Analysierendes Lesen für Autoren

AnalysierendesLesenfrAutorenWer selbst Romane schreibt, verlässt die Perspektive des reinen Konsumenten und will einen Blick hinter die Kulissen werfen, um den Kniffen seiner Vorbilder und Kollegen auf die Schliche zu kommen. Zumindest geht das mir so. Hier die Dinge, auf die ich beim Lesen besonders achte:

1. Plot

Für mich stets eine wichtige Frage: Wie verläuft die Spannungskurve? Dies lässt sich oft erst am Ende der Lektüre beantworten. Mit der Zeit gewinnt man ein Gefühl für die Muster, nach denen Spannung funktioniert und wie ein Autor sie einsetzt. Eröffnet der Roman gleich mit einem Knaller – oder wird doch eher gemächlich ein Mysterium etabliert?

Welche Muster stecken hinter seinem Plot?

Erkenne ich die Heldenreise? Wenn nicht, welche andere Plotschablone liegt der Geschichte zugrunde? Wie wird sie variiert?

Wo ist der Höhepunkt der Story und wie wird er ausgestaltet? Wo sind die entscheidenden Wendepunkte und was tut der Autor dort?

Ganz wichtige Frage: Ist der Plot eher figuren- oder eher handlungsbezogen?

Wie viele Plots gibt es überhaupt? Kann ich Haupt- und Nebenplots identifizieren? Wie wirken sie zusammen?

2. Figuren

Was tut der Autor, um Figuren einzuführen? Wird viel erzählt? Gibt es Infodump oder charakterisiert der Autor seine Figuren lieber im Dialog? Nutzt der Autor Show don’t tell? Wenn ja, wie stellt er das an?

Wer ist die Perspektivfigur? Gibt es mehrere? Welche Erzählperspektive wird überhaupt verwendet und welche Effekte erzielt der Autor mit ihr?

3. Dialoge

Wie gestaltet der Autor Redebegleitsätze? Gibt es viele davon oder eher wenige? Was geschieht in ihnen? Wird dort auch Handlung gezeigt oder klatscht der Autor einfach nur ein “sagte” hinter die Dialogzeile? Benutzt der Autor andere Verben als “sagte”? Wenn ja, welche und wie wirken sie?

Für mich ganz wichtig: Wie lange dauert es, bis ich erfahre, wer spricht? Eine Stolperfalle für jeden Leser, vor allem beim Vorlesen. Was tut also der Autor, um möglichst schnell und eindeutig klar zu machen, wer wann spricht?

Tut er das nicht – wieso weiß ich trotzdem, wer gerade spricht? Liegt es am Timing oder schafft der Autor es, dass jede Figur eine so individuelle Sprache hat, dass ich sie schon nach wenigen Worten erkenne?

4. Sprache

Mich faszinieren vor allem Autoren, die es schaffen, eine einfache und klare Sprache zu benutzen. Welchen Rhythmus benutzt dann der Autor, damit der Roman sprachlich nicht monoton erscheint?

Autoren, die mit wenigen Worten auskommen, müssen diese besonders treffend wählen. Gelingt dies? Welche Wörter benutzt der Autor? Welche Wirkung wird mit ihnen erzielt?

Nutzt der Autor rhetorische Mittel? Wenn ja (und ich bin mir sicher, er tut es), welche, warum und wie?

Ganz wichtig sind hier für mich Vergleiche und Metaphern. Sind sie originell und trotzdem treffend?

5. Struktur

Wie sind Kapitel eingeteilt? Verfügt der Roman über eher lange oder kurze Kapitel? Welcher Effekt wird damit erzielt? Wie ist ein Kapitel aufgebaut – eher wie eine Filmszene oder doch wie eine Kurzgeschichte, die auch für sich gelesen werden kann?

Wie verwendet der Autor Absätze? Viele? Wenige? Lange? Kurze? Wie wird hier variiert?

6. Setting

Wie bringt der Autor das Setting in den Roman? Minimalistisch mit nur wenigen Worten oder doch in epischer Breite mit ausufernden Landschaftsbeschreibungen und Hintergrundinformationen? Wie werden diese präsentiert? Im Dialog? Im Monolog? Vom Erzähler?

Wann spielt das Setting eine Rolle im Plot? Welche Funktion erfüllt es dabei? Ist es ein origineller Schauplatz, der eine Prise Exotik verleihen soll oder Teil des Plots, der vielleicht sogar zur Lösung des Mysteriums oder des Konflikts beiträgt?

Kostenlose Scrivener-Vorlage für Thriller

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Scrivener ist meiner Meinung nach die App für Autoren schlechthin. Ich arbeite ständig mit ihr und habe über die Jahre an meiner Vorlage zum Romanschreiben gefeilt – in meinem Fall speziell für Thriller – die ich hier gerne teilen möchte.

Da ich einerseits die Dinge gerne einfach halte und andererseits dazu neige immer wieder Details zu vergessen, weist meine Vorlage eine schlichte Ordnerstruktur auf und strotzt nur so vor kleineren Gedächtnisstützen und Checklisten. Manche Dinge erklären sich von selbst, andere dürften regelmäßigen Lesern meines Blogs bekannt vorkommen und werden unter den jeweiligen Links noch einmal genauer erklärt. Weiterlesen

Figuren entwickeln mit dem Enneagramm – Ein praktisches Beispiel

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Hier nun der zweite Teil des Gastartikels von Alexanders KuprijanowTeil 1 findest du hier.

Jens Becker, Professor für Drehbuch an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ Babelsberg, legt ein Werkzeug vor, das Autoren unterstützen soll, sowohl bei Charakteren als auch beim Plot. Sein E-Book „Drehbuch-Tool Enneagramm 2.0“ beschreibt ein universelles Modell, das auf dem Enneagramm basiert.

Mein Ansatz: ich möchte das Enneagramm nun praktisch einsetzen, um einen kleinen Charakterentwurf zu schreiben. Die Figur will sich mit den zahlreichen Ungerechtigkeiten um sie herum nicht länger abfinden und schreitet irgendwann selbst entschlossen zur Tat. Weiterlesen

Figuren entwickeln mit dem Drehbuch-Tool Enneagramm 2.0 von Jens Becker

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Ich freue mich sehr darüber, mit diesem aufschlussreichen Artikel über das Erschaffen von Figuren auf meinem Blog einen weiteren Gastbeitrag von Alexander Kuprijanow präsentieren zu dürfen.

Wenn er sich nicht gerade mit Spieldesign, Comics, Filmen und Drehbüchern beschäftigt, wirkt Alexander Kuprijanow an dem Horrorspiel U55-END OF THE LINE mit, das dem geistigen Erbe Lovecrafts folgt und in der Berliner U-Bahn spielt. Weiterlesen

Lernpsychologie für Autoren

LernpsychologiefrAutorenSchreibgruppen, Seminare u.ä. helfen beim Lernprozess eines Autors. Trotzdem ist man mehr noch als in vielen anderen Tätigkeiten beim Roman schreiben auf eigenverantwortliches Lernen angewiesen: Es gilt, permanent den eigenen Schreibprozess zu reflektieren, zu hinterfragen und zu justieren, Schwachstellen selbst zu erkennen und dafür zu sorgen, dass man besser wird, wenn man Autor werden will.

Ein paar Kenntnisse darüber, wie Lernen funktioniert, haben mir dabei geholfen, diesen Prozess zu optimieren: Weiterlesen

Gewinne eine Ausgabe von Axel Hollmanns Thriller “Asphalt”

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Im Rahme unseres Die SchreibDilettanten-Blogs verlosen Axel Hollmann und ich in den kommenden Tagen Freiexemplare seines E-Book-Thrillers Asphalt. Ein Fall für Julia Wagner unter allen Abonnenten des SchreibDilettanten-Newsletters.

Axel Hollmanns Asphalt

Julia Wagner ist eine echt toughe Frau. Ihren Job als Kommissarin beim Berliner LKA hat sie kurzerhand wegen einer dummen Affäre mit Frank, einem verheirateten Kollegen, geschmissen. Seitdem schlägt sich die 29-jährige als Sensationsreporterin für eine Boulevardzeitung durch. Als Frank unvermittelt wieder auftaucht, ahnt Julia schon, dass das Ärger bedeutet. Und tatsächlich, bald hat sie eine Motorradgang und die Polizei auf dem Hals.

Also, wenn du bereits Abonnent des Newsletters der SchreibDilettanten bist, musst du nichts tun, außer Daumen drücken, dass deine Adresse gelost wird. Solltest du den Newsletter noch nicht abonniert haben, solltest du das bis kommenden Dienstag, den 22. Juli 2014 um 23:59 Uhr tun (geht ganz einfach über das Eingabefeld in der rechten Seitenleiste unseres Blogs, direkt über den Fotos von Axel und mir).

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Das Problem der sprechenden Köpfe

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Dialoge kann es meiner Meinung nach in einem Roman ja eigentlich nicht genug geben. Trotzdem gibt es eine Falle, in die ich tappen kann, wenn ich als Autor gerne Dialoge schreibe. Dieses Problem hat der Großmeister der Spannung, Alfred Hitchcock, “Photographing Talking Heads” genannt. Weiterlesen