was mich an dieser ganzen Romane-Schreiben-Geschichte so begeistert, ist vor allem das Schreiben (überrascht?). Natürlich möchte ich, dass mein Geschriebenes auch gelesen wird. Doch meine Hauptmotivation ist tatsächlich, dass ich einfach gerne schreibe. Unglaublich, aber wahr.

Und eben weil ich so gerne schreibe, habe ich natürlich immer viel zu wenig Zeit zum Schreiben. Ginge es nach mir, könnte ich meine Tage damit füllen, vor dem Laptop zu sitzen und an Romanen zu basteln. Zum Glück hält das Leben noch ein paar andere Herausforderungen für mich bereit, sonst würde ich wohl einsam vor der Tastatur versauern.

Kurzum: Es ist ein täglicher Kampf, sich die Zeit zum Schreiben freizuschaufeln.

Einen Roman zu editieren, zu veröffentlichen und zu bewerben ist ein Vollzeitjob, für den kluge, gebildete und erfahrene Menschen aus guten Gründen bezahlt werden. Jede Minute, die ich darauf verwende, mein Buch für eine elektronische oder Print-On-Demand-Veröffentlichung vorzubereiten, Cover zu erstellen, es in online Shops zu bringen und dann auch noch zu bewerben, würde schmerzlich von meiner Schreibzeit abgehen.

4. Ich bin selbst mein schlechtester Kritiker

Der für mich entscheidende Faktor. John Locke beispielsweise hat ja seine Romane selbst auf Amazon publiziert, weil er sich von der Verlagswelt missverstanden und abgelehnt fühlt.

Agenturen und Verlage erfüllen die Funktion von Torwächtern, die einerseits einen Qualitätsmaßstab setzen und andererseits Romane kategorisieren können, damit Leser es einfacher haben, sich zu orientieren.

Vielleicht bin ich noch nicht frustriert genug. Vielleicht sehe ich das in eine paar Jahren nach erfolgloser Verlagssuche anders. Aber noch finde ich diese Funktion von Verlagen gar nicht schlecht.

In langen Jahren voller harter Arbeit an meinen Schreibfähigkeiten habe ich gelernt, dass ich selbst mein schlechtester Lektor bin. Natürlich gebe ich mir Mühe, meine Texte zu überarbeiten. Trotzdem stelle ich jedes Mal, wenn ein Manuskript von einer Testleserin oder einem Testleser zurück kommt, fest, wie viele peinliche Fehler, Stilblüten oder auch inhaltliche Ungereimtheiten mir trotz intensiver Bemühungen noch entgangen sind.

Vor allem habe ich festgestellt, wie massiv sich meine Progression als Autor bemerkbar macht. Wenn ich mir Texte, die ein oder zwei Jahre alt sind, noch einmal vornehme, versinke ich teilweise vor Scham im Boden.

Unter Umständen ist es also vielleicht auch gar nicht so verkehrt, wenn Literaturagenten und Verlage mich davor bewahren, meine Texte vorschnell zu veröffentlichen, bevor sie auch tatsächlich für das Licht der Öffentlichkeit reif sind.

Anders herum kann es auch durchaus sein, dass ich viel zu lange mit einer Veröffentlichung warte, weil ich meine Texte unterschätze. Vielleicht sind sie ja viel besser, als ich denke.

Begeisterte Testleser im Kreis der Verwandten und Bekannten sind schlechte Ratgeber. Meistens schlägt dort der “Ich hätte nie gedacht, dass du so was kannst.”-Effekt zu buche. So schön es auch ist, von seinen Lieben Anerkennung zu erfahren – als Maßstab für die eigene Qualität taugt dieses Feedback nur bedingt.

Auch mehr oder weniger professionelle Schreibgruppen eignen sich wenig, um herauszufinden, ob man reif für eine Veröffentlichung ist oder nicht.

Erstens sitzen dort meistens auch Autoren, die ungefähr auf dem gleichen Niveaus sind wie man selbst (klar, ich würde gerne in einer Schreibgruppe mit, sagen wir, Sebastian Fitzek, Andreas Eschbach, Nele Neuhaus und Markus Heitz sitzen. Aber die haben so verflixt wenig Zeit …). Das ist nicht unbedingt schlecht, hilft aber nicht entscheidend weiter, wenn es darum geht zu beurteilen, ob ein Text für die Veröffentlichung bereit ist oder nicht.

Hierfür halte ich professionelle Literaturagenturen und Verlagslektoren immer noch am kompetentesten. Logisch.

Mag sein, dass auch Lektoren irren. Vielleicht werde ich anders denken, wenn mein zehntes Manuskript von der hundertsten Agentur abgelehnt wurde. Aber an diesem Punkt bin ich (gottlob) noch nicht.

Was sind deine Erfahrungen und Gedanken? Veröffentlichst du schon im Selbstverlag? Hast du dich bei Agenturen und/oder Verlagen bereits beworben?

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24 Gedanken zu “4 Gründe, wieso ich mich (noch) gegen den Selbstverlag entscheide

  1. Inhaltlich sehr starker Artikel, rational vorgetragen. Das sage ich natürlich, weil ich in allen 4 Punkten zustimmen kann und sie absolut nachvollziehbar finde.
    Ich bin ja noch in der schönsten, in der Entstehungsphase. Ich kann, ganz naiv, einfach nur schreiben. Ich verfolge die sich bietenden Möglichkeiten der Veröffentlichung mit Interesse, will es aber nicht zu nahe an mich heranlassen. Mal sehen, was noch so kommt.
    LG

      1. Das ist bei mir genauso. Ich möchte auch erst einmal in Ruhe schreiben. Ich habe mich zwar schon ein wenig umgesehen (z.B. bei http://www.frieling.de oder Information rund um das Selfpublishing gesammelt), möchte mich allerdings noch nicht festlegen.

  2. Bin ganz deiner Meinung und unterstütze jeden der vier Gründe.

    Am wenigsten ins Gewicht fällt für mich dabei das Coverproblem. Ist relativ einfach lösbar (Auftrag an professionelle(n) GrafikerIn meines Vertrauens). Am schwersten wiegt das Sich-verkaufen-müssen. Ich hasse es! Kann es nicht. Will es nicht.

    Solange ich also daran glaube, bei einem offiziellen, seriösen Verlag veröffentlicht zu werden, ziehe ich diesen Weg vor. Sollte ich zum Schluss kommen, dass ich für meine Texte nie einen Verlag finden werde, werde ich allerdings kaum den Weg über den Selbstverlag gehen.

    Oder doch? Ich hoffe, ich muss mir die Frage nie ernsthaft stellen.

    1. Nun ja, klar kann man für das Cover einen Profi engagieren. Muss man und würde ich im Zweifelsfall auch. Aber gute Leute kosten da halt Geld. Und obwohl ich mir keine Illusionen darüber mache, mit dem Schreiben reich zu werden, betrachte ich diese Tätigkeit auch nicht als Zuschussprojekt.

      Nun ja, was das “Sich-verkaufen-müssen” angeht: Ganz so schlimm ist mein Widerwillen dagegen nicht. Ich bin durchaus dazu in der Lage, auch Begeisterung für meine Werke zu wecken, wenn es drauf ankommt (auch wenn’ schwerfällt). Schwerwiegender finde ich hier den zweiten Punkt meiner Argumentation: Ich muss mich auskennen, um mein Buch und Werbung dafür zu präsentieren. Wer genau ist meine Zielgruppe? Wie muss ich mein Buch platzieren, dass es von ihr wahrgenommen wird? Und wie muss mein Buch noch überarbeitet werden, damit sie den Bedürfnissen meiner Zielgruppe auch entspricht. In Verlagen arbeiten da Leute, die sich mit so was sehr gut auskennen. Ich bin da ein Stümper ohne das entsprechende Know How, der im Trüben fischen muss.

      Lediglich im letzten Punkt würde ich dir widersprechen. Ich kann mir schon vorstellen, dass irgendwann der Punkt erreicht sein könnte, an dem ich mich zum Selfpublishing durchringe. Eine Alternative ist es in meinen Augen schon. Nur denke ich halt (noch) nicht, dass es die bessere ist.

  3. Vor vielen, vielen Jahren habe ich ein Buch über das Publizieren gelesen (das war eine Zeit, als es das World Wide Web noch nicht gab und kein Mensch daran dachte, dass Bücher mal elektronisch erscheinen). Hatte damals daran gedacht, Rollenspielkram im Selbstverlag zu veröffentlichen. Tenor des Buches: Entweder man schreibt oder man publiziert. Versucht man beides, wird das Schreiben oder das Publizieren leiden. Ich denke, das gilt auch noch heute.

  4. Cover und Lektorat kann man kaufen, das machen Verlage auch nicht anders. Bezahlen muss der Autor auch beides, nur nicht vorab, sondern in Form des Honoraranteils, den der Verlag für sich behält. Marketing muss auch der Verlagsautor betreiben, wenn er Erfolg will. Die Verlage vermarkten längst nur noch ihre Spitzentitel aktiv. Bleibt also Punkt 3. Ob der im Verlag besser erfüllt wird? Da unterschätzt du den Prozess der Verlagssuche. Exposés schreiben etc.

    1. Zu deinem ersten Argument: Sehr richtig, allerdings ist es ja hier gerade die Aufgabe eines Agenten, das alles bei der Vertragsaushandlung zu berücksichtigen. Es ist schon ein Unterschied, ob ich die Kohle aus eigener Tasche vorstrecken muss oder ob sie ein Teil der Gesamtkalkulation ist.

      Mir ist auch bekannt, dass jeder Autor auch aktiv werden muss, um sein Buch zu vermarkten. Aber auch hier ist der Unterschied, ob ich das auf gut Glück alleine mache oder ob ich kompetente Ansprechpartner habe (Verlagsmitarbeiter, Agenten), die einem dabei behilflich sind.

      Bleibt der letzte Punkt: Ich würde auch nie behaupten, dass es weniger Arbeit ist, einen Verlag zu suchen, als ein Buch selbst zu publizieren.

      1. Auch der Agent macht seine Arbeit nicht umsonst… Aber klar, der Hauptunterschied zwischen Self Publishing und Verlag besteht darin, dass dir der Verlag einen zinslosen Kredit gewährt auf die Kosten, die er vorschießt. Den musst du zwar nicht zurückzahlen, wenn dein Buch sich nicht verkauft, aber die Wahrscheinlichkeit, dass der Verlag das dann mit einem zweiten Buch wiederholt, ist eher gering. Für diesen Kredit musst du im Gegenzug bereit sein, auf einen großen Teil des Honorars zu verzichten. Dein Risiko sinkt mit einem Verlag, gleichzeitig sinkt der Gewinn. Jetzt mal ideelle Gesichtspunkte außer Acht lassend, die einem Menschen ja auch wichtig sein können, also von einem “großen Verlag” publiziert worden zu sein. Self Publishing hat ja immer noch den Geruch des “letzten Versuchs”. Schief laufen kann im Verlag genausoviel wie im Self Publishing. Du gerätst an einen Lektor, der nicht zu dir passt (kannst ihn ja nicht selbst aussuchen), der Vertrieb will dein Buch unbedingt in die Softporno-Schiene bringen, weil “Shades” gerade so gut läuft, obwohl du eher einen Erwachsenen-Thriller schreiben wolltest, das Cover muss ähnlich aussehen wie der Erfolgstitel, der gerade im Spiegel auf Platz 1 ist usw. Vorteil des Verlags ist, dass dein Buch wirklich in den meisten Buchläden im Regal steht, das erreicht ein Self Publisher derzeit noch nicht, und es vergrößert die Reichweite. Insgesamt würde ich eher pragmatisch vorgehen – findet sich in annehmbarer Zeit kein Verlag zu guten Bedingungen (dazu gehört z.B. auch ein ordentlicher Vorschuss – die Vorschüsse gehen aber in den letzten Jahren auch nur nach unten), dann eher früher als später das Buch eben selbst herausbringen.

  5. Schon erstaunlich, dass unveröffentlichte Autoren (in deinem Fall gar ein technik-affiner Sciene-Fiction-Autor) auf das Selbstpublizieren verzichten. Ich gehe mal knapp auf die einzelnen Punkte ein:

    1. Das Cover ist das wohl geringste Problem. Natürlich soll es so gut wie möglich sein – und möglich ist es in jedem Fall, ein halbwegs zum Thema passendes Bild als spektakulären Hintergrund für Buchtitel und Autorenname her zu nehmen. Man kann ja jederzeit nachbessern.

    2. Dafür, dass du kein Marketingmensch bist, machst du es erstaunlich gut. Allerdings hinsichtlich eines Selbstpublizierens, während das geschaffene Image für das Verlegtwerden bei einem renommierten Buchverlag ziemlich kontraproduktiv ist.

    3. Dieses Blog und die Postcasts machen bereits eine beinahe perfekte Vermarktung möglich – viel mehr ist nicht unbedingt nötig. Potentielle Buchkäufer müssen einen Autoren kennen, um ihm eine Chance geben zu können – und da hast du mit diesem Blog eine ideale Basis errichtet, während Buchverlage bei der Vermarktung neuer Autoren keinerlei Anstrengungen unternehmen (können).

    4. Lektoren sind heute Verlagsmanager – das Aufbauen von Autoren und Entwickeln von Buchprojekten sind Mythen aus längst vergangenen Zeiten. Agenten verkaufen das, was was sich verkaufen lässt. In dieser Hinsicht sollte man als Newcomer von den Profis gar nichts erwarten.

    Wunderbar, wenn man Testleser hat, die dem Zielpublikum, jedoch NICHT einem wohlwollenden Bekanntenkreis angehören. Wenn die mit dem Geschriebenen zufrieden sind, ist das Werk es wert, bei Amazon hoch geladen zu werden.

    -

    Insgesamt meine ich, dass man den eigenen Anspruch an das Selbstgeschriebene nicht allzu hoch hängen sollte. Letztlich kommt es doch nur darauf an, die Erwartungen seiner Leser zu erfüllen. Frau James hat das sogar mit Schrott geschafft (ich hab nur den ersten Roman gelesen).

  6. Ich kann alle Argumente hier sehr gut nachvollziehen. Es gibt sowohl Gründe, die für eine Verlagsveröffentlichung sprechen, als auch Gründe, die fürs Self-Publishing sprechen. Die wichtigsten wurden schon im Artikel und in den Kommentaren genannt. Ich sehe das auch wie Matthias Matting: Nicht zu viel Zeit mit der Verlagssuche verplempern. Wenn man ein gutes Buch hat, lieber früher als später den Versuch als Indie-Autor wagen.

    Ich hoffe, dass sich das Stigma des Self-Publishings weiter auflöst. Momentan ist es vor allem die Branche selbst, die es verteufelt. Klar, Verlage müssen ihr Geschäftsmodell schützen, ebenso Literaturagenturen. Die haben (in der Regel) kein Interesse daran, dass Self-Publishing eine echte Alternative wird.

    Ich selbst möchte am liebsten ein Hybrid-Modell verwirklichen: Einige Bücher über einen (großen) Verlag veröffentlichen, andere als Indie. So könnte ich das Beste aus beiden Welten mitnehmen. Dazu müsste aber beispielsweise ein Verlagsvertrag auch so gestaltet sein, dass er mich in meiner Karriere nicht einschränkt und mir mir nicht zu viele Wege verbaut. Ich müsste also das Recht haben, parallel Bücher als Indie herauszubringen. Und zwar sowohl im gleichen Genre als auch in einem anderen Genre. Es gibt Verträge, die einem solch wesentlichen Rechte nehmen. Einen solchen Vertrag würde ich nicht unterzeichnen, auch wenn der Verlag groß und toll ist und die anderen Konditionen (zum Beispiel Vorschuss) stimmen. Denn die Branche ist im Umbruch. So wie einige Buchhandlungen und Buchhandlungsketten sterben werden, werden auch einige Verlage in Zukunft Teile ihrer Marktmacht einbüßen. Und natürlich möchte ich auch mit einigen Werken die wesentlich besseren Tantiemenmodelle des Self-Publishing ausreizen. Ich habe auch keine Angst vor der Zusatzarbeit, die dahinter steht, etwa beim Marketing, beim Formatieren, beim Unterbringen in die diversen Online-Shops.

    Warum ich dann überhaupt über einen Verlag veröffentlichen will? Um erstens auch ein paar Werke in den Buchhandlungen zu haben, sodass mehr Leser mich entdecken können. Und zweitens um zu beweisen, dass die Bücher so gut sind, dass sie auch das alte Gatekeeper-Modell passieren.

    Für die selbst herausgebrachten Bücher würde ich das Cover nicht selbst machen wollen. Ein professionelles, exklusives Cover ist durchaus erschwinglich und schon für 200 Euro zu haben. Mit ein paar Extrarunden und einem richtig guten Grafiker mögen es vielleicht mal 400 Euro werden. Das finde ich absolut in Ordnung, denn das Cover ist, wie du schon schriebst, unglaublich wichtig für den Verkauf. Ein Lektorat ist ungleich teurer, das ist wahr, aber das sollte man sich auf keinen Fall sparen. Denn ein Indie-Autor, der das Stigma des Self-Publishings einreißen will, muss ein professionelles Werk abliefern. Ich ärgere mich über die schnell runtergetippten, halbgaren Ergüsse, die die Vorurteile gegenüber dem Self-Publishing bestätigen.

    Aber das ist für mich alles noch Zukunftsmusik. Ich arbeite noch an dem Roman, mit dem ich erstmals an den Markt gehen will. Wie ich letztlich damit verfahre, habe ich noch nicht entschieden, ob ich ihn also Verlagen/Literaturen anbiete oder gleich selbst einen Lektor engagiere und das Werk selbst herausbringe. Bis ich fertig bin, dauert es noch etwas und bis dahin hat sich in der sich so schnell verändernden Branche sicher schon wieder viel bewegt. Momentan tendiere ich dazu, die ersten zwei, drei Bücher selbst herauszubringen und dann eine Serie zu starten, mit der ich versuche, einen Verlagsvertrag zu bekommen. Aber das ist nicht in Stein gemeißelt.

  7. Hallo Marcus,
    es sind genau diese Argumente, die mich dazu getrieben haben, den Weg des Selbstpublizierens zu gehen :-) Meine größte Angst war immer: “Bin ich gut genug”. Sechs Jahre lang bin ich dieser Frage nachgegangen. Nein, ich bin nie gut genug, wenn es nach meiner persönlichen Meinung geht. Deshalb der Weg zu einem professionellen Lektorat, dass mir hilft die Geschichte sauber zu überarbeiten. Wenn es nach mir ginge, würde ich nie aufhören meine Geschichten zu überarbeiten. Der wichtigste Grund für mich, den Weg der Selbstpublizierung zu gehen war die Zeit. Ich kann mich in meinem anstrengenden, in kein Zeitschema passenden Job, auch noch für Roadshows oder Marketing freischaufeln, was ein Verlag verlangen würde. Außerdem erwarten Verlage, dass wir eine “Social” Plattform als Autoren haben, denn das hilft neue Autoren zu vermarkten.
    Für das Cover einen Profi, für den Text das Lektorat (was für mich am schwersten zu finden ist – denn er muss ehrlich zu dir sein – du musst seine Kritik vertragen – bereit sein zu ändern und Änderungen zulassen). Beides kostet Geld, weshalb ich bisher auch nur einen Roman veröffentlicht habe.
    Aber wie sagt es mein Mann so schön, auch bei unserem Unternehmen, musste wir erst viel Geld investieren, damit wir erfolgreich sein konnten. Wenn Du selbst nicht an dich glaubst – warum sollte jemand anderes an dich glauben und bereit sein Geld zu investieren?
    Schön deine Blogpost zu lesen, das sehe ich mich ständig selbst vor Augen geführt. Allerdings fehlt mir die Struktur, aber das lerne ich auch noch von Dir ;-)
    Kerstin

    1. Hey, Kerstin, vielen Dank für diesen aufschlussreichen und ausführlichen Kommentar. Wie schon im Artikel angedeutet: Noch entscheide ich mich gegen den Selbstverlag. Wie meine Haltung dazu in sechs Jahren sein wird … Keine Ahnung. So ganz prinzipiell bin ich Self-Publishing nicht abgeneigt – von den oben aufgeführten Gründen einmal abgesehen.

  8. Ich bin auch – noch – am Schreiben, aber irgendwann wird diese Entscheidung fällig. Deine Gründe gegen selfpublishing kann ich alle gut nachvollziehen. Beim letzten jedoch würde ich einwenden, dass ich feststelle, dass KollegInnen gute Manuskripte haben, die aber kein Verlag nimmt, weil sie nicht ins Schema passen: Histos aus der falschen Zeit, SciFi in einer Kombination, die gerade nicht im “Trend” liegt, usw. Wenn jemand dann von mehreren Agenten oder Verlagen hört, das Buch sei ja ok, aber aus einem dieser genannten Gründe nicht vermarktbar, wäre das für mich der Moment, wo es eine echte Alternative wäre, das Buch selbst zu verlegen, wenn mir daran gelegen ist, mein Geschriebenes auch anderen zugänglich zu machen.

    Ich persönlich hoffe, dass ich es trotzdem schaffe, jemanden zu finden, der verlegt und verkauft, was ich schreibe, da ich im Ausland lebe und etliche Dinge für mich sehr kompliziert wären – angefangen beim Erhalten und Versenden von Rezensionsexemplaren bis hin zu Lesungen.

    Dein Blog gefällt mir – ich bin über NaNo in diesem Jahr darauf gestoßen.

  9. Hallo zusammen,

    die wichtigste Frage in meinen Augen: welche Absicht verfolge ich mit einer Veröffentlichung? Wenn ich mir darüber im Klaren bin, fällt die Entscheidung des Vertriebsweges wohl leichter. Will ich in absehbarer Zeit als professioneller Autor oder eher als Amateur- und Gelegenheitsschreiber arbeiten und veröffentlichen?
    Im Ersten Falle stellt sich meines Erachtens garnicht die Frage welchen Vertriebsweg ich persönlich einschlagen werde, sofern ich nicht Workoholik und Tausendsassa bin. Denn mir muss als Profiautor klar sein, dass ich mich um den Vertrieb nicht alleine kümmern kann und darf. Nur so kann ich mich 100%ig auf das Schreiben konzentrieren. Und nur durch die Hilfe Dritter kann ich gewährleisten, dass der Vertrieb genauso professionell abläuft wie der Schaffensprozess. Und das steht für den Verlagsweg genauso, wie für den Weg über das Self-Publishing. Denn auch hierbei werde ich Unterstützung in Sachen Marketing und Vertrieb benötigen, um professionellen Ansprüchen zu genügen. Wenn ich mir als Autor dessen bewusst für den Weg bereit bin, dann kann ich mir Gedanken über das Für und Wider zu machen. Know-How des Verlages gegen die künstlerische Freiheit abwägen usw.
    Als VÖ-Novize, Autor aus Passion, ambitionierter Amateurautor habe ich wohl nur selten das Glück einen Verlag für mein Werk gewinnen zu können. Und wenn ich nur in Grenzen bereit oder fähig bin Zeit und monetäre Mittel in Self-Marketing zu stecken, dann spielt der Vertrieb nur die zweite Geige nach dem Schreiben selbst. Aus das muss man sich klar machen.
    Gelungenes Self-Marketing wird Zeit und Geld kosten, in jedem Fall. Das allein auf hohem Niveau zu betreiben, ohne das die Arbeit als Autor darunter leidet, ist ein Kunst. Den goldenen Mittelweg zwischen beidem zu finden, wohl nicht minder.

    Liebe Grüße
    Frank

  10. “Self-Marketing vs. Verlag” bedeutet ja nicht “E-Book vs. Print”.
    In den Kommentaren wird da aber in der Regel kein Unterschied gemacht, d.h. Self-Marketing wird mit E-Books gleich gesetzt. Ob das sinnvoll ist oder nicht will ich hier auch garnicht zum Thema machen. Allerdings führt mich das zu einem anderen Gedanken, den man beim Abwägen Pro/Contra Self-Marketing nicht ausser Acht lassen sollte: ein Autor der sich zum Self-Marketing entscheidet, verabschiedet sich heute in der Regel auch vom Konzept Printmedium.
    Ich persönlich habe als Autor noch nichts veröffentlich, habe aber jahrelange Erfahrung mit VÖ und Vertrieb von Musik. Hier ist die Entwicklung hin zu elektronischen, virtuellen Medien ja im Grunde schon abgeschlossen. Hier hat der Downloadmarkt die klassische CD längst hinter sich gelassen. Wer seine Musik selbst vertreibt kann heute getrost auf eine CD-Produktion verzichten, insbesondere wenn er einen Spartengeschmack bedient. Auch Kindle und Co haben eine ähnliche Entwicklung auf dem Buchmarkt längst eingeläutet. Meine Erwartung ist, dass das gedruckte Buch in absehbare Zeit nur noch die zweite Wahl sein wird. Aber NOCH sind wir meines Erachtens nicht an dem Punkt, dass ein professioneller Autor auf gedruckte Publikationen ohne weiteres verzichten kann. Nach meinem Gefühl hat das Umdenken hin zum E-Book das große Publikum (zum Glück?) noch nicht erreicht. Oder schätze ich das falsch ein? Vielleicht hat hier jemand belastbare Erfahrung aus beiden “Welten” sammeln können?

  11. Diese Gründe finde ich jetzt nicht so gravierend. Zu Punkt 1. Man kann sich ja jemanden suchen, der einem sein Cover designed. Bei einem Verlag hat man kaum Mitspracherecht, schon weil die Bücher innerhalb des Verlages zusammen passen sollten und dort auch immer nach Trends geschaut wird. Als Self-publisher kann ich alles alleine bestimmen, von der Schriftart bis hin zu den Farbtönen.
    Zu. 2. Ich preise mich auch nicht gerne selbst an. Hier geht es ja aber auch eigentlich nicht um mich, sondern um mein Buch. Ich glaube da wächst man rein. Ich muss da auch noch etwas mehr aus mir herausgehen.
    Die Zielgruppe hat man im Grunde schon beim Schreiben des Buches festgelegt. An der Art und Weise welche Wörter ich benutze, wie verschachtelt meine Sätze sind etc. zeigt ja schon, ob man für Kinder oder Erwachsene schreibt. Beispielsweise.
    Zu. 3. Da muss ich leider zustimmen. Es ist ein Vollzeitjob, sein eigenes Buch zu schreiben, korrigieren und vermarkten zu wollen. Im Moment geht nur eines nach dem anderen, aber eben sehr langsam. Trotzdem sehe ich Fortschritte!
    Zu 4. Wenn ich eines gelernt habe, dann ist es Geduld. Mit Schnellschüssen kommt man nicht weit.

    Ich selbst möchte mein Buch erst als gedrucktes Buch herausbringen und dann als E-Book herausbringen. Damit es mit Verlagsbüchern mithalten kann, lasse ich es professionell lektorieren. Und weil das Geld kostet möchte ich versuchen das Geld dafür über die Crowdfunding Plattform Startnext zu sammeln. Meine Seite dazu soll am 1. Juni. online gehen.

    1. Um ehrlich zu sein: Mitspracherecht bei einem Cover, wenn es vom Verlag kommt, wäre mir egal. Da würde ich auf den Verlag vertrauen, dass er weiß, was für den Markt wichtig ist.

      Grad neulich habe ich mich sachkundig gemacht, was mich ein Cover vom Profi so kosten würde. Zusammen mit einem Profi-Lektor kommt da eine ordentliche Stange Geld zusammen. Die muss man erst einmal übrig haben und dann auch noch wieder reinkriegen. Wie gesagt, ich schließe dies nicht für alle Zeiten aus, aber zur Zeit erscheint mir das nicht attraktiv.

      Bei 2., 3. und 4. muss ich dir recht geben.

      Vielen Dank für diesen Einblick und viel Erfolg mit deinem Buch.

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