4 Gründe, warum es wichtig ist, einfach weiterzuschreiben

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Als Outliner bin ich beim Schreiben an einem Roman oft an einem Punkt, an dem neue Ideen in meinem Kopf auftauchen, die sich viel, viel besser anfühlen als alles, was ich mir im Vorfeld ausgedacht habe. Die Versuchung ist dann stets groß, diesen neuen Eingebungen zu folgen, statt mich an meine Outline zu halten.

In den meisten Fällen ist dies jedoch der Weg in den Untergang.  Hier vier Gründe, wieso es besser ist, an einem Plan festzuhalten, als neuen Ideen zu folgen:

1. Es geht nichts über das Gefühl, fertig zu sein

Neue Ideen bedeuten (fast immer) mehr Arbeit. Eine neue Figur hier, eine überraschende Wendung dort – und schon muss ich nicht nur den aktuellen Abschnitt, an dem ich sitze, überarbeiten, sondern mindestens noch ein Dutzend Kapitel mehr.

Das killt bei mir häufig die Motivation für das aktuelle Projekt.

Damit geht viel Zeit dafür drauf, Dinge zu überarbeiten, die eigentlich schon erledigt sein sollten. Das Ende der Arbeit rückt in noch weitere Ferne. Je länger ich an einem ersten Entwurf sitze, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit, dass ich ihn auch beende.

2. Hinter neuen Ideen stecken oftmals Unsicherheit und Ängste

Natürlich kann es sein, dass die neuen Ideen, die sich mir beim Schreiben aufdrängen, wirklich verflixt gut sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich aus den falschen Gründen von ihnen begeistert bin, ist jedoch recht hoch.

Schreiben ist mühselig und kleinteilig. Ideen sind groß und mitreißend. Das Tolle an Ideen ist ja, dass sie erst einmal nur in meinem Kopf sind und sich nicht auf dem Papier beweisen müssen. Ganz im Gegensatz zu dem ersten Entwurf, an dem ich gerade sitze. Hier muss alles zueinander passen, logisch sein und sich gut lesen.

Fast immer quälen mich deswegen beim Schreiben eines ersten Entwurfs die Zweifel: Ist das wirklich originell genug? Liest sich das vernünftig? Sind die Figuren nicht zu eindimensional, die Dialoge zu lahm, die Wendungen zu vorhersehbar?

Die schreckliche Wahrheit: Ja, die Zweifel sind berechtigt.

Der Ausweg aus dieser Misere ist jedoch nicht, beim Arbeiten am ersten Entwurf ständig neu anzufangen, um die vielen Ideen, die sich beim Schreiben ergeben, sofort einzuarbeiten.

Der erste Entwurf wird erst dann wirklich besser, wenn ich ihn nach dem Fertigstellen mit etwas Abstand überarbeite. Und die vielen tollen neuen Ideen (die ich mir natürlich alle notiert habe), später einarbeite.

3. Das Neue ist immer toll, weil es neu ist

Um uns herum existiert eine Kultur des Neuen. Das neue Handy ist besser als das alte, die Neuverfilmung des Klassikers von vor 30 Jahren sieht besser aus, jeder will ein neues Auto usw.

Tatsächlich ist es ja auch richtig: Das Neue hat einen Reiz für sich. Es gibt was zu entdecken. Das ist eigentlich gar nicht schlecht.

Aber nicht immer ist das Neue nach genauerer Prüfung auch besser. Das gilt vor allem für Ideen. Eine neue Idee ist etwas, auf das ich stolz bin, das mich schon allein deswegen mitreißt. (“Boah, so einen tollen Einfall habe ICH? Das ist ja der Hammer! Das MUSS ich einfach verwenden.”)

Diesen Reiz des Neuen muss ich sehr, sehr kritisch hinterfragen. Denn unter Umständen schafft eine neue Idee für mein Manuskript mehr Probleme, als sie löst. Und nur weil die Idee für sich vielleicht toll ist, muss sie nicht auch gleich gut für das Große Ganze sein.

4. Neue Ideen sind eine Form der Prokrastination

Eben weil neue Ideen sozusagen den schnellen Kick bieten – wohingegen das Festhalten an alten im ersten Augenblick eher langweilig erscheint – sind sie ein guter Weg, um unangenehme Gefühle schnell zu beseitigen.

Statt an dem großen Ziel festzuhalten, das aber noch in weiter Ferne liegt und viel harte Arbeit erfordert, widme ich mich lieber dem Impuls des Augenblicks, der mich gerade begeistert.

Das ist nichts weiter als Prokrastination. Ich tausche eine schnelle Belohnung gegen das ein, was ich nur mit viel Anstrengung auf lange Sicht erreichen kann.

Die praktische Körpersprachenliste

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Kleinen Sätze, wie “Er zuckte mit den Achseln.”, “Sie lächelte.” oder “Sie seufzte.” usw. lassen Figuren lebendiger werden. Meistens sind sie zwischen Dialoge eingestreut, um das Problem der sprechenden Köpfe zu lösen. Der Leser bekommt dank dieser Redebegleitsätze oder Ergänzungen zu den Dialogen den Eindruck, dass die Figuren sich bewegen, gestikulieren und auch ein Leben außerhalb einer Dialogzeile haben. Weiterlesen

Romane schreiben wie Jim Butcher

RomaneschreibenwieJim

Ich werde stets hellhörig, wenn bekannte und erfolgreiche Autoren verraten, wie sie Romane schreiben. Jim Butcher, einer meiner Lieblingsautoren, hat über die Jahre viele Artikel im Netz angehäuft, in denen er tiefe Einblicke in seinen Schaffensprozess gewährt.

Ich habe sie alle mit großer Begeisterung gelesen und gebe hier mal einen Überblick über die Highlights und verlinke auch zum jeweiligen Original. Weiterlesen

Analysierendes Lesen für Autoren

AnalysierendesLesenfrAutorenWer selbst Romane schreibt, verlässt die Perspektive des reinen Konsumenten und will einen Blick hinter die Kulissen werfen, um den Kniffen seiner Vorbilder und Kollegen auf die Schliche zu kommen. Zumindest geht das mir so. Hier die Dinge, auf die ich beim Lesen besonders achte: Weiterlesen

Kostenlose Scrivener-Vorlage für Thriller

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Scrivener ist meiner Meinung nach die App für Autoren schlechthin. Ich arbeite ständig mit ihr und habe über die Jahre an meiner Vorlage zum Romanschreiben gefeilt – in meinem Fall speziell für Thriller – die ich hier gerne teilen möchte.

Da ich einerseits die Dinge gerne einfach halte und andererseits dazu neige immer wieder Details zu vergessen, weist meine Vorlage eine schlichte Ordnerstruktur auf und strotzt nur so vor kleineren Gedächtnisstützen und Checklisten. Manche Dinge erklären sich von selbst, andere dürften regelmäßigen Lesern meines Blogs bekannt vorkommen und werden unter den jeweiligen Links noch einmal genauer erklärt. Weiterlesen

Figuren entwickeln mit dem Enneagramm – Ein praktisches Beispiel

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Hier nun der zweite Teil des Gastartikels von Alexanders KuprijanowTeil 1 findest du hier.

Jens Becker, Professor für Drehbuch an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ Babelsberg, legt ein Werkzeug vor, das Autoren unterstützen soll, sowohl bei Charakteren als auch beim Plot. Sein E-Book „Drehbuch-Tool Enneagramm 2.0“ beschreibt ein universelles Modell, das auf dem Enneagramm basiert.

Mein Ansatz: ich möchte das Enneagramm nun praktisch einsetzen, um einen kleinen Charakterentwurf zu schreiben. Die Figur will sich mit den zahlreichen Ungerechtigkeiten um sie herum nicht länger abfinden und schreitet irgendwann selbst entschlossen zur Tat. Weiterlesen